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Beitrag von
pedder64 (1 Beitrag) am Dienstag, 9.November.2010, 02:34.
Probleme mit meinem Sohn
Hallo, bin das erste mal in diesem Forum unterwegs und hoffe auf ein wenig Hilfe. Vor 2 Jahren ist meine Frau an Krebs verstorben. Wir waren fast 19 Jahre verheiratet. Nun bin ich mit meinem inzwischen 18 jährigen Sohn allein und habe große Probleme. Mein Sohn hatte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter. Da ich beruflich manchmal über Wochen nicht zu Hause war und das über einen Zeitraum von mehreren Jahren, hatten die 2 eine sehr enge Mutter / Sohn Beziehung. Als meine Frau erkrankte und 3 Monate später verstarb, brach für mich die Welt zusammen und mein Sohn hat mir sehr geholfen wieder Fuß zu fassen. Ich liebe meinen Sohn über alles. Im Alltag funktioniert er sehr gut. Er ist ein guter Schüler (kurz vor dem ABI). Er kommt aber mit dem Tod seiner Mutter nicht zurecht. Bei ihm dreht sich alles nur um die letzten Monate im Leben meiner verstorbenen Frau. Es dreht sich in seinen Gedanken nur um die Krankheit und um ihren Tod. Er vergisst dabei die tollen 16 Jahre die er mit seiner Mutter genießen konnte. Sie hat ihn zu einem ganz wunderbaren Menschen erzogen. Nun ist mein Problem, dass er sich immer mehr einigelt und vor allem den Menschen, die ihm gutes tun oder für ihn da sind, immer wieder sehr weh tut. Von mir ganz zu schweigen. Spreche ich ihn darauf an, reagiert er teilweise sehr bösartig und beleidigend. Immer wenn ich das Gespräch mit ihm suche, versucht er mir auszuweichen. Er schafft es seit dem Tod seiner Mutter auch nicht einmal ihren Namen auszusprechen. Er leidet nur für sich, trauert nur für sich. Ich habe Angst, dass er Krank davon wird. Da ich nie richtig für ihn da war, habe ich es sehr schwer, an ihn ran zu kommen. Ich würde mich freuen, wenn mir Jemand ein paar brauchbare Ratschläge geben könnte.
Dein Beitrag:
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pedder64 (1 Beitrag) am Dienstag, 9.November.2010, 02:34.
Probleme mit meinem Sohn
Hallo, bin das erste mal in diesem Forum unterwegs und hoffe auf ein wenig Hilfe. Vor 2 Jahren ist meine Frau an Krebs verstorben. Wir waren fast 19 Jahre verheiratet. Nun bin ich mit meinem inzwischen 18 jährigen Sohn allein und habe große Probleme. Mein Sohn hatte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter. Da ich beruflich manchmal über Wochen nicht zu Hause war und das über einen Zeitraum von mehreren Jahren, hatten die 2 eine sehr enge Mutter / Sohn Beziehung. Als meine Frau erkrankte und 3 Monate später verstarb, brach für mich die Welt zusammen und mein Sohn hat mir sehr geholfen wieder Fuß zu fassen. Ich liebe meinen Sohn über alles. Im Alltag funktioniert er sehr gut. Er ist ein guter Schüler (kurz vor dem ABI). Er kommt aber mit dem Tod seiner Mutter nicht zurecht. Bei ihm dreht sich alles nur um die letzten Monate im Leben meiner verstorbenen Frau. Es dreht sich in seinen Gedanken nur um die Krankheit und um ihren Tod. Er vergisst dabei die tollen 16 Jahre die er mit seiner Mutter genießen konnte. Sie hat ihn zu einem ganz wunderbaren Menschen erzogen. Nun ist mein Problem, dass er sich immer mehr einigelt und vor allem den Menschen, die ihm gutes tun oder für ihn da sind, immer wieder sehr weh tut. Von mir ganz zu schweigen. Spreche ich ihn darauf an, reagiert er teilweise sehr bösartig und beleidigend. Immer wenn ich das Gespräch mit ihm suche, versucht er mir auszuweichen. Er schafft es seit dem Tod seiner Mutter auch nicht einmal ihren Namen auszusprechen. Er leidet nur für sich, trauert nur für sich. Ich habe Angst, dass er Krank davon wird. Da ich nie richtig für ihn da war, habe ich es sehr schwer, an ihn ran zu kommen. Ich würde mich freuen, wenn mir Jemand ein paar brauchbare Ratschläge geben könnte.
