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Beitrag von
mieke7366 (35 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 13:54.
Re: ICH
Das musste einfach mal raus so. Da hatte sich soviel angesammelt, erst habe ich mich gar nicht getraut alles hierein zu schreiben, weil vielleicht manche gerade noch in "der 1. Phase" stecken und sich vielleicht dadurch verletzt fühlen. Aber eigentlich habe ich die Erfahrung gemacht, das man hier schon ehrlich sein kann, ohne direkt verurteilt zu werden. Freut mich, wenn es einigen von Euch gefallen hat und vielleicht sogar etwas hilft
Mieke
Dein Beitrag:
Beitrag von
mieke7366 (35 Beiträge) am Donnerstag, 19.Januar.2012, 11:33.
ICH
ICH
Ich bin ich. Ich bin einzigartig in allem, was ich fühle und erlebe. Ich habe einen lieben Menschen verloren. Deshalb fühle ich mich traurig, voller Schmerz, verzweifelt und allein. Ich fühle mich manchmal als der unglücklichste Mensch auf der Welt und das darf ich auch. Egal wieviel Schmerz und Elend es auf der Welt gibt, mein persönlicher Schmerz ist für mich der schlimmste. Wann immer ich jemanden, der mir wichtig ist, verliere, empfinde ich Schmerz. Das muss so sein. Meine Tränen sind Ausdruck meines Schmerzes. Wann immer sie kommen, werde ich sie als ein Zeichen der Trauer annehmen. Sie gehören zu mir. Zu mir gehören auch Gefühle der Schuld, Angst, Wut und Einsamkeit. Oft werde ich über Kleinigkeiten wütend werden. Auch dies gehört auf meinen Weg durch die Trauer. Oft behandele ich meine Freunde oder Familie ungerecht, obwohl ich sie doch gerade jetzt so sehr brauche und auch mein Körper zeigt mir, das er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Alles dies werde ich annehmen und durchleben, denn nur so kann ich die Trauer irgendwann verabschieden. Ich werde Zeit brauchen um meine Trauer zu durchleben und Abschied zu nehmen. Wann immer ich ungeduldig darüber werde, das ich immer noch Trauer und Wut empfinde, werde ich mich daran erinnern, das es Zeit und Arbeit braucht, Wege durch die Trauer zu finden. Verluste und Abschiednehmen sind Bestandteile des Lebens. Sie sind Ausdruck des Lebens auf der Welt. So lange ich lebe werde ich kleine und große Verluste erleben. Einige werde ich schnell überwinden, andere werden mich mein ganzes Leben beeinflussen. Ich kann wählen, den Verlust anzunehmen und zu verarbeiten oder ich kann ihn ablehnen. Ich entscheide mich dafür, ihn anzunehmen, denn Hass und Ablehnung sind unangenehme Gefühle. Ich kann es schaffen, meine Trauer zu durchleben und am Ende des Weges stehen wieder erwachende Lebensfreude und die Entdeckung neuer Chancen. Meine Gefühle der Trauer werden vorübergehen. Sie haben jetzt ihren Sinn, aber sie werden irgendwann ihren Sinn verlieren. Ich werde wieder lachen und fröhlich sein können. Ich werde wieder Selbstvertrauen und neue Fähigkeiten gewinnen. Ich werde das Leben bewußter wahrnehmen und mehr schätzen lernen. Ich werde mich und andere Menschen besser verstehen. Ich werde auf mich und meine Fähigkeiten vertrauen können, und so schaffe ich es, durch meine Trauer zu gelangen. Ich entscheide mich dafür, meine Gefühle anzunehmen und auf angemessene Weise auszudrücken, wann immer ich sie empfinde. Ich entscheide mich dafür, an einer neuen Lebensperspektive zu arbeiten. Ich lerne, mich täglich um meine Bedürfnisse zu bemühen, auch wenn ich mich vielleicht nicht danach fühle. Ich trage Verantwortung für mich und ich bin es wert, gut für mich zu sorgen.
Beitrag von
Golfball (131 Beiträge) am Donnerstag, 19.Januar.2012, 12:05.
Re: ICH
Liebe mieke,
das hast Du sehr schön geschrieben. Ich finde mich in Deinem Text wieder.
Danke.
Beitrag von
ekieh (196 Beiträge) am Donnerstag, 19.Januar.2012, 17:18.
Re: ICH
Liebe Mieke, Du sprichst mir aus der Seele. Liebe Grüße Heike
Beitrag von
crazynurse (41 Beiträge) am Samstag, 21.Januar.2012, 23:27.
Re: ICH
Wunderbar!! Ich gratuliere dir zu der Wahl deiner Worte!! Genau so ist es, war es, wird es sein! Ein gewisser Trotz - so empfinde ich es - gehört definitiv dazu! Danke
Beitrag von
mieke7366 (35 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 13:54.
Re: ICH
Das musste einfach mal raus so. Da hatte sich soviel angesammelt, erst habe ich mich gar nicht getraut alles hierein zu schreiben, weil vielleicht manche gerade noch in "der 1. Phase" stecken und sich vielleicht dadurch verletzt fühlen. Aber eigentlich habe ich die Erfahrung gemacht, das man hier schon ehrlich sein kann, ohne direkt verurteilt zu werden. Freut mich, wenn es einigen von Euch gefallen hat und vielleicht sogar etwas hilft
Mieke
Beitrag von
bonner68 (5 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 11:12.
