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Beitrag von
fm07 (58 Beiträge) am Donnerstag, 24.November.2011, 04:50.
Re: alleine und erziehend
Liebe Toni 815,
mein Vater verstarb, als meine Mutter mit mir schwanger war und meine Schwester, als ich 3 Jahre alt war.
Ich habe es eher erlebt, daß ich durch diese Prägung in der Kindheit dadurch eher etwas anders war, als die anderen Kinder, ruhiger, habe viel gelesen und nachgedacht. Meine Mutter heiratete wieder und im Rahmen einer Patchworkfamilie von sieben Kindern hatten wir eine sogenannte Solidargemeinschaft.
Das seltsame Erlebnis ist aber, daß ich als jüngstes Kind mich sehr viel mit der Familiengeschichte auseinandergesetzt habe, meine Geschwister erst die letzten Jahre anfangen darüber zu sprechen. Also ich kann in unserem Fall sagen, daß das Gespräch irgendwann doch noch gesucht wird, auch wenn über 50 Jahre vergangen sind.
Für mich als Kind war das Leben dann einfach so. Hatte aber das Glück, einen total liebenswerten Stiefvater zu bekommen. Ich habe auch den Namen meines Vaters behalten und bin meiner Mama und meinem Stiefvater sehr dankbar, daß ich im Alter von 6 Jahren gefragt wurde, welchen Namen ich haben will. Das war für die damalige Zeit nicht gerade selbstverständlich. Blöd war aber immer, wenn jeder neue Lehrer fragte, wer hat da unterschrieben und manche dann vor der ganzen Klasse fragten, an was ist Dein Vater gestorben.
Die richtige Auseinandersetzung fand bei mir dann ca. im Alter von 18 Jahren statt. Diese Familiengeschichte anzuschauen, zuzuordnen, darüber sprechen, noch unbekannte Faktoren zu erfahren war für mich sehr wichtig.
Meine Mama sagte mir als kleines Kind immer: Schau am Abend zum Himmel und wenn Du Sterne siehst, such den hellsten Stern und da sitzt Deine Schwester und schaut zu Dir. Ich suche heute noch am Nachthimmel den hellsten Stern. Dies war für mich eine ganz beruhigende Geschichte.
Ich weiß nicht, ob es Dir hilft. Das waren so meine spontanen Gedanken als Antwort für Dich.
Alles Gute für Euch von fm07
Dein Beitrag:
Beitrag von
toni0815 (1 Beitrag) am Samstag, 19.März.2011, 19:38.
Erklärungsnot
Hallo! Ich bräuchte mal eure Hilfe bzw. Rat... Ich habe meinen Mann vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall verloren. Mein Sohn war zu dem Zeitpunkt erst 1,5 Jahre alt.Ich dachte er hat das alles noch nicht so mitbekommen..... aber inzwischen fragt er fast täglich unter Tränen warum er keinen Papa hat und wann wir wieder einen Papa haben. Ich weiß nicht wie ich ihm die Traurigkeit nehmen kann bzw. erleichtern kann, geschweige denn wie ich ihm das erklären soll. Ich habe auch schon einige Bücher gekauft, mit deren Hilfe man Kindern den Tod erklären kann, aber die sind alle noch nichts für meinen inzwischen 3 jährigen Sohn. Für eure Tips wäre ich sehr dankbar.
Beitrag von
borealis (105 Beiträge) am Sonntag, 20.März.2011, 21:34.
Re: Erklärungsnot
Liebe toni0815,
deine Sorge berührt mich sehr. Ich kann dir nur aus der Theorie antowerten, weil ich ich leider keine eigenen Kinder habe. Aber vielleicht hilft dir ja meine Idee...
Ich glaube nicht, dass man einem knapp 4-jährigen mit Erklärungen kommen kann. Kinder brauchen nach meiner Erfahrung "was zum anfassen".
Sicher hast du ihm gesagt, dass er sehr wohl einen Papa hat, ebenso wie seine Spielkameraden. Aber sein Papa ist eben ein besonderer Papa, weil er unsichtbar ist und "von oben" auf ihn aufpasst. (Da werden sich übrigens andere Väter schwer anstrengen müssen!)
