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Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 08:44.

  ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    hallo, ihr lieben,
    ich glaube ich hatte schon mal einen beitrag geschrieben, leider kann ich ihn nicht mehr finden,deswegen möchte ich euch so einpaar fragen stellen.
    ich bin nicht verwitwet,aber mein neuer partner seine frau ist vor genau 2 jahren verstorben.
    wir lernten uns vor einem jahr kennen.ich kann mir heute nicht vorstellen,warum und wieso er mich kennen lernen wollte.
    in dem letzten jahr hat er sich immer um diese zeit eines monats völlig zurück gezogen.feiertage hat er mit seiner familie oder ihrer verbracht.seine familie weis bis jetzt nicht das es mich gibt.wenn ich ihn frage warum, kommt er mit irgendwelchen ausreden.wir haben immer mal am we oder einmal die woche gesehen.und ich hatte eigendlich an ihn, seine worte und liebe geglaubt.trotzdem hatte ich immer das gefühl da stimmt was nicht.aber auf frage auf seine verstorbene frau, bekam ich kaum antworten.in seiner wohnung stehen überall bilder, von der kleidung, shampoo oder haarschmuck kann er sich nicht trennen.die wohnung sieht aus als würde sie wieder kommen.jetzt zum zwei jährigen todestag,hat er sich wieder zurück gezogen.wieder sprach ich ihn an, und jedes mal zog er sich weiter zurück.er ist depressiv , kommt meines erachtens noch lange nicht klar mit dem was geschehen ist.er redet nicht mit mir darüber und meinte zwischen durch auch es ginge mir nichts an.er schrieb mir wir wären alltag und ja es ist wie arbeiten und funktionieren, oder sich ablenken das man nicht nachdenken muss. war ich nur eine ablenkung??? ist er überhaupt in der lage schon eine beziehung zu führen.
    er kann mir nicht sagen das er mich lieben würde, in seinem herzen und kopf bin ich, aber angeblich weis er nicht was liebe ist.
    in den letzten wochen um so mehr der jahrestag ihres todes kam, konnte er mich nicht mehr küssen, oder mit mir schlafen.
    ich muss sagen ich bin so verletzt.verletzt das er mich nicht rann lässt.weihnachten werden wir auch nicht zusammen verbringen.
    ich weis nicht wie es ist, seinen partner nach so vielen jahren zu verlieren.wenn ich es mir vorstelle , ich könnte keine neue beziehung eingehen.ich versuch wirklich jedes verständnis zu haben.aber es verletzt.so das ich sogar teilweise eifersüchtig bin.
    ich möchte ihm nicht weh tun oder unter druck setzten.doch ich kann um ehrlich zu sein nicht mehr.wäre es besser ich gehe?
    kann es sein das er ein schlechtes gewissen seiner frau gegenüber hat.
    ich habe sogar schon angefangen mit ihr in gedanken zu reden.
    wie ist es wenn man einen neuen partner kennen lernt.
    ich denke das ich es nciht geschafft habe sein herz zu erreichen.denn sonst hätte ich ihm doch etwas schmerz sehnsucht nehmen können.oder?
    ich wäre sehr dankbar für einige antworten.
    ich liebe ihn so sehr.will ihn eigendlich nicht verlieren.nur ich weis nicht weiter.

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Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 08:44.

  ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    hallo, ihr lieben,
    ich glaube ich hatte schon mal einen beitrag geschrieben, leider kann ich ihn nicht mehr finden,deswegen möchte ich euch so einpaar fragen stellen.
    ich bin nicht verwitwet,aber mein neuer partner seine frau ist vor genau 2 jahren verstorben.
    wir lernten uns vor einem jahr kennen.ich kann mir heute nicht vorstellen,warum und wieso er mich kennen lernen wollte.
    in dem letzten jahr hat er sich immer um diese zeit eines monats völlig zurück gezogen.feiertage hat er mit seiner familie oder ihrer verbracht.seine familie weis bis jetzt nicht das es mich gibt.wenn ich ihn frage warum, kommt er mit irgendwelchen ausreden.wir haben immer mal am we oder einmal die woche gesehen.und ich hatte eigendlich an ihn, seine worte und liebe geglaubt.trotzdem hatte ich immer das gefühl da stimmt was nicht.aber auf frage auf seine verstorbene frau, bekam ich kaum antworten.in seiner wohnung stehen überall bilder, von der kleidung, shampoo oder haarschmuck kann er sich nicht trennen.die wohnung sieht aus als würde sie wieder kommen.jetzt zum zwei jährigen todestag,hat er sich wieder zurück gezogen.wieder sprach ich ihn an, und jedes mal zog er sich weiter zurück.er ist depressiv , kommt meines erachtens noch lange nicht klar mit dem was geschehen ist.er redet nicht mit mir darüber und meinte zwischen durch auch es ginge mir nichts an.er schrieb mir wir wären alltag und ja es ist wie arbeiten und funktionieren, oder sich ablenken das man nicht nachdenken muss. war ich nur eine ablenkung??? ist er überhaupt in der lage schon eine beziehung zu führen.
    er kann mir nicht sagen das er mich lieben würde, in seinem herzen und kopf bin ich, aber angeblich weis er nicht was liebe ist.
    in den letzten wochen um so mehr der jahrestag ihres todes kam, konnte er mich nicht mehr küssen, oder mit mir schlafen.
    ich muss sagen ich bin so verletzt.verletzt das er mich nicht rann lässt.weihnachten werden wir auch nicht zusammen verbringen.
    ich weis nicht wie es ist, seinen partner nach so vielen jahren zu verlieren.wenn ich es mir vorstelle , ich könnte keine neue beziehung eingehen.ich versuch wirklich jedes verständnis zu haben.aber es verletzt.so das ich sogar teilweise eifersüchtig bin.
    ich möchte ihm nicht weh tun oder unter druck setzten.doch ich kann um ehrlich zu sein nicht mehr.wäre es besser ich gehe?
    kann es sein das er ein schlechtes gewissen seiner frau gegenüber hat.
    ich habe sogar schon angefangen mit ihr in gedanken zu reden.
    wie ist es wenn man einen neuen partner kennen lernt.
    ich denke das ich es nciht geschafft habe sein herz zu erreichen.denn sonst hätte ich ihm doch etwas schmerz sehnsucht nehmen können.oder?
    ich wäre sehr dankbar für einige antworten.
    ich liebe ihn so sehr.will ihn eigendlich nicht verlieren.nur ich weis nicht weiter.

Beitrag von soalsister (2 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 14:28.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Sei nicht eifersüchtig auf jemand Verstorbenen. Damit musst du lernen umzugehen.
    Ich bin seit genau 5 Jahren verwitwet und ich hatte bisher keine neue Beziehung aber ich merke seit einigen Monaten dass ich mich diesbezüglich öffne.
    Ich denke es ist nicht immer leicht , damit umzugehen.... euf eine "Ex Frau" die noch lebt kann man sauer / eifersüchtig sein, aber auf einen verstorbenen Partner - der / die ist nicht greiffbar... und es ist auch oft schwer mit dem Partner darüber zu reden.

    Aber ich denke nur das hilft - gemeinsame Gespäche (eventuell mit einem Coach / Therapeuten)Vertrauen und viel gegenseitiges Verständnis (beiderseits) für die Probleme des anderen

    Ich wünsche euch alles, alles gut!

    soalsister

Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 22:11.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    danke für die vielen antworten.es zu lesen hilft schon irgendwie zu verstehen.
    er redet mit mir leider gar nicht über sie.er sagt er kann es nicht.heute hat er mir am abend, als ich ihn fragte wie es ihm gehe, über sms geschrieben,wie die tage bei ihren eltern waren, und das er heute auch an ihren grab geweint hat.
    aber wie ich gelesen habe, ist das wohl auch normal.und das er heute das geschrieben hat, war glaube schon sehr viel von ihm.
    nein eine therapie hat er nicht.er war nur einmal mit mir bei einer stunde, da ich borderline habe bin ich in behandlung, dort fing er an zu weinen, als mein therapeut ihn auf seine frau ansprach, als wir raus waren hat er wieder völlig zugemacht.
    aber so wie ihr schreibt,sind diese tiefs normal.
    vielleicht sollte ich mich wirklich nicht mehr aufdrängen.ihm erst mal mit seinen gefühlen in ruhe lassen.
    er beschäftigt sich so kaum mit trauer oder loslassen.ich glaub auch das ich viel bei ihm hochgeholt habe, weil ich nicht locker gelassen habe, weil ich wissen wollte was los ist.ja ich dachte schon ob ich ihn ein buch kaufe darüber,und zu weihnachten ihm schenke. aber fand es zu aufdringlich.
    er liest viel, abe meist bücher über die krankheit seiner frau, und über menschen die diese haben.
    ich weis auch nicht was richtig ist.aber ich glaube irgendwie raus gelesen zu haben, das los lassen besser ist, als ihm mit meinen gefühlen zu erdrücken, grade in solchen zeiten wenn es ihm so schlecht geht.
    ich danke euch erst mal sehr für die antworten.