Re: ICH
Ich möchte Danke sagen für diese Worte. Sie geben mir einen Blick nach vorne. Im Moment habe ich das Gefühl , es geht nur alles rückwärts. Aber ich denke auch das es so kommt wie du es schreibst. Und ich werde den Verlust annehmen .
Danke
Beitrag von
LukasOma (37 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 20:58.
Re: ICH
Hallo mieke,
ich finde deine Worte sehr schön und vieles trifft sicher auf uns alle hier zu. Leider kann ich das Ich" für mich nicht nachempfinden. Wer bin "ich" schon, dass ich Bedürfnisse haben müsste? Warum für mich sorgen, wo doch mein geliebter Mann nicht mehr da ist. Für ihn und um ihn konnte ich sorgen bzw. mich sorgen. Jetzt warte ich hier nur noch meine Zeit ab. Was bin ich schon wert und was außer meiner Arbeit ist geblieben?
Beitrag von
zahlenmaus (62 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 08:37.
Re: ICH
Hallo LukasOma, deine Worte machen mich sehr betroffen. Jeder Mensch für sich allein ist doch wertvoll genug, sich um ihn zu sorgen und zu kümmern. Du warst doch vor deiner Ehe auch ein eigenständiger und wertvoller Mensch, das hast du doch durch die Ehe nicht verloren oder abgelegt. Sicher fühlt man sich am Anfang des Alleinseins wie amputiert, aber dann muss wieder der natürliche Selbsterhaltungswille durchstarten. Ich habe mich nie wie nur "50%" gefühlt, war mir immer auch wichtig und liebenswert. Vielleicht ist es mir dadurch auch leichter gefallen wieder Lebensfreude zu entwickeln. Dein Mann hat bestimmt nie gewollt, dass du dich allein nicht mehr wichtig fühlst. Jeder Mensch hat Bedürfnisse auch du. Lass sie zu und erfülle sie dir, ganz ohne schlechtes Gewissen. Ganz liebe Grüße Waltraud.
Beitrag von
WBaer (147 Beiträge) am Dienstag, 24.Januar.2012, 19:01.
Re: ICH
Hallo LukasOma,
"Wer bin "ich" schon ..." Ein Mensch. Ein einzigartiger Mensch. Du bist du und sonst niemand.
"... dass ich Bedürfnisse haben müsste?" Du "mußt" auch keine Bedürfnisse haben. Du entscheidest ganz alleine, was dir gut tut und was nicht. Vielleicht bist du dir auch selbst genug?
"Warum für mich sorgen, ..." Damit du leben kannst. Anderen eine Freude machen dadurch, dass du lebst. Vielleicht uns hier?
"... wo doch mein geliebter Mann nicht mehr da ist. Für ihn und um ihn konnte ich sorgen bzw. mich sorgen." Hast du Schuldgefühle? Hat dein Mann nicht auch für dich und sich um dich gesorgt? Er kann das nicht mehr. Jetzt solltest du diese, seine Aufgabe übernehmen. Er erwartet das von dir.
"Jetzt warte ich hier nur noch meine Zeit ab." Willst du den Rest deines Lebens sinn- und willenlos in der Ecke sitzen? Was erwartest du, wenn deine Zeit abgelaufen ist?
"Was bin ich schon wert ..." Genau du und sonst niemand auf der Welt warst es deinem Mann wert, von ihm geliebt zu werden. Ist das nichts? Bist du ein Nichts, ein Niemand, nur weil dein Mann nicht mehr lebt? Seine und deine, eure Liebe existiert immer noch.
"... und was außer meiner Arbeit ist geblieben?" Sehr viel. Dein Leben. Es besteht aus drei Dingen: der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft. Die Vergangenheit kann niemand ändern. Im Jetzt kannst du etwas tun (sofern du es willst) und damit deine Zukunft zum Positiven wie zum Negativen beeinflussen.
Es gibt für dich (und für jeden) drei Möglichkeiten:
Ich will entscheiden. Ich will nicht entscheiden. Ich will nicht wollen.
Such dir eine aus, die zur dir passen könnte. Dann hast du jedoch bereits eine Entscheidung getroffen, die deine Zukunft nachhaltig beeinflussen wird. Egal, was du wählst. Also überleg es dir gut.
Entschuldige bitte, wenn dir mein Text so kalt erscheint. Ist er nicht. Ich weiß sehr wohl um deine Gedanken und kann sie auch einigermaßen nach vollziehen. Überall kannst du nachlesen, dass es vielen hier so geht. Genau so gut kannst du nachlesen, dass es vielen nach einiger Zeit wieder besser geht.
So, wie z.B. mieke7366. Sie hat ihre Entscheidung getroffen. Sie will akzeptieren, verstehen. Sie will leben.
Such dir einen Satz aus ihrem Beitrag aus, der dir gefällt und denk darüber nach. Das wäre ein Anfang. Oder? Dann den Nächsten .....
Liebe Grüsse, Helmut
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