Er kann mit seinem Papa sprechen, er kann ihm ein Bild malen, ihm etwas von sich schenken - eine Haarsträhne, eine Vogelfeder, einen schönen Stein, ein Foto, einen Fingerabdruck. Diese Schätze kommen dann in eine "Papa-Kiste", eine Schatzkiste. Er kann aber auch etwas mit zum Friedhof nehmen und aufs Grab legen, wenn er das möchte. Die Papa-Kiste ist euer Geheimnis und immer, wenn er traurig ist, kann er sich die Schätze zusammen mit dir ansehen und du kannst ihm von seinem Papa erzählen.
Vielleicht probierst du es mal aus...
Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft und schick dir liebe Grüße, borealis
Beitrag von
steffi08 (30 Beiträge) am Dienstag, 22.März.2011, 15:57.
Re: Erklärungsnot
Liebe toni0815,
meine Tochter war 2 Jahre als ihr papa plötzlich verstarb. wir haben von Anfang an gnaz offen über das Thema gesprochen. Ich habe ihr erklärt, das der Papa jetzt im Himmel ist und von da aus auf uns aufpasst. so ist er immer bei uns, kann uns sehen. nicht jeder papa kümmert sich um sein Kind. Aber uns er Papa ist immer da, auch wenn er so körperlich eben nicht greifbar ist. Sie schaut gern zum Himmel, stellt Dinge ins Fenster damit der Papa sie auch besser sehen kann. Manchmal, wenn am Himmel die Streifen der Flugzeuge zu sehen ist sagen wir, das der papa wieder ein Bild für sie malt am Himmel oder gerade vorbeifliegt (das hat sie selbst für sich so entschieden.Wichtig ist mir ihr die Sicherheit zu geben, das sie einen Papa hat, der immer für sie da ist und uns beschützt. Ich gehe jetzt mit ihr in eine Kindertrauergruppe, so das sie die Erfahrung machen kann, es gibt auch andere Kidner mit dem gleichen Schicksal. Es ist sicher schwer für unsere Kinder zu sehen, wie andere, "heile" Familien eben noch zusammen sein können. Ab uns zu bastelt sie Sachen, die dann mit auf den Friedhof auf´s Grab kommen. Das wichtigste für mich ist ihr eine gewisse Sicherheit geben zu können. Sie ist nicht allein - es wird immer jemand bei ihr sein. ALs Buch kann ich empfehlen: Leb wohl kleiner Dachs (allerdings fing ich beim Lesen immer wie verrückt an zu weinen), oder "Abschied von der kleinen Raupe". Meine Tochter hat mich vor einiger Zeit auch immer täglich nach ihrem papa gefragt oder andere Familien als "glückliche" Familien bezeichnet, wenn sie sie gesehen hat. Seit sie in der Kindertrauergruppe ist, geht es ihr glaub ich besser, mit der ganzen Situation umzugehen. Das Schickal verbindet si eben irgendwie und sie weis ganz sicher, es geht ih nicht alleine so. Alles Gute, Steffi
Beitrag von
Maria88 (281 Beiträge) am Samstag, 26.März.2011, 21:39.
Re: Erklärungsnot
Hallo!
Ich werd mal versuchen, dir ein paar Impulse und Tipps zu geben...viele gute Ideen sind schon gesagt worden.
Ich arbeite in einem Säuglings- und Kleinkinderheim und bin auch selbst Halbwaise (war aber damals Teenager) - drum wage ich es mal zu antworten, ohne eigene Kinder zu haben.
Kinder mit 3-4 Jahren verstehen weit mehr, als wir Erwachsenen meinen. In dieser wichtigen Zeit entdecken sie, dass sie nicht allein auf der Welt sind und schauen nach links und nach rechts - und sehe andere Menschen, andere Kinder um sich herum. Bis zu dem Alter (ca. 2-3 Jahre) dreht die ganze Welt sich nur um sie selbst...sind quasi aufm Egotrip.
Erst jetzt merkt dein Sohnemann, dass es noch andere Kinder gibt, mit denen man spielen kann. Ich geh jetzt mal davon aus, dass er im Kindergarten ist und er dort bemerkt hat, dass andere Kinder von ihrem Papa abgeholt werden oder von ihm erzählen.
Ich finde es sehr sehr wichtig, ganz offen und ehrlich mit allen Kindern (besonders aber natürlich mit deinem Knirps) umzugehen. Das heißt: nichts erfinden, was die Kinder verunsichern könnte und sie ständig wachsam sein lässt. Also nicht behaupten, dass Papa schläft...dass er arbeitet....dass er unterwegs wäre...wie auch immer. Das stimmt nicht und das bekommen die Kinder früher oder später eh raus. Bringt also nix, da man diese "Notlügen" später wieder korrigieren und wieder von vorne anfangen muss... Die Kinder wissen, was "schlafen" bedeutet, das tun sie ja selbst auch. Und sie wissen genau, dass man nach dem Schlafen wieder aufwacht und der Tag weiterläuft. Aber das ist bei Papa eben nicht der Fall. (Klingt jetzt sehr hart, aber so ist es leider...)