Beitrag von Kalle05 (18 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 15:41.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    ich bin seit mehr als 3 Jahren verwitwet.
    Ich bin seit februar auch in einer Beziehung.

    Um diese Zeit ist es immer schwer für einen Verwitweten. Es sind zuviele erinnerungen, das hat aber nichts mit dir zu tun, sndern nur mit ihm. Seine verstorbene Frau und ihre Familie werden immer ein Teil von ihm und seinem Leben sein.

    Trotzdem wird er auch dich mit Sicherheit lieben, genauso wie ich meine Freundin liebe.

    Es wird nicht einfach für dich sein, genauso wie es nicht einfach für meine Freundin ist.

    Wenn du ihn liebst, dann sei für ihn da, auch wenn er sich zurückzieht.

Beitrag von sun65 (177 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 17:44.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe vino,
    ich drück dich mal aus weiter Ferne, kann so gut nachempfinden wie du dich fühlen musst,auch wenn ich quasi auch auf der "anderen Seite" stehe.
    Ob dein Partner bereit ist für eine neue Beziehung wird er selber wahrscheinlich noch nicht mal genau wissen, bei mir ist es
    weit über 2 Jahre her das mein letzter Partner starb, mein Mann starb bereits 2004.
    Aber auch ich habe noch Phasen,wo ich mir diese Frage stelle.Ich bin seit gut einem halben Jahr mit dem Bruder meines 2009 verstorbenen Partners zusammen,im Januar
    zieht er auch zu uns, er hat sein komplettes "altes Leben" für uns aufgegeben, seine Arbeitsstelle gewechselt usw.
    Dennoch war neulich eine Situation,wo ich
    ihm sagte er soll nicht kommen (am Wochenende)
    weil es mir gerade so schlecht ging und er respektierte das.Ich war bzw.bin derzeit mal wieder in einem "Trauerloch" gefangen und mein
    verstorbener Schatz fehlt mir so wie ich 100% sicher bin meinen neuen Schatz zu lieben,
    es ist als seien beide meine Männer gewissermaßen.Der eine lebt in meinen Gedanken und Erinnerungen und auch Sehnsüchten zuweilen,der andere im Hier und Jetzt.Für beide eine Balance zu finden ist nicht einfach,aber ich arbeite daran und habe das enorme Glück das mein neuer Partner ja auch um seinen "grossen Bruder" trauert und
    wahnsinnig viel Verständnis für meine ambivalenten Gefühle hat.
    Dennoch habe ich manchmal meinem neuen Partner ein schlechtes Gewissen gegenüber, denn es gibt Momente, wird es immer geben, die nur mir und meinen verstorbenen Partnern gehörten und gehören werden, Erinnerungen und Gefühle, die fest in mir verankert sind.
    Vor 3 Jahren feierten mein Parter und ich
    das erste und letzte gemeinsame Weihnachten mit unserem kleinen Sohn,der damals gut ein halbes Jahr alt war usw.,alles das kommt derzeit wieder hoch und ich träume sogar davon.Nach Weihnachten/Sylvester ging es mit seiner Gesundheit drastisch bergab....
    Alles das kann man nicht "löschen",das
    werden nicht Verwitwete begreifen müssen und können.Aber dass etwas Neues,eine ZUKUNFT vor uns liegt,die wir mit dem neuen Partner gestalten wollen und müssen,auch das sollte
    dem Verwitweten klar sein.Nur in der Vergangenheit leben geht nicht,das wäre zutiefst unfair der neuen Lieben gegenüber.
    Ich würde dir raten Geduld zu haben.Geduld ist das A und O bei Verwitweten, je mehr ihr euch Gemeinsames aufbaut, erlebt und zusammen bewältigt, desto grösser wird das "Wir Gefühl",das bringt die Zeit mit sich, man kann es nur nicht erzwingen.
    Dein Partner wird seine Frau sicherlich immer noch lieben,auf andere Art als dich.Aber
    sie nimmt dir nichts,denn du bist da und sie ist nicht mehr hier an seiner Seite,so hart das klingen mag.
    Dein Partner leidet noch immer,auch das verstehe ich, habe es selber immer wieder erlebt wie ich solche Rückfälle in Traurigkeit erlebte.Aber er sollte fair dir gegenüber sein, auch was seine Gefühle angeht.
    Es muss für ihn ein gutes Gefühl sein dich an seiner Seite zu haben, mit soviel Verständnis, daher glaube ich absolut das er dich liebt,auch wenn er die Liebe zuweilen manchmal nicht so spüren kann, sie bricht sich wieder Bahn, wenn er aus dem "Loch" heruas kommt und im Hier und Jetzt landet.
    Hat dein Parner mal an eine Therapie gedacht ? Liest er Bücher zum Thema ?
    Da gint ers oft den berühmten "Aha Effekt".
    Er muss begreifen das sie eben NICHT wieder kommt.... das ist hart, verdammt hart.
    Ich wünsche dir auch ein Gefühl für dich und deine Bedürfnisse, bei aller Geduld und allem Verständnis für ihn.Und eine gute Zukunft für euch,
    ganz lieben Gruss
    Sandra

Beitrag von Strippe (22 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 17:58.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Nach einen Todesfall in einer Beziehung egal ob Heirat oder Freundschaft fallen Neuanfänge oft schwer.
    Ich selber hab es jedenfalls dazu gebracht, die last der Trauer schnell von mir abzuwerfen und mit einer neuen Partnerschaft noch im gleichen Jahr ein neues Leben zu beginnen, aber doch ohne meine vorherige Ehefrau zu vergessen.
    Natürlich kommen in ruhigen Stunden die Erinnerungen zurück und manche Träne fließt bei mir auch, aber das ist völlig normal.
    Nun lebe ich mit meiner neuen Partnerin fast 2 Jahre in meiner Wohnung zusammen, wo es hier und da auch mal ein Erinnerungsfoto von meiner ehemaligen Frau gibt, und sie hat nichts dagegen.
    Und daher:
    Auch nach 3 Jahren und später kann man gerne den Neuanfang wagen.
    Auch wenn es manchen doch so schwer fällt

Beitrag von goldfisch (21 Beiträge) am Sonntag, 18.Dezember.2011, 18:07.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe vino,
    dein Beitrag hat mich bewegt. Du bist wirklich in einer schwierigen Situation. Aus deinen Zeilen klingt sehr viel Verständnis für deinen Freund, aber auch viel Verzweiflung. Für Außenstehende ist es sicher schwer, dir einen Ratschlag zu geben. Bei mir ist es in der kommenden Woche erst ein Jahr her und ich habe bisher auch nur im Bad die Sachen von meinem Mann weggeräumt, der Rest ist noch unverändert. Zum einen weiß ich noch nicht so recht, was ich verändern möchte (sollen auch die 3 Mädchen mitentscheiden), zum anderen mangelt es mir neben Beruf, Kindern, Haus...einfach auch an Zeit. Bei uns fällt nun Weihnachten und erster Todestag fast zusammen und wir sind alle angespannt, leicht reizbar...aber doch so unendlich dankbar für aufrichtig gemeinte Zuwendung und Nähe unserer verbliebenen Freunde. Deshalb ist es für mich auch schwer nachvollziehbar, dass dein Freund dich in der schwierigen Zeit rund um den Todestag offensichtlich abweist. Sicher reagiert jeder anders. Aber wenn ihr schon länger eine Liebesbeziehung habt, kann ich deinen Wunsch gut verstehen, dass er dich in sein Leben (und seine Trauer)hineinlässt und behutsam auch seine Verwandtschaft und Freunde darüber informiert. Vielleicht kann er sich dir wirklich noch nicht genug öffnen und sein Herz ist zu sehr von seiner verstorbenen Frau besetzt. Dass sie immer einen gewaltigen Platz in seinem Leben haben wird, ist klar und für dich wohl auch nicht das Problem. So aus der Entfernung würde ich dir raten, deinem Freund nochmal in Ruhe alle deine Empfindungen ehrlich darzulegen. Wenn er deine Nähe nicht wirklich will und ertragen kann, dann solltest du vielleicht zumindest eine Zeitlang auf Distanz gehen, damit ihr beide die Chance habt, eure Beziehung zu überdenken und euch eurer Gefühle klar zu werden. Im besten Fall rüttelt es ihn wach und er merkt wieder, was ihm deine Liebe bedeutet.
    Ich wünsche dir, dass sich für dich alles zum Guten wendet und du trotz deinem Kummer die Hoffnung und Freude der Weihnachtsbotschaft in dein Herz lassen kannst.
    Sei umarmt von Doris

