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Beitrag von
doro23 (38 Beiträge) am Dienstag, 17.Januar.2012, 19:11.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Liebe Leonie, wie gut, dass Du Dich mit Deinem Kummer hier äußern kannst. Ganz sicher sind Schmerz, Kummer und die Unterträglichkeit dieses plötzlichen Verlustest absolut präsent. Gerne würde ich sagen, alles wird besser???? Gerne würde ich Dir sagen, der Schmerz läßt nach, aber.... einiges wird anders und vielleicht manchmal ein wenig milder. Besonders, wenn Du im Umfeld erlebst, dass Deine Trauer "nervt", bist Du hier gut aufgehoben. Im Forum gibt es immer ein offenes Ohr und Menschen, die Dich verstehen. Fühle Dich umarmt und sei willkommen. Liebe Grüße von Doro23
Dein Beitrag:
Beitrag von
Leonie23 (2 Beiträge) am Dienstag, 17.Januar.2012, 18:40.
die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Es ist unfassbar für mich. Mein Mann ein hochintelligenter, witziger, lebensbejahender Mensch ist am 2.12.2011, einen Tag vor seinem Geburtstag, einfach so, aus dem Nichts, in sich zusammengesackt und umgefallen. Völlig ohne Vorwarnung, ich seh ihn noch fallen - ich erlebe diese Szene jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Danach habe ich ihn eine halbe Stunde reanimiert. Der Rettungswagen kam nach 35 Minuten, die haben es auch noch eine Stunde lang probiert. Doch: nix zu machen, er war und ist tot. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Wir haben immer 24 Stunden zusammen verbracht, zusammen gelebt, unsere Freizeit und Hobbies geteilt und auch zusammen gearbeitet.Und plötzlich, alle Pläne, alle Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft sind weg. Was soll ich denn machen? Wir haben vier Kinder, unser Jüngster ist gerade 11 Jahre alt. Für ihn stehe ich auf und führe auf den ersten Blick wieder ein normales Leben. Ich sitze in unserer Firma und akquiriere neue Aufträge. Wir arbeiten in der Unterhaltungsbranche... nachdem mir alle Leute ihr Beileid ausgedrückt haben, ist jetzt wieder business as usual...das kann doch nicht sein? Man kann doch nicht einfach weiter machen. Oder doch? für alle anderen hat sich nichts in der Welt verändert...alles ist irgendwie gleich und doch so leer...ich bin zutiefst erschüttert und habe auch schon das Gefühl, dass die meisten Menschen schon jetzt von meiner Trauer genervt sind. Leonie23
Beitrag von
doro23 (38 Beiträge) am Dienstag, 17.Januar.2012, 19:11.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Liebe Leonie, wie gut, dass Du Dich mit Deinem Kummer hier äußern kannst. Ganz sicher sind Schmerz, Kummer und die Unterträglichkeit dieses plötzlichen Verlustest absolut präsent. Gerne würde ich sagen, alles wird besser???? Gerne würde ich Dir sagen, der Schmerz läßt nach, aber.... einiges wird anders und vielleicht manchmal ein wenig milder. Besonders, wenn Du im Umfeld erlebst, dass Deine Trauer "nervt", bist Du hier gut aufgehoben. Im Forum gibt es immer ein offenes Ohr und Menschen, die Dich verstehen. Fühle Dich umarmt und sei willkommen. Liebe Grüße von Doro23
Beitrag von
Sternkind (2 Beiträge) am Dienstag, 17.Januar.2012, 22:25.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Liebe Leonie, einer der schlimmen Sätze für mich war " Das Leben geht weiter, was willst du machen.." Hä, mein Leben ging nicht weiter, es blieb stehen, während sich die Welt weiter drehte. Jetzt ist es fast ein viertel Jahr her und meine Welt versucht weiterzudrehen, manchmal in Zeitlupe, manchmal etwas schneller, definitiv nicht im Normaltempo. Montag bis Freitag, 6-20 Uhr haben wir sowas wie Normalität, aber der Rest, ne noch lange nicht. Auch ich habe 4 Kinder, mein jüngster ist 6, wird 7. Er begreift es nicht in der lezten Konsequenz, eine Gnade. Ich funktioniere und versuche ab und an mal ein wenig zu leben und mich zu spüren, schwer. Die Leute fragen, wie es mir geht und scheinen nicht betroffen, ich glaube aber, daß es in manchem schon arbeitet, die brauchen Zeit bis sie reden können Aber was will ich machen, hilft es