Die Idee mit so ner Schatzkiste finde ich sehr gut. Im Kindergarten-Alter fängt auch langsam das Sammeln- und Bastelalter an. Warum nicht auch was für Papa malen oder aus dem Garten/Spielplatz sammeln und ihm bringen? Er schaut ja auf dich herab und freut sich sicherlich riesig über dein Geschenk...usw.
Ich persönlich bin nicht so der Fan von "Erklärungs-Büchern". Dein Sohn weiß, dass du seine Mama bist, er vertraut dir voll und ganz. Rede mit ihm, erklär es ihm selbst, in eigenen Worten. Kindgerecht. Einfach. Kurz und knapp. Es wird die Zeit kommen, in der er konrekte Rückfragen stellen wird - aber das hat noch Zeit. Ich denke, es reicht erstmal, dass er die Gewissheit hat - ok, ich hab auch einen Papa. Einen tollen Papa, oben im Himmel. Der passt von dort auf mich auf, ich bin niemals alleine - selbst wenn meine Mama grad mal nicht da ist. Aber mein Papa ist IMMER da!
Vielleicht kannst du ihm auch Fotos zeigen, damit er ein "Bild" von ihm hat, der Papa etwas konkreter wird. Quasi anfassbar. Wenn du das mit so ner Schatzkiste ausprobierst, kleb doch ein Foto vom Papa mit in den Deckel...nur als kleine Idee.
Ich würde auch das Gespräch mit der Erzieherin im KiGa suchen (wie gesagt, ich geh grad einfach davon aus, dass dein Sohn im KiGa ist :-)). Frage nach, ob sein Papa ab und zu GEsprächsthema ist. Bzw. weiß die Erzieherin davon überhaupt etwas?? Ist ihr das bewusst? Wie geht sie damit um? Du kannst sie auch bitten, falls dein Sohn dort ab und zu zu "kämpfen" hat, in Erklärungsnot gerät oder oder oder...dass sie eine Art "Ich stelle dir meine Mama und meinen Papa vor"-Angebot mit den Kindern macht. Jeder bringt ein Foto mit und darf KURZ was erzählen. Warum nicht?
Ich kenne deinen Sohn nicht. Ich kenne dich nicht. Aber vielleicht waren ein paar Gedanken hilfreich...ich wünsche es dir sehr.
Wurd jetzt sogar mehr Text, als ich wollte - sorry. Und danke fürs lesen. Aber über Kinder könnte ich ganze Romane schreiben... :-)
Liebe Grüße aus Bayern an den Rest der Welt! Maria
Beitrag von
ardnax (12 Beiträge) am Donnerstag, 10.November.2011, 20:48.
Re: Erklärungsnot
Hallo Maria, ich bin ganz selten hier. Ganz kurz: Bin Mama von 2 mittlerweile 11 und 13 Jahre alten Kindern. Und hier ab und an auf der Suche nach Ratschlägen die mir helfen könnten meinen Kindern zu helfen. Die 2 waren 8 und 10 Jahre alt, als Ihr Papa, vor 3 1/2 Jahren starb. Ich habe öfter darüber nachgedacht eine professionelle Gesprächstherapie mit den beiden zu machen, es jedoch nicht umgesetzt. Wir sprechen immer mal wieder über "IHN". Schauen Fotos, lachen und weinen gemeinsam. Wenn ich mal wieder meinen "Durchhänger" habe und mich so richtig reinheule, hat meine Tochter schon sehr viel Verständniss. Vincent jedoch kann sich gar nicht richtig öffnen. Ich habe Angst das bei ihm irgendwann das große Loch noch kommt und dann weis ich nicht weiter..... Hast Du auch dazu ein paar Tips?? L G Alexandra
Beitrag von
Maria88 (281 Beiträge) am Freitag, 18.November.2011, 17:56.
Re: Erklärungsnot
Liebe Alexandra,
ich bin kein Profi, aber ich antworte mal ausm Bauchgefühl heraus, das hat bisher meist ganz gut gepasst...