Beitrag von serafina10 (4 Beiträge) am Montag, 19.Dezember.2011, 06:46.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe vino,
    ich bin selbst im September2010 verwitwet. Mein Mann war lange, lange sehr kramk und die Ehe war in den letzten Jahren nur noch eine tiefe Freundschaft. Ich habe einen langen Abschied hinter mir, habe einen neuen Partner seit Februar 2011, also sehr schnell gefunden. Es traf ihn und mich wie aus heiterem Himmel, es gab keine Verliebtheit im Sinne von Schmetterlingen, sondern sofort war da Liebe und das Gefühl, sich schon ewig zu kennen. Wir haben uns gesehen und wussten, der andere ist es. Ich liebe diesen Mann, er liebt mich und alles könnte perfekt sein, aber ich habe immer wieder auch das Gefühl, meinen Mann zu hintergehen, das Gefühl, ich dürfe eigentlich die Liebe zu dem neuen Mann nicht zulassen. Es ist sicher falsch, aber ich habe diese Gedanken und mache uns beiden damit das Leben oft schwer. Wir haben eine Wochenendbeziehung und in der Woche komme ich ins Grübeln. Es ist auch das Mit-leiden mit meinem Mann, der so gerne gelebt hat und gerne noch leben wollte und nicht mehr durfte.
    Vielleicht hilft es Dir, wenn ich Dir sage, dass die Reaktion Deines Freundes nichts mit Dir zu tun hat. Seine Frau und Du, das sind zwei Paar Schuhe...Aber es ist schwer, mit dieser Situation umzugehen. Mein Freund sagt immer, wenn er gegen einen Lebenden kämpfen müsste, dann wäre es nicht möglich. Aber so habe er Geduld und meine Reaktion zeige, dass ich kein oberflächlicher Mensch bin und dass es in Ordnung ist, wenn ich um meinen Mann weine. Allerdings werde ich dieses Jahr wieder Weihnachten mit ihm im Kreis meiner Familie verbringen, auch wenn ich selbst gepostet habe, dass es mir schwer fällt. Aber nun gehört er dazu, wird am Tisch sitzen - an Stelle meines Mannes - und ich werde es aushalten, mich aber auch darüber freuen...ich hoffe, das es so sein wird. Silvester werden wir in Rom verbringen... vielleicht wäre auch für Deinen Freund eine Reise eine Möglichkeit, die Tage gemeinsam zu verbringen ?
    Ganz liebe Grüße und viel Kraft und Glück für Dich
    Uschi

Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Montag, 19.Dezember.2011, 13:28.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    es ist schon alles komisch, wenn ich das lese.
    es ähnelt alles, dem wie er sich gibt.
    ich war heut selbst beim arzt, und auch sie meinte ich solle einfach zeit lassen.und das seine reaktionen normal sind.
    nun hat er mir geschrieben das ich ihn zwei tage zeit lassen soll, das er nicht weis was wer will und kann.ich habe ihn darauf geschrieben das er sich auch länger zeit nehmen kann.warscheinlich weil ich auch angst habe.
    danach wollte er wissen bei welchen arzt ich war und ob ich arbeiten bin.weil ich hatte ihn geschrieben, das ich weis das ich zu viel druck ausübe, und meine ärztin mir das auch gesagt hat.und hab mich halt entschuldigt.
    ich schrieb ihn nicht bei wem ich war und auch nicht das ich eigendlich fix und fertig bin.nicht schlafen nicht essen kann...halt all das.denn ich möchte nicht das er aus mitleid oder schlechten gewissen unsere beziehung möchte.also werde ich jetzt stark sein, und ihm wirklich einfach zeit lassen.ich denke wenn er sich für uns entscheiden sollte, dann können wir über alles dann versuchen zu reden.und ich werd dann sicher viele dinge auch mit viel rücksicht ansprechen die ich hier gelesen habe.



Beitrag von serafina10 (4 Beiträge) am Dienstag, 20.Dezember.2011, 09:31.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe Vino,
    das Problem ist auch sicher die Jahreszeit und die Tage, die bevorstehen. Weihnachten und Jahreswechsel sind nun mal ganz besondere Erlebnisse und man verbindet damit meist schöne Erinnerungen, auch wenn die Normalität in den Familien ja nicht immer nur friedlich ist. Aber der Mensch speichert ja die Geborgnheit und das Schöne ab. Und an solchen Tagen wird einem knallhart bewusst, dass man loslassen muss, ob man nun will oder nicht, denn der geliebte Mensch kommt nicht wieder. Ich denke aber auch, dass Dein Freund Dich braucht und sich selbst darüber klar werden muss. Es ist gut, wenn er das selbst herrausfindet und Du hast gute Chancen, dass er es herausfindet. Ohne Druck. Es ist schwer für Dich, aber Du kannst einen Lebenden gewinnen, er hat eine nicht mehr im Leben verweilende unwiderruflich verloren. Also hast Du die besseren Karten, wenn man es so ausdrücken will. Hast Du keine Freundin, die Dir über die schweren Tage weghilft? Dann könntest Du ihm signalisieren, ich bin da, aber nur wenn Du willst und Dich ablenken. Nach den Tagen wird es besser, denke ich.
    Ich urmarme Dich mal und wünsche Dir nochmal ganz viel Kraft und Zuversicht. Das Leben geht voran.
    Uschi

Beitrag von Tschigitta (512 Beiträge) am Dienstag, 20.Dezember.2011, 12:40.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo zusammen!

    Tschuldigung, aber ich hab da wiedermal einen ganz anderen Denkansatz.

    Trauer schön und gut (und ich weiß es ganz genau was es heißt zu trauern) - aber Liebe, Beziehung ist doch keine Einbahnstraße.

    Von mir persönlich ausgehend würde ich sagen, ich würde keine Beziehung führen wollen, in der ich so leide, wie Du es hier für mich rüberbringst, vino. In der ich dermaßen im Unklaren bin, wie es weitergeht.

    Ich persönlich würde eher ein Ende mit Schrecken wählen als umgekehrt. Natürlich kennt hier niemand die ganze Geschichte, daher sei dies nicht als Empfehlung zu betrachten.

    Am Ende des Tages muß eine Beziehung für beide Teile Halt bedeuten (vino ist ja auch krank) und kann nicht bedeuten dass ein Teil sein Ding durchzieht (auch wenn es Trauer ist) ohne jegliche Rücksicht darauf wie es den anderen dabei geht.
    Natürlich kann ich schon nachvollziehen wie dem unbekannten Witwer jetzt ergeht - aber dann würde ich mich schon fragen, ob ich dieser neuen Partnerschaft auch gerecht werden kann. Oder ob ich mich vielleicht aus falschen Motiven auf etwas eingelassen habe, was ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht in der Lage bin gerecht zu werden.

    Grüßerchen Gitta


Beitrag von Klarname (2 Beiträge) am Donnerstag, 29.Dezember.2011, 19:35.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo zusammen,

    also ich sehe das ähnlich wie Gitta. Ich stehe auch auf der "anderen Seite" (mein Partner hat seine Lebensgefährtin nach 4 Jahren Beziehung verloren). Zwei Jahre nach ihrem Tod lernten wir uns kennen. Das erste, was mir in unserer Kennlernphase zu schaffen machte, waren die Bilder in der Wohnung - sogar im Schlafzimmer überm Bett. Ich bin bestimmt kein unsensibler Mensch, aber da habe ich innerlich die Fassung verloren und ihn prompt gebeten, dieses Bild abzuhängen, da sonst eine gemeinsame Nacht in diesem Bett nicht möglich wäre. Punkt. Die Bilder im Schlafzimmer grenzten für mich wirklich an Geschmacklosigkeit und seelische Grausamkeit.

    Ich kann hier nur meine Gefühlswelt widerspiegeln. Meine Schmerzgrenze ist relativ niedrig und ich kann mich mit der zweiten Geige keinesfalls zufriedengeben - denn die würde ich auch unter keinen Umständen meinem Partner/ meiner Liebe zumuten!!!

    Die allgegenwärtige Präsenz dieser verstorbenen Partnerin in Form von Bildern, Büchern, Klamotten im Schrank und Liebesbüchlein hat mir jedesmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Es ist nicht schön, zu sehen, dass der Partner, mit dem man in ein neues Leben starten möchte und den man über alles liebt, ständig zurückblickt. Ich hatte panische Angst davor, mich auf einen Mann einzulassen, dessen Umfeld die Liebe zu einer anderen Frau zeigt und keinen Platz für mich bietet.

