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Beitrag von
Gespenst (291 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 11:56.
Re: allein unter vielen
Beitrag von May,22.1.2012
...bekanntes Problem... die Ausgrenzung von Hinterbliebenen aus unserer Spaßgesellschaft... man gibt ihnen Gehhilfen, aber keine Zuwendung.
Dein Beitrag:
Beitrag von
May (9 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 23:15.
allein unter vielen
Heute abend bin ich niedergeschlagen. Ich war auf einem Geburtstag eingeladen und habe mich darauf gefreut. Versuche gerade mich daran zu gewöhnen, dass ich die ungerade Zahl bin, soll heißen allein unter lauter Paaren. So war es auch heute. Das ist aber nicht das Problem. Ich bekam nur mit, wie sich einige von ihnen, die ich auch ganz gut kenne, zu einem Spieleabend verabredet haben. Ich stehe daneben und fühle mich fremd. Sie fragen zwar, wie es mir geht, aber es kommt niemand auf die Idee, dass ich gerade am Wochenende zun Teil schlicht und ergreifend allein bin. Natürlich kann ich fragen, ob ich dazu kommen kann, es würde sicherlich niemand ablehnen und doch bin ich einfach traurig. Ich bekam noch mit, wie verzweifelt nach freien Terminen im Handykalender gesucht wurde, für die nächsten Verabredungen. Ich hätte ihnen meinen zeigen können, Zeit satt. Ich will nicht in Selbstmitleid verfallen, es tut einfach nur weh. Ich muß wieder stark sein und mich selbst da rausziehen. Ich kann nicht warten, bis ich an die Hand genommen werde, ich muß selber los gehen. Nur z. Zt. bin ich etwas wackelig und würde mir eine Gehhilfe wünschen.
Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Was macht ihr, wenn man sich unter vielen Menschen doch allein fühlt?
Liebe Grüße May
Beitrag von
Jarina69 (37 Beiträge) am Sonntag, 22.Januar.2012, 23:49.
Re: allein unter vielen
Hallo May, Dein Beitrag hätte von mir sein können, mir geht es genauso wie Dir. Ich finde auch die Wochenenden sind am schlimmsten und keiner kommt mal auf die Idee zu fragen ob man vielleicht was zusammen unternehmen soll. Hätte ich meine Kinder und Familie nicht, es wäre schrecklich. Mein Terminkalender ist auch sehr übersichtlich. Gut, könnte ja auch mal "Freunde " ansprechen ob wir mal öfer was unternehmen, doch ich denke mir immer es müsste mehr von ihnen kommen. Habe auch schon oft durchblicken lassen das halt die Wochenenden sehr einsam sind,dennoch kommt da nicht wirklich viel. Möchte mich dann da auch nicht aufdrängen. Durch meine Kinder bin ich natürlich auch nicht so spontan, aber wo ein Wille da auch ein Weg , denke ich mir immer. Habe auch schon drüber nachgedacht wie ich meine Zukunft ( Freizeit) anders gestalten könnte, aber es ist echt nicht einfach. Es ist ja nicht so als wenn ich keine Freunde hätte,aber ich habe mir da echt mehr Unterstützung gewünscht. Also, ich kann Dir leider da auch nicht mehr zu sagen, wir müssen halt lernen unser Leben in Zukunft anders zu gestalten. Wie das auch immer aussehen mag.
Liebe Grüße Claudia
Beitrag von
NannyOgg (92 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 10:50.
Re: allein unter vielen
Hallo May, Du sagst, einige von den Geburtstagsgästen haben sich untereinander zu etwas verabredet - also nicht alle. Du warst nicht die einzige, die in diesen Spieleabend nicht miteinbezogen wurde. Warum lädst Du denn nicht von Dir aus ein paar Leute zu Dir ein?
Und wenn Du gern dort dabei gewesen wärst, warum hast Du nicht gefragt? Du möchtest gefragt werden, aber warum? Angst vor Ablehnung ist es wohl nicht, denn Du sagst, Du bist sicher, sie hätten nicht abgelehnt. Man sieht Dir vielleicht nicht an, dass Du gern mitgemacht hättest, deshalb ist den Bekannten auch kein Vorwurf zu machen. Man muss sagen, was man will. Wer lieber darauf wartet, dass man einfach so angeboten bekommt, muss unter Umständen viel Geduld haben. Du brauchst eine „Gehhilfe“. Jemand hat Dich doch zu diesem Geburtstag eingeladen, hat Dir seine Hand gereicht und Dich mit einbezogen, Du hattest gesellschaftlich Anschluss. Eine Gehhilfe nutzt nichts, wenn man dann nicht seine Füße benutzt und läuft.
"Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Was macht ihr, wenn man sich unter vielen Menschen doch allein fühlt?" Ich geh auf Leute zu. Kostet vielleicht etwas Überwindung, aber das sind die Möglichkeiten, die ich habe: Außen vor bleiben oder mich von selbst einbringen.
Ich war am Anfang total überfordert von der ganzen „Fürsorge“, die Leute sind mir auf den Keks gegangen, ständig war jemand um mich rum, wollte helfen, fragen wie es geht, mich „rausholen“, jeden Tag telefonieren. Ich wollte einfach in Ruhe weinen und traurig sein und das hab ich irgendwann auch gesagt. Eine Freundin hat zu mir gesagt: "Wenn irgendwas ist, Du nicht allein sein willst oder so - ruf an, komm vorbei, iss mit uns zu Abend, sitz einfach bei uns auf dem Sofa. Aber sag was. Du musst das nicht alleine machen, aber Du musst sagen, wenn Du was brauchst“.
Und so halte ich das auch.
Beitrag von
borealis (105 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 11:18.
Re: allein unter vielen
Liebe May,
ich verstehe dich. Vermutlich war das für dich die erste Situation dieser Art und du konntest im Moment nicht besser reagieren. Die meisten von uns werden das Gefühl gut kennen...
Nachdem du diese Erfahrung gemacht hast, kannst du deine Erkenntnisse daraus umwandeln und künftig für dich besser damit umgehen.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass wir, die Trauernden, die Ausnahme sind. Und die Minderheit. Wir werden - ob es uns gefällt oder nicht - nicht darum herumkommen, uns der Mehrheit gelegentlich anzupassen, wenn wir nicht einsam und verbittert werden wollen. Wir müssen die Initiative ergreifen, damit nicht das Leben dauerhaft an uns vorbeiläuft.
Es hat keinen Sinn, darüber zu klagen, was andere tun oder nicht tun. Es hat aber Sinn, selbst etwas zu tun. Motto: Wer selbst handelt, wird nicht durch andere be-handelt.
Es mag sich albern anhören, aber bei mir hat es mit einem im Kellerregal wiedergefundenen und ewig unbenutzten Waffeleisen angefangen: Ich habe nach und nach die Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn in kleinen Gruppen zum Waffelessen eingeladen, ganz zwanglos, ohne großen Aufwand. Immer nur in der Größenordnung und Zeit, wie ich es eben jeweils vertragen konnte. Daraus haben sich im Zeitverlauf ganz neue Treffen und Gegeneinladungen entwickelt, die mir schon manchen einsamen Abend oder Wochenende erspart haben.
Ich weiss: Es ist nur ein winzig kleiner, alberner Schritt, aber es ist einer. Und irgendwann sind es zwei, oder drei...*hoff*
Also nicht lange traurig sein über den misslungenen Abend, sondern im Kellerregal das alte Waffeleisen suchen (*zwinker* du weisst sicher, wie ich das jetzt meine).
Herzliche Grüße borealis
Beitrag von
Gespenst (291 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 11:56.
Re: allein unter vielen
Beitrag von May,22.1.2012
...bekanntes Problem... die Ausgrenzung von Hinterbliebenen aus unserer Spaßgesellschaft... man gibt ihnen Gehhilfen, aber keine Zuwendung.
Beitrag von
NannyOgg (92 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 13:49.
Re: allein unter vielen
Kann ich für mich nicht bestätigen. Vielleicht sollte man sowas nicht einfach so verallgemeinern.
Beitrag von
Thomas1959 (25 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 22:50.
Re: allein unter vielen
Hi Lutz, allein unter Vielen und doch einzigartig,
Trauer dauert, doch auch wir haben das Recht zu leben. Nach einer guten und bewältigten Trauerzeit!!!
Ich wende mich Dir zu und schreibe in Dein Postfach!!! Hoffentlich laufe ich nicht ins Leere!!!
Du scheinst ziemlich einsam zu sein, hat Dich schon einmal ein guter Freund oder Bekannter berührt – ich meine angezogen, nur Hand aufgelegt und den Rücken gestreichelt??? Probiere es, es bewirkt Wunder. Ich hatte die Erfahrung schon gemacht, aber nicht jeder kann das gleiche Gefühl bewirken. Ich hätte nie gedacht, dass ich bei einem Mann eine Gänsehaut bekomme – durch diese Erfahrung sind wir gute Freunde geworden – wie Blutsbrüder, der eine hilft dem anderen!!!