Ich glaube nicht, dass du dir allzu große Sorgen machen musst um deinen Sohnemann. Das ist einfach ein bescheidenes Alter, in dem die beiden grad sind. Ich war ja damals auch ungefähr in dem Alter. Und das Jungs anders ticken als Mädls ist ja jedem bekannt. Hat Vincent denn Freunde, zu denen er einen "guten Draht" hat und vielleicht sogar mit denen über seinen Papa spricht? Ist er auch dabei, wenn ihr von gemeinsamen Erlebnissen erzählt, Fotos anschaut, weint...? Wenn dem so ist, fänd ich das schon echt einen großen Schritt, der wichtig ist...und vielleicht auch schon "genug" für deinen Sohn, im positiven Sinne gemeint.
Sei einfach immer für ihn da, wenn er dich braucht und sag ihm das auch, biete es ihm an. Ich denke, dass das wichtig ist, dieses Angebot deinerseits zu hören und es dann ggf. irgendwann einmal einfordern zu können. Sei einfach da, aber lass ihm auch den Freiraum für sich.
Falls ich mich bissl umständlich ausdrücke oder nicht wirklich deutsch, liegts daran, dass ich grad für 2 Jahre in Indien bin und mein Deutsch etwas darunter leidet :-) Du kannst mir gern auch noch ne Mail schreiben...wenn du möchtest.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen...
Liebe Grüße aus Indien! Maria
Beitrag von
ardnax (12 Beiträge) am Mittwoch, 23.November.2011, 16:53.
Re: alleine und erziehend
Liebe Maria, vielen Dank für Dein Feedback. das beruhigt mich schon. Was Du fragst, trifft eigentlich alles zu, nur das Die "Männer" ja bekanntlich nicht so gerne über Gefühle reden. Da sorge ich mich doch noch. Aber das ich hier bei verwitwet de bin, gibt mir Kraft und Hoffnung und ich denke ich werde meine Kids auch irgendwie dazu bekommen sich hier mal auszutauschen, oder wenigstens sich mal die anderen Schicksale "durchzulesen". vielen Dank das Du dir die Mühe gemacht hast zu schreiben. Ganz liebe Grüße nach Indien. A.
Beitrag von
fm07 (58 Beiträge) am Donnerstag, 24.November.2011, 04:50.
Re: alleine und erziehend
Liebe Toni 815,
mein Vater verstarb, als meine Mutter mit mir schwanger war und meine Schwester, als ich 3 Jahre alt war.
Ich habe es eher erlebt, daß ich durch diese Prägung in der Kindheit dadurch eher etwas anders war, als die anderen Kinder, ruhiger, habe viel gelesen und nachgedacht. Meine Mutter heiratete wieder und im Rahmen einer Patchworkfamilie von sieben Kindern hatten wir eine sogenannte Solidargemeinschaft.
Das seltsame Erlebnis ist aber, daß ich als jüngstes Kind mich sehr viel mit der Familiengeschichte auseinandergesetzt habe, meine Geschwister erst die letzten Jahre anfangen darüber zu sprechen. Also ich kann in unserem Fall sagen, daß das Gespräch irgendwann doch noch gesucht wird, auch wenn über 50 Jahre vergangen sind.
Für mich als Kind war das Leben dann einfach so. Hatte aber das Glück, einen total liebenswerten Stiefvater zu bekommen. Ich habe auch den Namen meines Vaters behalten und bin meiner Mama und meinem Stiefvater sehr dankbar, daß ich im Alter von 6 Jahren gefragt wurde, welchen Namen ich haben will. Das war für die damalige Zeit nicht gerade selbstverständlich. Blöd war aber immer, wenn jeder neue Lehrer fragte, wer hat da unterschrieben und manche dann vor der ganzen Klasse fragten, an was ist Dein Vater gestorben.
Die richtige Auseinandersetzung fand bei mir dann ca. im Alter von 18 Jahren statt. Diese Familiengeschichte anzuschauen, zuzuordnen, darüber sprechen, noch unbekannte Faktoren zu erfahren war für mich sehr wichtig.
Meine Mama sagte mir als kleines Kind immer: Schau am Abend zum Himmel und wenn Du Sterne siehst, such den hellsten Stern und da sitzt Deine Schwester und schaut zu Dir. Ich suche heute noch am Nachthimmel den hellsten Stern. Dies war für mich eine ganz beruhigende Geschichte.
Ich weiß nicht, ob es Dir hilft. Das waren so meine spontanen Gedanken als Antwort für Dich.
Alles Gute für Euch von fm07
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