    Mich verfolgte ein Schreckensszenario: Ich habe mein Lebensumfeld für meine neue Liebe verändert (Umzug, neuer Job). Jetzt gehe ich durch eine Wohnung, die gespickt ist mit Bildern und Erinnerungsstücken von einer Frau bzw. einem glücklichen Paar, die/das es nicht mehr gibt. Von mir und unserer neuen Liebe nichts zu sehen. Weit und breit nichts. Kein einziges Bild. Kein Buch. Kein Erinnerungsstück. Einfach nichts.

    Diese Horrorvorstellung hat mich veranlasst, das Gespräch mit meinem Partner zu suchen. Ich machte ihm klar, dass er nicht nur von mir erwarten kann, dass ich mich vollends auf unsere neue Liebe einlasse. Er soll mir bitteschön insoweit entgegenkommen, dass er die "Reliquien" der verflossenen Liebe in die Erinnerungskiste steckt und der neuen Liebe einen angemessenen Platz in seinem/ unseren neuen Lebensumfeld gewährt.

    Nun kennen und lieben wir uns seit mittlerweile einem halben Jahr - mit allen auf das Hauptthema bezogenen Hochs und Tiefs. Ich habe ihm unablässig zu verstehen gegeben, dass die Vergangenheit ruhen muss, bevor ein Neuanfang mit mir überhaupt möglich ist.

    Glücklicherweise habe ich es mit einem verständnisvollen und einsichtigen Mann zutun.
    Hätte er auf meine Bitten und Vorschläge nicht reagiert, wäre diese Liebe schon in den Anfängen gescheitert. Das sage ich offen und ehrlich. Selbstschutz geht vor. Selbstaufgabe is nich!!! Eine Liebe, in der man still und heimlich leidet, kann nicht von Dauer sein.

    Klar-Schiff machen und Aufräumen lautet die Devise - denn die neue Liebe benötigt Platz für ihre eigenen Ereignisse, Erlebnisse und Erinnerungen.

    Vergiss nicht, dass auch Du ein Mensch und eine Persönlichkeit bist, die eine Vergangenheit hat und ein "Lebenspaket" mit sich herumschleppt. Auch Du gehst für diese Beziehung sicherlich Kompromisse ein, veränderst vielleicht sogar Dein Lebensumfeld. Es ist nicht ratsam, eigene innere Widerstände, Enttäuschungen und Ängste zu bagatellisieren oder zu ignorieren. Auch Du hast ein Recht auf einen Partner, der sich Dir voll und ganz widmet - wie es sich für eine Partnerschaft gehört.

    Wie Gitta sagt: Beziehung ist keine Einbahnstraße.

    Und das Wort Beziehung sagt: Man bezieht sich auf den anderen. In Deinem Fall habe ich aber eher das Gefühl, dass Du Dich auf ihn beziehst und er bezieht sich auf seine Frau.

    Thematisiere Deine Probleme. Schweigen ist Silber, Reden ist Gold.

    Liebe Grüße von einer, die glaubt, auf gutem Wege zu einer erfüllenden Partnerschaft zu sein



Beitrag von karo13 (23 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 09:23.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe Klarname,

    dein Beitrag macht mich ein wenig betroffen. Du beschreibst klar und deutlich DEINEN Standpunkt (daher vielleicht auch dein Nickname).
    Und deinem Standpunkt müsste dein neuer Partner folgen, sonst gibt es nichts mit dieser Beziehung!?
    Ist dieser Wunsch nach Entfernung von sichtbarer Erinnerung vielleicht ein Selbstschutz für dich, um mit dieser Situation zurechtzukommen?
    Wenn er alles in eine Erinnerungskiste verstaut, bist du dir dann sicher, ob er es aus seinem tiefsten Innern tut, oder nur dir zu Liebe?
    Bitte versteh' mich nicht falsch, aber seine verstorbene Partnerin ist ein Teil seines Lebens, und wenn es "nur" 4 Jahre waren. Diese Zeit mit ihr hat auch ihn geprägt und begleitet ihn. Es gibt bestimmt auch bei dir Bilder oder Andenken aus einer Zeit, in der er noch nicht dein Partner war. Die möchtest du sicher auch nicht in eine Kiste verpacken müssen.
    Optimal ist es, wenn beide über ihre Schwierigkeiten reden können. Beide sollten wissen, was gewisse Dinge in einem auslösen, da stimme ich dir vollkommen zu.
    Manchmal ist es nur eine "Gewohnheit", dass Bilder noch hängen, der Schrank noch voll hängt oder ähnliches.
    Es ist jedoch auch möglich, mit "einfachen Dingen" die Situation zu ändern, z.B. ein neuer Anstrich und die Frage, welche Bilder kommen wieder an die Wand.
    Oder Platzmangel im Kleiderschrank, dann werden die Sachen schon entsorgt.
    Solch ein Loslassen von Dingen erfordert einen Punkt im Innern des Betroffenen, den er selbst erreichen muss und nicht den Moment, den andere für ihn vorgeben. Denn vorgegebenen Zeitpunkten ist man als Verwitweter zur Genüge ausgeliefert in Form von Fristen und gut gemeinten Ratschlägen.
    Dein "Schreckensszenario" sagt mir deutlich, dass du weiterdenkst und deine Gedanken schon vorlaufen auf einem Weg, auf dem du/ihr noch gar nicht unterwegs seid.
    Die Liebe zu einem Menschen, auch wenn er verstorben ist, lässt sich nicht abstreifen oder in ein Kiste packen. Sie wird sich im Laufe der Zeit wandeln, aber nie abstellen.
    Wenn deine Liebe zu ihm tief ist, wirst du dieses aushalten können. Es ist möglich, sein Herz neu zu verlieren und sich bedingungslos erneut auf einen neuen Menschen einzulassen und ihn auch zu lieben. Jedoch erfordert dies Geduld und Verständnis sowie Ehrlichkeit.
    Aber eine neue Beziehung zu beginnen, erst dann, wenn die alte abgeschlossen ist, so klare Schnitte sind emotinal leider oder Gott sei Dank nicht möglich.
    Ein verstorbener Mensch ist keine Konkurrenz und in neuer Partnerschaft kann man auch gut mit seinem "Vorgänger" leben, denn dieser Mensch war es doch, der den jetzigen Partner mit zu dem gemacht hat, der er jetzt ist und Züge an sich hat, die man doch mag oder liebgewonnen hat.

    Dies waren meine Gedanken zu deinen Zeilen.
    Ich wünsche dir und euch einen guten Weg in eurer Beziehung und ein gutes neues Jahr

    karo13

Beitrag von goldfisch (21 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 11:35.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe "Klarname",

    deine Zeilen erschüttern mich.
    Ich gebe dir recht, dass eine neue Liebe auch Platz und Raum braucht, aber deine Gedanken und Forderungen empfinde ich sehr radikal. Beim Tod eines Partners von "verflossener Liebe" zu sprechen und von deinem Freund zu verlangen, dass er alle "Reliquien seiner verflossenen Liebe" in eine Kiste packen soll finde ich herzlos. Die Liebe deines Partners ist nicht verflossen, sondern die Frau ist gestorben. Er hat sich ja nicht absichtlich getrennt. Dieses Gefühl wird (wenn auch vielleicht verändert) weiter bestehen, selbst wenn er dir zu Liebe (im wahrsten Sinne des Wortes) Erinnerungsstücke aus der Wohnung entfernt. Ein Foto über dem Bett finde ich auch nicht angepasst, aber dass er ALLES wegräumen soll, finde ich noch viel härter. Die Liebe zu seiner verstorbenen Frau gehört zu seinem Leben dazu. Wenn du ihr keinen Raum einräumst, wird er vielleicht dir in seinem Herzen nicht genug Platz einräumen können. Seine Frau ist tot, sie wird ihn dir nicht streitig machen. Dass er sich nicht bewusst von ihr für dich getrennt hat, ist eine Tatsache, die du akzeptieren lernen musst. An deiner Stelle würde ich mir eher Gedanken machen, wie wertvoll ihm eine Liebe ist, wenn er nach dem Tod seiner Frau keine Erinnerungsstücke mehr in der Wohnung und sie ganz aus seinem Leben ausgeklammert hätte. Wenn zu mir ein neuer Partner zieht, wünschte ich mir, dass wir gemeinsam entscheiden können, welche Fotos und Erinnerungen aus meinem und auch aus seinem vorherigen Leben einen schönen Platz im Haus finden. Auf ALLES würde ich niemals verzichten, dann eher auf den Menschen, der das von mir verlangt.