Du musst Dich den Menschen zuwenden, als Gespenst wirst Du nicht wahrgenommen. Du musst es wollen, von alleine kommt selten jemand auf Dich zu. Wende Dich den Menschen zu oder alternativ ein guter Freund kann auch ein Hund sein, aber Du musst es wollen und die Wende einleiten, sei der sichtbare Lutz!!!
Thomas
P.S. Nach 30 Jahren Familienvater bin/war ich auch zuerst auf mich alleine gestellt und gehe den Schritt nach vorne. Bin in einen Kegelverein eingetreten und suche noch einen Chor, weil Musik mir hilft!!
Beitrag von
WBaer (147 Beiträge) am Dienstag, 24.Januar.2012, 19:32.
Re: allein unter vielen
Zitat von Gespenst: "man gibt ihnen Gehhilfen, aber keine Zuwendung."
Ich glaube eher, an Zuwendung würde es nicht mangeln, wenn denn die angebotenen Gehhilfen von den Hinterbliebenen auch öfter mal benutzt würden. Ich meine damit nicht nur die Gehhilfen aus unserer Gesellschaft, sondern auch die von Freunden und vor allem die aus diesem Forum. Sicher, die meisten tun es ja. Zumindest hier.
Es ist gut, sich den Kummer und die Trauer von der Seele zu schreiben, doch das alleine nutzt nichts. Man braucht Gehhilfen, Ratschläge, Tipps. Um daraus einen Erfolg zu ziehen, braucht es Aktion und Reaktion. Sowohl von der Gesellschaft als auch vom Hinterbliebenen. Von dem besonders. Ansonsten treibt er sich selber unausweichlich in die Isolation.
Man kann in keinem Lebensbereich nur verlangen, dass Andere etwas tun. Selbst ist der Mann/die Frau in erster Linie.
Liebe Grüße, Helmut
Beitrag von
May (9 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 16:56.
Re: allein unter vielen
Danke für eure Unterstützung, wobei ich den letzten Beitrag von NannyOgg nicht ganz zuordnen kann.
Ich sage mir immer wieder, ich gehe meinen eigenen Weg. Ich gehe ihn gerade und aufrecht. Es gibt aber Tage an denen es schwerer fällt, die Kraft ist erschöpft. So ein Tag war wohl gestern.
Liebe Grüße May
Beitrag von
NannyOgg (92 Beiträge) am Dienstag, 24.Januar.2012, 10:27.
Re: allein unter vielen
Hi May, mein letzter Beitrag bezog sich auf Gespensts Post "bekanntes Problem... die Ausgrenzung von Hinterbliebenen aus unserer Spaßgesellschaft... man gibt ihnen Gehhilfen, aber keine Zuwendung."
Ich habe diese Erfahrung nicht gemacht. Vielleicht bin ich nicht die typische Hinterbliebene, mein Freund und ich waren noch nicht sehr lange zusammen, wir wollten erst dieses Jahr zusammenziehen. Aber ich werde von meiner Umwelt nicht ausgegrenzt, im Gegenteil, es kommen auch von Einladungen, Hilfe oder Angebote von Leuten, mit denen ich vorher nicht so viel zu tun hatte.
Und bei mir ist es auch noch nicht so lange her, dass ich wieder allein bin, vielleicht ist es hilfreich, die anfangs sicherlich häufigeren Angebote nicht allzu lange Zeit auszuschlagen. Je länger man sich zurückzieht und abkapselt, desto schwerer fällt es später anderen, einen wieder einzubeziehen.
Daher möchte ich nicht ausschließlich der sogenannten "Spaßgesellschaft" den schwarzen Peter zuschieben.
Es ist schön zu lesen, dass Du Deinen eigenen Weg gerade und aufrecht gehst. Und wenn die Kraft mal nachlässt, dann gönn Dir die Schwäche auch und mach mal Pause vom stark sein. Hauptsache, man gibt der Kraft wieder eine Chance zum Durchbrechen, wenn wie zurückkommt :)
Beitrag von
Wolke1970 (62 Beiträge) am Montag, 23.Januar.2012, 21:17.