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Nora (463 Beiträge) am Dienstag, 9.November.2010, 17:05.
Re: Probleme mit meinem Sohn
Hallo Pedder, hier ein paar spontane Gedanken... Du hast geschrieben, dass dein Sohn dich aufgebaut hat. Kinder sind so verantwortlich und sorgen immer, dass es ihrem "Rudel" gut geht! Nun hat er keine Kraft mehr, sich selber aus dem Trauerloch zu holen. Ich finde es natürlich, dass er dich hier zurückstösst... Ist nicht die Gefahr, dass du darüber wieder in das alte Trauerloch fallen könnte, gross... und für diesen Fall hätte dein Sohn jetzt keine Kraft mehr übrig... Wie gesagt, dies ist mir so spontan in den Sinn gekommen. Natürlich möchtest du einen Zugang zu deinem Sohn haben, zumal ihr viel Zeit nicht miteinander verbracht habt. Vielleicht geht dies aber im Moment nur auf einer ganz anderen, neutralen Ebene. Irgendetwas, dass ihr gemeinsam neu entdecken könnt. (Skifahren, Survival- Training...) Mir fällt auch ein Buch ein, was sich ziemlich gut anhört http://www.amazon.de/Unser-allerbestes-Jahr-David-Gilmour/dp/3100278194
Noch einmal kurz zusammengefasst, würde ich vorrangig nicht versuchen, deinen Sohn aus seiner Trauer zu holen (denn diesen Part hatte er ja in eurer Beziehung eingenommen), sondern versuchen, den Kontakt zu ihm aufzunehmen... Dies sind so meine Gedanken! Viel Glück und einen angenehmen Abend wünscht
Nora
Beitrag von
Anja568 (192 Beiträge) am Dienstag, 9.November.2010, 18:25.
Re: Probleme mit meinem Sohn
Hallo Pedder, dein Sohn ist total von dem traumatisiert was er da erlebt hat und sucht sich sein eigenes Ventil, der Rückzug und die Isolation sind doch klar, im Moment kann er emotional nichts anderes tragen, dann noch das eigendliche Leben meistern , Schule Abi unsw...dich unterstützen... sei einfach da für ihn .... meine Tochter sagte die Tage zu mir : " Mama , das mit Papa war ziemlich schlimm, auch ohne Papa aufzuwachsen , aber wenn eine Mama stirbt ist das viel schlimmer..." mittlerweile ist sie 20 ,war damals aber 7 Jahre und ist emotional genauso ausgebrochen wie dein Sohn...
Mehr Infos übers Postfach ...
Viele Grüße und eine große Menge Geduld und Kraft... Anja
Beitrag von
tigi (1 Beitrag) am Donnerstag, 11.November.2010, 01:30.
Re: Probleme mit meinem Sohn
Hallo Pedder, eigentlich bin ich nur zufällig über Deinen Beitrag "gestolpert", da ich bereits vor 20 Jahren meine Mutter verloren habe. Doch war ich damals 19 Jahre alt und habe erleben müssen, was Deinem Sohn widerfahren ist.
Die Sorgen, die Du hast, kann ich gut verstehen, doch denke ich, solltest Du versuchen, die Situation Deines Sohnes zu verstehen: Er hat das Unaussprechliche, das Unfassbare, das Undenkbare erlebt, da seine Mutter gestorben ist. Als Kind hast Du immer wieder diese Ängste und denkst Dir, hoffentlich geschieht meiner Familie nichts, doch wenn Deine Mutter stirbt, dann stirbt ein Stück Deines Herzens und Du fühlst Dich auf einmal unvollständig, schutzlos und kalt.
Auch kann ich die Reaktionen Deines Sohnes gut verstehen. Er fühlt sich wahrscheinlich sehr verzweifelt und das Leben sehr ungerecht. Er kann noch nicht verstehen, dass er viele schöne Jahre mit seiner Mutter gehabt hat, sondern er sieht nur, dass er sie nicht mehr hat. Andere Freunde in seinem Alter haben aber noch ihre Mutter, nur er nicht. Das ist ungerecht, außerdem ist sie viel zu früh gestorben. Ich habe viele Nächte darüber nachgedacht, was ich alles dafür tun würde, wenn ich ihr noch einmal sagen könnte, wie sehr ich sie liebe und dass ich sie nur noch einmal umarmen möchte. Doch Du kommst immer wieder an den Punkt, dass das unverrückbar vorbei ist. Diese Endgültigkeit ist im Alter Deines Sohnes besonders beängstigend. Er sollte eigentlich jetzt in einen neuen Lebensabschnitt wechseln und voller Lebensmut und Freude in seine zukünftige Selbständigkeit und sein eigenes Leben starten und dabei die Welt aus den Angeln heben. Dafür fehlt ihm aber die Kraft und der Schutz seiner Mutter. Ihm wird das Gefühl fehlen, sich hinter ihr auch einmal verstecken zu können und so den kommenden normalen Veränderungen entgegenstehen zu können.