    Ich hoffe, dass ich dir nicht zu nahe getreten bin - es sind meine Gedanken zu diesem Thema. Vielleicht ist es auch gar nicht so dramatisch wie ich es deinen Zeilen entnehme.

    Ich wünsche dir und deinem Freund, dass ihr einen Weg findet, der euch beiden gerecht wird.

    Doris

Beitrag von Mause (449 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 12:07.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Danke für deine klaren Worte liebe Karo13!


    Selten habe ich hier einen so überzeugenden wertvollen Beitrag gelesen.
    Ich kann dir in jedem Punkt zustimmen.
    Gerade frage ich mich, wie ich wohl meine "Kinder" in die "Erinnerungskiste" packen soll.

    Das von nicht Betroffenen(Unwissenden) geforderte, bedingungslose "Loslassen" und "Neubeginnen" kann nur in eine Sackgasse führen, nämlich zurück!
    Auch der Amputierte vergisst auch niemals, dass er mal 2 Beine hatte, obwohl er nun mit einem weiterleben muss und beklagt den Verlust.
    So fühlt es sich doch für uns auch an.
    Ich glaube auch inzwischen, dass ein gewisser "Grad an Behinderung" bei uns auf Dauer bestehen bleibt.
    Damit müssen wir erst lernen zu leben.
    Wie immer und überall im Leben gibt es für das Gelingen einer Partnerschaft keine Garantie, das heisst, das Einlassen auf einen neuen Menschen ist erst einmal ein Risiko für beide Seiten.

    Das partnerschaftliche Leben ist dann ein immerwährender Prozess, an dem beide ständig beteiligt sein müssen.
    Feste Vorgaben, die ein Partner erfüllen soll, lassen keinen Raum für Entwicklung miteinander und erzeugen Druck, gerade in unserer Situation unerträglich!
    Vielleicht brauchen wir, die wir um den Verlust und alles was damit verbunden ist wissen, auch eine weitreichendere Freiheit in einer neuen Beziehung, weil wir dieses Hin- und Her in unseren zwei Leben nicht ausklammern können.
    Vielleicht tun wir uns auch hier und da ein bisschen schwerer, als getrennte oder geschiedene Menschen.

    Als "Gegenwert" haben wir aber auch einiges zu bieten: Wir haben es schon mal geschafft, eine
    Partnerschaft(oft unter schwierigsten Lebensumständen) bis zu Ende zu leben, wir sind gewachsen und gereift, und wissen ganz sicher auch die "neue Liebe und das neue Leben" wirklich zu schätzen und als Geschenk anzunehmen.
    Vorausgesetzt, man lässt uns unsere, jetzt andere Beziehung zum Verstorbenen und die Erinnerungen.

    Wenn es denn eine neue Liebe gibt, dann kommt auch der Zeitpunkt für Veränderung und Neubeginn, sofern nicht schon vorher vollzogen.
    Es braucht Zeit, Verständnis und keine Eifersucht.

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Zu einer Partnerschaft gehören zwei Menschen.
    Auch der verwitwete Partner muss und kann seinen Part leisten, muss der Veränderung aus ganzem Herzen zustimmen können und eigene Schritte aufeinander zu wagen.

    Mich erinnert das immer an "Laufen lernen", als Kind geht das ganz selbstverständlich, als Erwachsener (z.B. nach Verletzung oder Op) ist das ganz schön anstrengend.
    Ein bisschen Geduld und Gesprächsbereitschaft sind eine gute Basis.


    Ich wünsche allen, die sich dem "Abenteuer neue Partnerschaft" stellen, Mut, ganz viel Achtsamkeit im Umgang miteinander und ein gutes Gelingen.


    Alles Liebe für 2012,


    marie
















Beitrag von Jasmin2 (200 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 16:13.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo Klarname,
    ich kann einerseits verstehen, dass Dich viele Erinnerungsstücke, Fotos etc. in der Wohnung deines Partners irritieren, aber ich kann dir ebenso klar sagen, dass ein solches "Klarschiffmachen" nicht wirklich funktioniert. Bei Tod des Partners ist dies sicher anders als bei anderen Trennungen von Lebenden.
    Ich selbst habe seit einem halben Jahr einen neuen Partner, gut ein Jahr nach dem Tod meines Mannes, aber der Trauerprozess läuft bei mir weiter, nun nur mit neuer Perspektive, aber es gibt durchaus Situationen, in denen ich meinem Freund meine Trauer mitteile, mit ihm über die Sterbebegleitung meines Mannes spreche und er hat zum Glück vollstes Verständnis dafür. Dürfte ich dies nicht mitteilen und müsste alles vor ihm verstecken, in eine Kiste packen, würde die Beziehung zerbrechen und mir hat Anfang des Jahres zum Glück mein Trauerberater gesagt, man müsse nicht erst mit der Trauer fertig sein, bevor man eine neue Beziehung eingehe. Eine Verstorbene kann dir nichts wegnehmen und du kannst nur gewinnen, wenn du ihr einen entpsr. Platz einräumst.

    Liebe Grüße und alles Gute für euch beide,
    Jasmin

Beitrag von DunjaK (3 Beiträge) am Donnerstag, 29.Dezember.2011, 18:45.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo,

    hoert sich so an als sei er nicht richtig bereit fuer eine Beziehung.Und es ist dir gegenueber unfair was er macht.Ich sag das weil es mir aehnlich geht und ich auch etwas zermuerbt bin.
    Ich bin selber verwitwet, seit fast 5 Jahren.ich weiss wie es ist seinen geliebten Partner zu verlieren.Ich weiss was es heisst zu trauern, zu weinen, zu hadern.
    Doch jetzt weiss ich das ich bereit bin fuer eine neue Beziehung mit einem neuen Mann der nicht mein Mann ist und den ich um seines selbst Willen gern haben will.
    Mein neuer Freund, selber verwitwet, aber erst seit 18 Monaten, wollte auch all dies.Eine neue Partnerin, kinderlieb und belastbar usw.was er sich vorstellte.ich erfuelle all das.
    Leider scheint er aber mental gar nicht so weit zu sein wie er meinte.Nach nun knapp 3 Mon.frage ich mich was ich fuer ihn bin.Ich hab ihn lieber als er mich,das ist sichtbar.Er hat es nicht richtig verstanden das ich nicht seine Frau bin die nie wiederkommt.Ich bin ich.Aber da ich nicht sie bin, scheint er mich wegzustossen ab und an.Er laesst mich nicht richtig teilhaben an seinen Leben.Kein Weihnachten, keine wichtigen Termine seiner Kinder...bei allem ist seine Mutter dabei, die uebrigens auch alles andere schmeisst.Sie ist fuer alles da, nur nicht fuers Intime und da komm ich dann rein.Aber mir ist das zu einseitig.ich will eine Partnerschaft.Ich will auch vermisst werden, wichtig sein fuer ihn...all das was ich ihm gebe erwidert er viel weniger.Will mich aber nicht verlieren, sagt wir brauchen Zeit.Seine Kinder moegen mich sehr.Die Mutter haelt sich leider nicht soweit zurueck das sie merkt das wir privatsphaere brauchen und ich bin nur Besuch.Hinzu kommt eine 160 km Distanz.
    Was soll ich tun? Wie seht Ihr das ? Hat es Sinn das weiterzuverfolgen.Ich bin frustriert.Ich sagte ihm das alles schon aber er geht nicht wirklich darauf ein.


Beitrag von Andrea40 (213 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 18:00.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo,

    ich finde nicht, dass du eifersüchtig bist oder zu viel von deinem Partner erwartest. Im Gegenteil. Er scheint in seiner Trauer noch nicht an dem Punkt zu sein, an dem es Platz, sowohl in seinem Herzen als auch in seiner Wohnung, für eine neue Liebe gibt.
    Abgesehen davon, natürlich kann ich auch auf Verstorbene eifersüchtig sein, warum denn nicht?

    Eine neue Partnerschaft und gleichzeitig noch trauern schließt sich nicht aus. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Trauer-Prozess zugunsten der neuen Partnerschaft voran schreiten muss. Der / die Verstorbene rückt allmählich mehr und mehr in den Hintergrund und die Gegenwart und/oder gemeinsame Zukunft werden wichtiger. Die Erinnerungen bleiben, ein Teil der Trauer bleibt, aber sie beeinträchtigen die gegenwärtige Beziehung immer weniger. Jeden Tag gibt es nun neue, gemeinsame Erinnerungen, die zur gemeinsamen Vergangenheit werden.
    Das heißt nicht, dass die Verstorbenen in eine Kiste gepackt und vergessen werden. Aber das Leben findet zunehmend im Hier und Jetzt mit der jetzigen Partnerschaft statt. Diese kann nur funktionieren, wenn sie mit der Zeit gleichwertig neben der früheren Partnerschaft bestehen kann. Ich will keine zweite Wahl sein und auch nicht eine Prothese nach einer gefühlten Amputation.