Re: allein unter vielen
Hallo May,
solche Situationen empfinde ich als total verletzend. Ich würde mich wahrscheinlich auch nicht trauen, nachzufragen, ob man sich anschliessen könnte. Ich habe mich zu Anfang, wenn ich irgendwo hinging immer rückversichert, ob jemand von meinen Freunden auch da war. Da fühlte ich mich sicher. Inzwischen bin ich recht entspannt in solchen Situationen, aber das habe ich auch erst lernen müssen. Vor ca 2 Wochen war ich bei einer Bekannten zum Geburtstag eingeladen und habe da festgestellt, das ich niemanden näher kenne. Tja, das war einer der nettesten Abende, die ich in letzter Zeit erlebt habe. Mal ganz andere Leute- nett. Alles zu seiner Zeit. Liebe Grüsse, Wolke1970
Beitrag von
bbe (87 Beiträge) am Dienstag, 24.Januar.2012, 07:19.
Re: allein unter vielen
Hallo May, so wie Dir ergeht es vielen, wenn nicht sogar allen. Ich kenne diese Situation nicht nur von Geburtstagen, sondern auch von "Großveranstaltungen". Du stehst unter Hunderten und hast nur den einen Wunsch: schnell weg von hier. Mit der Zeit wird das besser, weil man sich daran gewöhnt, als Individuum unterwegs zu sein, nicht mehr als Doppel. Leider lichtet sich auch der Freundes- und Bekanntenkreis aus diesem Grunde etwas, aber dafür kommen neue Menschen in Dein Leben. Irgendwie geht es weiter, nur eben anders. Man richtet sich in der neuen Welt ein. Und manchmal hab ich (endlich wieder) den Eindruck, es könnte nochmal hell werden am Ende des Tunnels. Nach 2 3/4 Jahren bin ich immerhin fähig, mich für einen Kurs anzumelden und auch hinzugehen, und ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden, mit guten alten Single-Freunden in Urlaub zu fahren. Es braucht halt alles seine Zeit. Ich wünsche Dir viel Kraft und Durchhaltevermögen. LG bbe
Beitrag von
Barb (10 Beiträge) am Sonntag, 29.Januar.2012, 12:38.
Re: allein unter vielen
Liebe May Ich habe solche Situationen auch erlebt. Der Freundeskreis hat sich bei mir daraufhin auch etwas gewandelt. Bei diesen "Paartreffen" habe ich mich einfach nicht mehr so wohl gefühlt. Aber wenn du dich umschaust, wirst du auch andere Menschen in deinem Bekanntenkreis finden, die ebenfalls ohne Partner sind, oder auch mal gerne etwas ohne ihren Partner unternehmen wollen. Außerdem ist es gut z. B. in einem Chor zu singen oder zum Sport zu gehen. Mittlerweile bin ich etwas abgehärtet und gehe "zur Not" auch mal alleine ins Kino oder so. Andererseits finde ich auch oft jemanden zum Mitgehen- du musst einfach lernen zu Fragen! Du schaffst das bestimmt. LG Barbara
Beitrag von
warmesonne (17 Beiträge) am Sonntag, 29.Januar.2012, 23:52.
Re: allein unter vielen
Hallo May,
ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen. Zu meinem bisherigen Bekanntenkreis gehörten fast nur verheiratete Personen mit Kindern. Leider gibt´s auch bei mir keine Spielabende mehr (dank meinen Kinder habe ich jetzt Spielnachmittage -> beim "Obstgarten" oder "Mensch ärgere dich nicht" kann man sich auch gut amusieren :). Es ist nicht einfach für mich offener auf die Leute zu gehen, ich will aber unter Menschen sein. Auf der Flucht vor der Einsamkeit bin ich wieder sportlich aktiver geworden. Beim Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Turnen etc. trifft man überall Menschen, dazu hat die Endorphinausschüttung einen wunderbaren Einfluss auf das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl. Ich war auch schon allein im Kino und habe mit einer Trauergruppe angefangen (v.a. aus sozialer Gründen, hier kann man sich wenigstens aussprechen). Auch wenn alle diesen Aktivitäten (Trauegruppe rausgenommen) mit einer "Begleitperson" viel mehr Spass machen und die überall ins Auge fallenden glücklichen Paare weh tun (obwohl man selbst ein Teil von einem Paar war oder noch sein will; man soll sich also über "Paare" nicht ärgern), ist es besser etwas selbst zu unternehmen, als unglücklich warten bis jemand mit einem Vorschlag/ einer Einladung kommt. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier und braucht einen Kontakt mit seinen Mitmenschen. Wir (= Verwitwete) müssen manchmal (ziemlich oft sogar) die Initiative ergreifen. Die Idee mit dem Waffeleisen fand ich gut und versuche sie auszuprobieren :)
LG warmesonne
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