Außerdem kostet Deinen Sohn die Freundlichkeit und Fröhlichkeit gegenüber seinen Freunden und Bekannten viel Kraft, denn ihm wird gar nicht danach sein, doch ist er in einem Alter, in dem die Heranwachsenden nicht täglich davon hören wollen, dass man traurig ist. In diesem Alter ist der Verlust, den Dein Sohn ertragen muss, nicht nachzuvollziehen.
Mir ging es sehr ähnlich. Nach einer ersten ZEit der Trauer drehte ich auf und verbrachte nur noch Zeit zum Kleiderwechseln und Schlafen zuhause. Doch danach holte mich die Trauer umso mehr wieder ein. Ich hatte das Gefühl, dass mich die anderen - eigentlich alle Menschen meiner Umgebung - nicht wirklich verstehen konnten. Zu dem normalen jugendlichen Idealismus kam die Überzeugung, vollständig alleine zu sein und dass die Mitleidsbekundungen nur Heuchelei seien. Ich war doch alleine und keiner konnte etwas ändern. Ich macht mir auch Vorwürfe, was ich alles mit meiner Mutter versäumt hatte und wurde vielen Menschen gegenüber ungerecht und gemein. Es macht sich das Gefühl der Verzweiflung breit, als stündest Du direkt am Abgrund.
Das Problem ist, dass Dein Sohn momentan zwischen Baum und Borke ist. Er hat noch keine Verantwortung für andere, die ihn antreibt und ihm Kraft gibt und er hat auch noch nicht die Gelassenheit eines Lebens, die ihm zeigt, dass es schön ist, überhaupt das Kind seiner Mutter gewesen zu sein.
Er fühlt sich wahrscheinlich so, als trüge er er alle Last und Ungerechtigkeit dieser Welt. Mein Vater tat wohl instinktiv das Richtige: Er trauerte mit mir und nahm meine Gefühle ernst. Meiner Wut und meinem Sarkasmus folgte eine lange Zeit der Erkrankung durch Erkältungen, Mandelentzündungen usw. Ich frass den Stress und den Kummer in mich hinein. Danach wollte ich am liebsten nur immer weit weg fahren, Reisen und nicht sehen müssen, dass in meinem Leben etwas fehlt. Besonders schlimm wurde es, als ich begann, die Stimme meiner Mutter zu vergessen. Ich hatte Angst, sie ganz zu vergessen, mein Leben mit ihr und wie lieb sie war. Ausserdem ertrug ich kaum noch Jugendliche in meinem Alter, wenn diese von Ärger mit ihrer Mutter erzählten oder von gemeinsamen Erlebnissen. Ich ahnte, dass ich nun in ein Leben gestoßen worden bin, das ich mir nicht ausgewählt hatte und das ich nun immer ohne meine Mutter werde leben müssen. Das ist eine schier unfassbare Überlegung in dem Alter Deines Sohnes.
Mein Vater ließ mir damals Zeit und zeigte mir, dass er auch traurig war. Auch für ihn war das Ereignis unfassbar. Er sagte mir seine Sorgen, die er mir und meinem Bruder gegenüber hatte und nahm meine Trauer ernst. Ab da kam ich immer wieder zu ihm und erzählte ihm von meinen Gefühlen, von meinen Gedanken, davon, dass ich von meiner Mutter geträumt hatte, das wieder so eine Situation war, in der sie so unendlich fehlte. Mein Vater machte mir klar, dass auch er unvorbereitet vor diesem Tod stand und das es im Leben keine Zeit für Trauer gab, sondern das Trauer immer berechtigt ist und nicht gesteuert werden kann.