    Was du schreibst und was einige der Antwortenden befürworten, hat für mich nichts mit einer gleichberechtigten, ausgewogenen und gesunden Beziehung zu tun. Wenn es dir oder auch anderen gut tut, sich so sehr zurückzunehmen und eigene Erwartungen und Bedürfnisse zu vernachlässigen, kann dies eine Entscheidung sein, Ich selbst wäre bei meinem jetzigen, auch verwitweten Partner, wieder gegangen, wenn seine Wohnung zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens noch so sehr von seiner verstorbenen Frau geprägt gewesen wäre. Dann wäre er noch nicht bereit für mich gewesen.

    Eine gute Auseinandersetzung und Entscheidung wünscht dir
    Andrea



Beitrag von Tschigitta (512 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 19:31.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo!

    Ich bin gerade schon sehr bei Andrea kann aber auch die Ansätze der anderen verstehen.

    Ganz naiv betrachtet sehe ich die Sache so:
    Eine Beziehung ist eine Interaktion von genau den zwei Menschen, die da zueinandergefunden haben. Und am Ende des Tages sollen beide davon profitieren und sowas wie glücklich sein damit. Wenn ich mir ständig die Frage stellen muß, ob ich überhaupt richtig geliebt werde, tue ich mir da wahrscheinlich nichts gutes. Wenn ich unter Druck gesetzt werde, meine Trauer zu verbergen auch nicht.

    Daher ist die Frage, wieviel Entgegenkommen brauche ich in den einzelnen Bereichen meines Lebens und zu wieviel Entgegenkommen ist auch der andere bereit? Egal ob das Thema Trauer ist od er nicht, hier sollte man keine hunderte Gefühlskilometer auseinander liegen.

    Und daher gibt es auch keinen Leitfaden ob man Bilder auf-, um- oder abhängt. Es gilt hier nur die Einigkeit der beteiligten Personen zu erzielen. Gelingt es hier keine Möglichkeit zu schaffen, die für beide lebbar ist stellt das für mich die Berechtigung der Beziehung in Frage.
    Oder auch anderes erklärt: wenn ein Mann sich nicht in der Lage findet seiner Freundin ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen, sollte er sich vielleicht auch eine suchen, der es wurscht ist, ob sie eines bekommt und nicht zuschauen wie sie leidet und damit argumentieren "Meiner verstorbenen Frau habe ich auch nie was geschenkt und vor lauter Trauer kriegt jemand andere dann auch nie was"

    Zurückkommend zu den Bildern: Da ich sehr viele Bilder rumhängen habe, gibt es auch welche von meinem Engel, würde ein neuer Freund von mir verlangen sie abzuhängen, wäre der Knackpunkt für mich nicht der, dass meine Trauer dann irgendwie verändert wäre. Aber er hätte nicht verstanden, wie ich ticke, was wirklich wichtig für mich ist und wie ich mit meiner Trauer umgehen kann. Er würde mich nicht genug kennen um zu wissen, wie gerne ich all die Bilder mag.
    Wogegen ich gar nichts dagegen hätte (so hätte ich einen neuen Freund), hätte ich unter dem Christbaum ein schön gerahmtes Bild von eben diesen vorgefunden. Hammer und Nagel sind ja immer im Haus.

    Grüßerchen Gitta

    PS: Andrea, grüß mit Deinen "auch verwitweten Partner" mal schön.



Beitrag von karo13 (23 Beiträge) am Freitag, 30.Dezember.2011, 22:04.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe Andrea,

    als eine der Antwortenden möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich weder etwas befürworte oder ablehne. So jedenfalls habe ich meinen Beitrag nicht geschrieben und möchte ihn auch so nicht verstanden wissen.
    Als Partnerin eines auch verwitweten Partners ist es mir sehr gut möglich, mit Bildern seiner verstorbenen Frau im Haus zu leben, so wie er es normal findet, dass ich Bilder von meinem Mann in meiner Wohnung habe. Diese Bilder, die ja wohl für einige große Bedeutung und Bewertung darstellen, sind aber nicht nur für mich da, sondern auch für unsere Kinder und auch alle Menschen, denen der Verstorbene etwas bedeutet hat. Das Werkzeug, das meinem Mann gehörte, ist nun mein Werkzeug und mein neuer Partner hat keine Probleme damit, dieses zu benutzen, wenn es nötig ist. Ich koche auch in der Küche, in der "meine Vorgängerin" werkelte. Sollte all dies nicht mehr möglich sein, müsste man einem jeden eine Gehirnwäsche verpassen.
    Während ich diese Zeilen schreib, sitze ich auf dem Sofa, auf dem seine Partnerin auch saß und es stört mich nicht. Ich fühle mich auch nicht als Ersatz oder Prothese. Auch vernachlässige ich weder meine Erwartungen und Bedürfnisse, im Gegenteil ich war mir nie so klar darüber, wie nach dem Tod meines Mannes. Und gerade diese Haltung war oder ist es, die mir Authentität gibt, die mich ich selbst sein lässt.
    Ein aufgeräumtes und von optischen Erinnerungen entsorgtes Heim ist für mich kein Garant dafür, dass ein Verwitweter durch ist mit seiner Trauer oder bereit für eine neue Beziehung. Ich für mich möchte es nicht von diesen Äusserlichkeiten abhängig machen.
    Ich denke, es wird manchen Dingen einfach zuviel Bedeutung zugemessen, statt sich wirklich auf das Wesentliche zu konzetrieren.
    Für mich ist in der neuen Partnerschaft wichtig, ob die Verstorbenen eine "Daseinsberechtigung" haben in Form von Erinnerung, Ritualen und auch Bildern.
    Gerade diese dokumentieren doch auch meinen Partner aus einer Zeit, in der ich ihn noch nicht kannte. Um es mit einem simplen Beispiel einmal deutlich zu machen, ein Beispiel meiner Tochter: Sie fragt oft ihren Opa nach "früher", wie war es im Krieg, wie hast du Oma kennengelernt usw., sie sagt, mit seiner Schilderung und auch seinen Bildern lernt sie ihn und die Zeit, das Damals kennen und verstehen.
    Das ist bei uns mit neuem Partner nicht viel anders.
    Ich denke, dass jeder für sich seinen Weg finden wird, Meinigungen auch revidiert, wenn die Zeit reif dafür ist.

    Ich wünsche jedem die Zeit, die nötig ist, um mit sich ins Reine zu kommen, um dann den neuen Aufgaben im Leben und der Partnerschaft
    die richtige Aufmerksamkeit zu schenken.

    In diesem Sinne alles Gute dir und all den anderen Mitlesenden,

    karo13

Beitrag von Klarname (2 Beiträge) am Samstag, 31.Dezember.2011, 11:12.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo Zusammen,

    mir scheint, dass die Vorstellung mit der Erinnerungskiste bei vielen hier auf Unverständnis stößt. Dabei tue ich mit meiner letzten Beziehung nichts anderes, weil "mein Witwer" (klingt etwas schräg, aber ich muss das jetzt nehmen, damit es auseinanderzuhalten ist ...)eifersüchtig auf meinen Ex-Partner ist, der bisher eine der wenigen Vertrauenspersonen in meinem Leben war. "Meinem Witwer" zuliebe habe ich den Kontakt zu meinem Ex-Partner (=bester Freund)völlig abgebrochen und alle Indizien in meiner Wohnung entfernt. Mir geht es auch nahe, wenn ich die Anrufe meines besten Freundes zu Weihnachten wegdrücke. Aber ich weiß, dass es für meinen neuen Partner eine Zumutung wäre, meinen Ex als meinen "besten Freund" zu akzeptieren. Es beunruhigt ihn zutiefst, beschert ihm schlaflose Nächte und Grübelei - kurz um: Es schadet ihm. Deswegen unterbinde jeden weiteren Kontakt. Ab in die Erinnerungskiste mit dem Ex!

    Meine frühere Beziehung spielt zwischen uns keine Rolle. Niemals würde ich sagen: "Der XY hat das auch immer gemacht ... der XY hat das auch gemocht ...". Warum auch? - ich habe mich neu verliebt. Und das über beide Ohren. Ich würde nicht im Traum daran denken, meinem neuen Partner ständig von den schönen Erlebnissen meiner letzten Beziehung zu erzählen. "Mein Witwer" soll glücklich und unbefangen sein, nicht unglücklich.