wenn ich schreie, ausflippe und mein ganzes Leben hinschmeiße? Ich habe überlegt, ob ich vorübergehend aufhöre zu arbeiten, aber das traue ich mich nicht. Was mache ich dann mit der Zeit? Falle ich nicht erst recht in ein Loch? Und wo von leben? Ich bin Freiberufler, ich kann also auch nicht einfach krank sein. MAnchmal nerve ich meine Freunde bzw ich überfordere sie, dann ziehe ich mich zurück, lange geht das nicht, ich brauche sie. Und meist gehts dann für die Freunde auch wieder, es hilft nur reden, reden, reden. Es ist ermüdend. Das ist hier so schön. Hier muß ich nicht erklären, hier versteht man mich. Es gibt Momente, da gehts, in anderen verzweifle ich, dann hoffe ich wieder, daß dieses Leben noch irgendetwas bereit hält für mich und überlege, wo meine Aufgabe liegt. Ein schmaler Grad zwischen hoffnung und verzweiflung und ich hoffe, Gott hält mich und dich. Liebe Grüße Sternkind
Beitrag von
May (9 Beiträge) am Dienstag, 17.Januar.2012, 22:51.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Liebe Leonie,
natürlich kannst du all das noch nicht fassen. Es ist doch noch ganz frisch. Nichts konnte dich auf das vorbereiten, was du erlebt hast. Die Bilder begleiten dich, dein Mann begleitet dich. Ich hoffe, dass dich auch die schönen Bilder begleiten, so schmerzhaft sie auch sind. Du hast eine ungeheure Kraft, du arbeitest schon wieder, kümmerst dich um die Kinder. Dein Mann wäre sicherlich stolz auf dich. Ich glaube, er ist stolz auf dich.
Die Menschen in deiner Umgebung stecken vielleicht voller Angst. Sie sind unsicher, wissen nicht mit der Situation umzugehen. Mir fällt es auch oft schwer, meinen Schmerz offen auszusprechen. Öffne ich mich meinen engen Freunden gegenüber, bekomme ich soviel zurück. Durch den Tod deines Mannes, werden alle anderen auch mit ihrer eigenen Endlichkeit konfrontiert und da doch viele Meister im Verdrängen sind, halten sie es auch jetzt so. Ich versuche es ihnen nicht übel zu nehmen, bin froh, dass ich Menschen habe, denen ich es zumuten kann, die mich auffangen, wenn es nötig ist. Solche Freunde wünsche ich dir auch von Herzen und wenn niemand greifbar ist, dieses Forum hört immer zu.
Liebe Grüße May
Beitrag von
lanfeust (69 Beiträge) am Mittwoch, 18.Januar.2012, 14:19.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Hallo Leonie,
mit ist es ähnlich ergangen wie dir: meine Frau starb vor einem halben Jahr neben mir im Schlaf; ich habe noch versucht, sie zu reanimieren. Für mich ist die Welt an jenem Tag stehengeblieben. Und dein Eindruck "buisiness as usual" trifft leider für viele Gelegenheiten zu...erst am letzten Freitag wurde mir von einer Kollegin Unverständnis geäußert, das ich nicht zum Firmenneujahrsempfang kommen wollte. Wirkliches Verständnis ist dünn gesät oder die Leute haben Angst, etwas falsches zu sagen. Vielleicht möchten sie auch nicht an die eigene Sterblichkeit erinnert werden oder sich die Hilflosigkeit des Außenstehenden eingestehen. Ob man weitermachen kann? Ich habe drei Kinder, die jüngsten sind 15 Jahre alt. Für mich ist es also kein "kann", sondern ein "muß"
Diese Seite hier hilft mir sehr, das "muss" auch zu "können".
Viele Grüße
Thomas
Beitrag von
Kawona (17 Beiträge) am Donnerstag, 19.Januar.2012, 20:28.
Re: die Welt bleibt einfach nicht stehen...
Liebe Leonie,
nein, sie bleibt nicht stehen, die Welt. Und doch für einen selbst tut sie das. Mein Freund starb vor 6,5 Jahren auch ganz plötzlich. Ich habe mich lange wie in einer Seifenblase gefühlt, als wäre ich nicht so ganz Teil der Welt oder hätte zumindest ein deutlich anderes Tempo. Mit der Zeit näherten sich das Tempo der Welt und meines wieder an. Ich musste mich in Geduld und Vertrauen üben (und das manchmal auch von meinen Mitmenschen einfordern) und bei allem weitermachen (das durchaus auch wichtig ist und geholfen hat), hat manchmal auch Traurigkeit oder Stehenbleiben seinen Platz gebraucht. Ich wünsche Dir Geduld (mit dir und von anderen) und viel Kraft für alles. Kawona
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