Ich fühlte mich nach 2-3 Jahren unter Druck, wieder funktionieren zu müssen, was mich aber sehr anstrengte. Mein Vater zeigte mir, dass Menschen nicht nach Plan trauern, sondern das die Trauer und das Gefühl des Verlustes immer wieder und unvorhersehbar auftritt und das es gute und schlechte Tage gibt.
Zuerst wollte ich gar keine Hilfe von ihm, denn das hätte ja vorausgesetzt, meine Mutter "loszulassen". Der stechende Schmerz, der immer wieder hochkam war für mich auch ein Gefühl ihrer Anwesenheit. Wenn ich sonst nichts hatte, das hatte ich und ich wollte das nicht verlieren, da ich nichts hatte, was ein so intensives Gefühl ersetzen kann. Doch mein Vater konnte mir zeigen, dass ich das alles nicht aufgeben musste, sondern in meinem eigenen Tempo traurig oder fröhlich sein durfte und ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauchte. Ich gebe zu, dieser Prozess dauerte sehr lange, doch ich hörte von meinem Vater, dass auch er nicht einfach wieder zu der Tagesordnung übergehen konnte, es aber tun musste, da er eben noch die Verantwortung für meinen Bruder und mich hätte. Dies hielt ihn auch aufrecht. Ich dachte aber, er könne viel besser damit umgehen und war ihm fast böse deshalb.
Also, vielleicht hilft es, wenn Du Deinem Sohn einmal von Deinen Gefühlen und Ängsten erzählst und ihm zeigst, dass er alle Zeit der Welt hat, um seine Mutter zu trauern. Trauer ist nicht kontrollierbar und soll es auch nicht sein. Außerdem kann der Verlust der Mutter nicht "schön" geredet werden, indem man sich überlegt, dass es ihr jetzt besser gehe oder sie keine Schmerzen mehr erleiden müsse. Für Deinen Sohn wird die Welt ungerecht sein. Er leidet darunter, dass Deine Frau überhaupt krank werden und sterben musste. Insoweit ist es vielleicht auch hilfreich, ihm zu zeigen, dass es wirklich ungerecht ist und es keine Erklärung dafür gibt. Du als der Vater musst aber eben den Alltag bestehen, da das Leben weiter geht, so ungerecht das zu sein scheint. Wichtig scheint mir hierbei zu sein, dass Dein Sohn verstehen lernt, dass er Recht hat mit seinem Zorn und seinem Schmerz, das dieses Erlebnis aber nicht mehr zu ändern ist und so schlimm dies auch sein mag, es wird ein Teil seines Lebens sein. Doch du kannst Dich ihm als Freund an die Seite stellen und ihm zeigen, dass er zuhause keine Eile haben muss, über den Verlust seiner Mutter hinweg zu kommen. Unser Alltag lässt uns leider nur sehr wenig Raum für die große Dimension, die der Tod emotional einnimmt und ich bin nach jedem Verlust in meinem Leben immer wieder überrascht, dass die Sonne am nächsten Morgen tatsächlich wieder scheint. Doch wenn Du Deinem Sohn auch Deine Gefühle und Sorgen mitteilst und ihm einfach nur erzählst, dass Du auch traurig darüber bist, dass Du vielleicht berufsbedingt die Zeit hattest, die Du gerne gehabt hättest und das man das Leben und die Werte des Lebens immer erst dann zu schätzen weiss, wenn etwas wie selbstverständliches sich ändert, dann denke ich, wird er auf die zukommen können. Ohne Druck trauern zu können, auch einmal nicht funktionieren zu müssen, nicht vom Alltag aufgefressen zu werden und zu wissen, dass da jemand ist, der ihn mit seinem Schmerz und seiner Trauer ernst nimmt, ohne ihn "glücklich reden zu wollen", sollte ihm zeigen, dass er nicht alleine ist und in Dir auch jemanden hat, der ihn unendlich lieb hat. Du bist nicht seine Mutter und das ist, wie hier schon gesagt wurde, etwas ganz besonderes, aber Du bist der Mann, von dem Deine Frau wollte, das er der Vater ihres Kindes ist. Und so blöd es sich auch anhören mag, aber Deine Frau hätte nicht gewollt, dass Ihr euch verliert, sondern wäre wohl sehr glücklich, wenn sie wüsste, dass Ihr Euch, wenn auch über ihren Tod, näher kommt und Euer Verhältnis inniger gestalten könnt.
Lasst Euch Zeit und redet miteinander.
Ich wünsche Dir und Deinem Sohn alles Gute und viel Zeit.
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