    Was ich damit sagen will: Auch ich, als neue Partnerin des "Witwers", habe eine Vergangenheit. Auch ich habe Enttäuschungen (z.B. eine geplatzte Hochzeit nach langjähriger Beziehung oder einen Partner, der fremdgeht)hinter mir, die mich verdammt viel Kraft und Tränen gekostet und übervorsichtig gemacht haben. Ich bin sozusagen beziehungstechnisch in "Alarmbereitschaft".

    Tatsächlich kommt es auf den Konsens in einer Partnerschaft an. Es treffen sich zwei Menschen mit der Absicht, ein gemeinsames Leben zu führen. Der eine trauert, der andere ist ein "gebranntes Kind". Was nun?

    Für uns beide war es nicht ersprießlich, mit dem früheren Partner des anderen konfrontiert zu werden. Sei es in Form von Bildern und Klamotten oder in Form von Telefonaten oder Freunschafts-Treffen. Es spielt hierbei keine Rolle, ob der andere Partner verstorben ist oder noch lebt. Glaubt mir.

    Ihr könnt mir auch glauben, dass mir sehr wohl bewusst ist, das "mein Witwer" sein Umfeld nur auf meine Bitten hin verändert hat. Hätte ich geschwiegen, würde ich jetzt morgens neben dem Bild der verstorbenen Partnerin aufwachen. Daran würde ich zerbrechen. Jeden Tag würde etwas in mir kaputtgehen. Kann das unser Ziel sein?

    Es ist nicht fair, wenn man nur dem Verwitweten Gefühle und emotionale Grenzen zugesteht. Auch der neue (nicht verwitwete) Partner hat eine Wegstrecke zurückgelegt, die ihn geprägt und tiefe Spuren hinterlassen hat.

    Aus diesem Grund müssen sich beide Partner entgegenkommen. Ein Patentrezept (a la Bilder abhängen oder Bilder dranlassen) gibt es nicht. Wer sagt, dass es falsch ist, eine Erinnerungskiste zu haben? Vielleicht ist es ja hilfreich? Wer sagt, dass es falsch ist, den Kontakt zu einem besten Freund abzubrechen? Vielleicht ist das ja auch hilfreich und vermeidet weitere Zerwürfnisse?

    Für mich kann ich sagen, dass die Erinnerungskisten-Strategie mir Mut gegeben hat. Mut, in dieses neue Abenteuer zu starten. Gäbe es seine und meine Erinnerungskiste nicht, hätte ich mein Alarmbereitschafts-Versteck nie verlassen. Ich hätte auf die Liebe verzichtet, um der Enttäuschung und emotionalen Einsamkeit vorzubeugen.

    Ich hoffe, dass mein Partner (ich muss es noch einmal sagen: "mein Witwer") das auch so sieht. Leider kann ich nicht mit Gewissheit sagen, wie es ihm mit den Erinnerungskisten geht. Er sagt, die Zeit sehr mehr als reif für einen Neuanfang. Ob er auch tatsächlich so denkt und fühlt, weiß ich nicht, weil ich nicht in seinen Kopf schauen kann.

    Ich bin nicht herzlos, sondern übersensibel. Meine Vergangenheit hat mich gelehrt, dass man in einer Partnerschaft auch einsam und auf verlorenem Posten sein kann. Diese Angst vor Einsamkeit hat mich übermannt, als ich einen Mann kennenlernte, der zwar eine Thearpie hinter sich hatte, aber äußerlich und innerlich immer noch in einem Reliquien-Schrein lebte.

    Es ist so, dass ich hier nicht mit allen vertretenen Ansichten übereinstimmen kann. Aber ich glaube, es ist wichtig, die Seite des "nichtverwitweten Partners" zu vertreten, näher zu betrachten und gängige Vorstellungen (Bilder müssen an der Wand bleiben; der neue Partner muss das akzeptieren und die Trauer des Verwitweten verständnisvoll begleiten; die Zeit bringt die Veränderung mit sich; Geduld beweisen)zu hinterfragen.

    Trotz des zermürbenden Themas wünsche ich allen "Beitragenden" und "Mitlesenden" ein gesundes neues Jahr und viel Kraft für alle Neuanfänge, denen ja so viel Zauber innewohnen soll ...

    Frau Klarname

Beitrag von Ikarus (255 Beiträge) am Samstag, 31.Dezember.2011, 12:17.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo Klarname,

    Du hast schon recht, jeder muss seinen Weg finden wie er mit seiner Vergangenheit umgeht, ob Kiste oder nicht,Bilder oder sonstiges, das ist individuell und da gibt es kein Richtig oder Falsch.

    Was allerdings eine Grundbedingung für eine zu gelingende Partnerschaft ist, ist Vertrauen.
    Und wenn ich die Mail so durchlese, dann ist zwischen euch beiden noch kein Vertrauen zueinander vorhanden. Ob du jetzt den Kontakt zum EX unterbindest oder den kommenden zum Verkäufer XY, ob er jetzt alle Bilder seiner Frau wegräumt oder auch die letzten Erinnerungen an seine Vergangenheit ist nicht relevant.
    Es hört sich alles sehr voller Angst und ohne Vertrauen an.Von beiden Seiten.

    Du möchtest,das ihr eine Zukunft aufbaut, dazu seid ihr mehr oder weniger bereit, die sichtbaren Spuren der Vergangenheit aufzulösen.
    Die unsichtbaren Spuren, die Angst, die Zweifel, das mangelnde Vertrauen, das bringst du weiterhin ein in die Beziehung.

    LG Ikarus



Beitrag von colva (418 Beiträge) am Samstag, 31.Dezember.2011, 13:48.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo Klarname,

    für mich hört sich das alles sehr ungesund an und hat nichts damit zu tun, dass Dein Partner verwitwet ist.

    Um es kurz zu machen, ich würde weder für einen neuen Partner Freunde aufgeben (wobei es egal ist ob Ex oder nicht), keine "Indizien" entsorgen und auch nichts in irgendwelche therapeutischen Erinnerungskisten stecken...

    Ich kann mich da nur Ikaraus anschliessen - solange ihr nicht Vertrauen in die Liebe und das Leben habt, glaub ich nicht, dass das was wird...

    Euer altes Leben nehmt ihr immer und überall mit hin - weil es ja auch das ist, was Euch zu dem gemacht habt, was ihr heute seid.

    Ich wünsch euch, die sich für euch richtig anfühlenden Entscheidungen

    Sylvia


Beitrag von sun65 (177 Beiträge) am Samstag, 31.Dezember.2011, 14:49.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Colva und Ikarus :ich sehe es ähnlich,
    bei mir gäbe das auch "Bauchgrummeln",ginge alles so gar nicht.
    Man kann Vergangenheit auch nicht allein an Bildern usw. festmachen,selbst wenn die
    abgehängt sind,bleibt ein Verlust eben ein Verlust und wenn die Liebe tief war ist das Gefühl nicht einfach "abgeschnitten und gut".
    Für Nichtbetroffene ist dies schwer nachvollziehbar,da es mit "freiwilliger Trennung" nicht das Geringste zu tun hat.Denn das macht man i.d.R. weil man sich entliebt hat oder es sonstwie eben nicht mehr funktionierte; was nicht heisst das sowas einfach ist.
    Ich merke mal wieder,dass ich mit meinem
    Partner 6 Richtige mit Zusatzzahl gezogen habe. Er versteht das ich so bin wie ich bin
    und meine verstorbenen Männer nicht einfach "in eine Kiste packen" kann.....
    Ich weiss solche Vorschläge kommen von Psychologen, mir war das stets suspekt.
    Obwohl keine Fotos im Schlafzimmer hängen.
    Eine "Kiste" , symbolisch oder real,wäre den Vätern meiner Kinder gegenüber auch unfair, zudem müsste ich dann quasi mein
    Haus abreissen.....
    Mein Partner ist sich trotzdem sicher das ER gemeint ist, wenn er meine Liebe spürt.
    Schade das sich Vino nicht nochmal gemeldet hat, würde mich interessieren ob es "Fortschritte" gab,eventuell schreibt sie ja mal wieder .

Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Samstag, 24.März.2012, 15:38.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    hallo, und ja es ist schon einwenig her,möchte mich aber kurz mal wieder melden.
    ja was hat sich getan? er hat sich intensiv beschäftigt, angefangen los zu lassen, sachen verkauft, weggräumt, seine wohnung gekündigt und wird im mai ausziehen.von mir hat er sich immer mehr distanziert.kann keine nähe nichts mehr zulassen.seid einem monat ist er nur noch am arbeiten.lässt mich gar nicht mehr an sich ran.bin glaube auch selber schuld, habe intensiv mit ihm über trauerarbeit geredet, und das er noch lange nicht so weit ist eine beziehung führen zu können.er kann ja noch nicht mal ohne zu verkrampfen von seiner verstorbenen frau reden.er sagt immer nur es geht ihm nicht gut. letztens meinte er ,er sei nicht ganz weg, ich solle das nicht vergessen.
    nein ich kann ihn auch nicht vergessen.schreibe ihn ab und zu eine liebe sms, das ich an ihn denke und ihm kraft wünsche und gute gefühle und gedanken und so, grade so bei dem wetter jetzt. antworten bekomme ich kaum. und nachdem ich wieder einmal in einer mail zu weit gegangen bin, hat er sich halt wirklich echt zurück gezogen.vielleicht geht er mir auch deswegen aus dem weg, weil ich ihm konfrontiere.meines erachtens rennt er schon wieder weg, will den schmerz nicht zu lassen und es nicht wahr haben.
    ja was soll ich noch sagen, ich habe wenig hoffnung das er und ich noch eine chance haben.
    was soll ich auch tun????ja ich lass ihm zeit, doch ich verbrenne innerlich.
    ich muss ihn los lassen, und das fällt mir wohl genauso schwer wie ihm das fällt.

Beitrag von Strippe (22 Beiträge) am Samstag, 24.März.2012, 21:34.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    @vino354
    Ja, das ist Problematisch.
    Aber nicht jeder ist so.
    Nun kommt es natürlich darauf an wie lange die vorherige Beziehung ist, auch das Lebensalter spielt ein Rolle mit dazu.
    Es kommt ja immer darauf an was man daraus macht.
    Ich selbst habe 3 Jahre nach dem Tod meiner Frau eigendlich das gemacht, was jeder eigendlich auch machen solle, zurück ins Leben zu finden sich neuen Aufgaben widmen, an das vergangene wenig zu denken.
    Es ist natürlich nicht immer einfach und für manche auch schwer vorstellbar, aber es geht.
    Wenn ich heute mein Leben so betrachte, es besteht voller Aufgaben, ich habe wieder eine Partnerin, und es gibt nur ein Bild von meiner ehemaligen Frau an der Flurwand.
    Es ist ein neues Leben für mich auch nun ohne dieses zu leben, mit jener ich eigendlich schon heute 20 Jahre verheiratet gewesen wäre, wenn sie noch da wäre. Aber es ist nicht so, und so muß man sich seinem Schicksal beugen.
    Immer wieder können Dinge aufeinander treffen und wenn man selber mal im Grab liegt denken die anderen weiter

    Und so dreht man immer am Rad der zeit.

Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Freitag, 30.März.2012, 21:36.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    erst mal lieben dank für die antworten.habe nun endlich wieder internet und kann nun auch noch etwas schreiben, werde auch auf die privaten mails antworten.
    ich weis das ich los lassen muss. und versuche es auch. ich glaub ich muss einsehen, das es vorbei ist.mittlerweile haben wir keinen kontakt mehr und ich gebe auch die hoffnung auf, das er wieder entsteht.es sollte halt nicht sein.
    ich mache ihm auch keine vorwürfe, ich glaube er wusste selbst nicht was er tat.ich habe ihm die augen geöffnet das er nichts verarbeitet hat und musste damit rechnen.aber ich hoffe und wünsche mir das es vielleicht der grund war, warum er anfing sich damit zu beschäftigen und irgendwann wieder lachen kann.
    warum ich so gekämpft habe, geklammert habe und jetzt um ihn weine, er war das beste was mir passieren konnte.er war der erste mann der liebevoll mit mir umgegangen ist, mich nie beschimpft hat,beleidigt oder nieder gemacht.er war zärtlich und hat versucht immer da zu sein.
    das alles kannte ich nicht.ja er hat mir gezeigt das es ein anderes leben gibt.ich war schlimm borderline krank, habe mich verletzt und kannte ein normales leben nicht mehr.dies alles tuh ich nicht mehr, ich weis auch das ich mir so ein leben wünsche.
    nun ist er weg, ich kämpfe nun allein, aber weis durch ihn auch, das es so ein leben gibt.auch das es liebe gibt.so dumm wie es vielleicht klingt, ich glaube schon das es schicksal war, aber jeder hat auch seinen freien willen, und er hat sich für ein leben allein entschieden.und sicher hat uns beiden die zeit etwas gebracht, auch wenn ich es jetzt noch nicht sehe.
    wenn ich nur vorher gewusst hätte, in was für einer lage er ist. ich hatte keine erfahrung damit, heute würde ich vieles anders tun.
    auf jeden fall danke ich euch.und wünsche euch auch alles glück das es gibt.
    vino

Beitrag von Neubeginn1 (63 Beiträge) am Sonntag, 1.April.2012, 12:11.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo liebe Vino,

    ein Mensch, der trauert und sich langsam wieder dem Leben annähert und ein Mensch, der an Borderline erkrankt ist, also mit sich selbst viele Probleme hat und - ohne Behandlung/Therapie - immer ein anstrengendes Leben haben wird, das passt nicht gut zusammen.

    Damit sind sicherlich beide Seiten überfordert.

    Tu etwas für dich und deine Zukunft:-).
    Analysiere nicht ihn, sondern mache alles in Richtung positiver Zukunft für dich.
    Dann wird`s sicherlich auch wieder schön.

    Alles Gute :-).

    Neubeginn

Beitrag von vino354 (8 Beiträge) am Samstag, 7.April.2012, 08:41.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    hallo liebe neubeginn,

    eigentlich wollte ich so gar nichts mehr dazu schreiben, weil deine worte mir doch einwenig auch weh getan haben.
    erst mal ich bin seid jahren in behandlung wegen des borderlines und auch ein stabiler borderliner.
    und sicher hast du recht das es grade für ihn wahnsenig schwer ist, da er wie gesagt sich selber und einen neuen weg für sich sucht.
    und vielleicht war oder ist es falsch das ich vieles so sehr nachfühlen konnte und mich deswegen auch immer sehr eingemischt habe, ihn immer wieder darauf aufmerksam gemacht habe das etwas nicht stimmt, das er alles verdrängt und erst einmal verarbeiten müsste.vielleicht hätte ein "gesunder mensch" vieles leichter genommen.
    vielleicht habe ich zuviel rücksicht auch genommen.zum beispiel silvester ihn ging es so schlecht, das ich einfach dann sagte wir bleiben zu haus, gut dann legen wir uns einfach ins bett, hab ihn dann einfach nur festgehalten, nachts bin ich allein auf den balkon und habe das feuerwerk angeschaut.vielleicht hätte ich ihn mit ziehen sollen müssen. aber ich habe es meist so versucht, das ich einfach drauf eingegangen bin und versucht habt da zu sein.
    sicher bin ich , und mein leben nicht grade berauschend,klar habe ich viele probleme, aber ich habe auch nie irgendwas von ihm verlangt, das er für mich da sein sollte. ich habe ja irgendwann erkannt in was für einer lage er ist.ach ich weis auch nicht.
    auf jeden fall hat er sich jetzt seid 4 wochen völlig zurück gezogen, ich habe mich auch nur sporadisch gemeldet.sonntag wollen wir uns wohl wieder sehen.
    und auch da werde ich nicht so tun als wäre alles gut.auch da werde ich schon all das wieder ansprechen,wie es ihm geht auch sein auszug aus seiner wohnung, der jetzt ansteht.
    ist es denn falsch den jenigen darauf anzusprechen??? hätte ein gesunder mensch wirklich so anders gehandelt als ich????

Beitrag von Neubeginn1 (63 Beiträge) am Sonntag, 8.April.2012, 16:05.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe Vino,

    ich wünsche Dir nochmals alles Gute :-) (eigentlich hatte ich mich ja schon verabschiedet).

    Du wirst Deine Wege gehen :-).

    lg
    Neubeginn1




Beitrag von Neubeginn1 (63 Beiträge) am Samstag, 24.März.2012, 22:09.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Hallo Vino,

    ob er bereit für eine neue Beziehung ist, kann nur er entscheiden.
    Was er wahrhaben will und was nicht, auch.
    Warum hängst Du so an ihm? Was macht diese Zuneigung für Dich so einzigartig?
    Kennst Du diese Gefühle bei Dir aus früheren Zeiten?
    Warum muss Mann/Frau für eine Liebe derartig kämpfen?

    Ich habe heute Frühlingsblumen an`s Grab gebracht.
    Trotzdem wünsche ich mir einen neuen Partner.
    Ich weiß, dass er oder ich, dann irgendwann wieder Abschied nehmen muss, denn einer geht immer vor.
    Das ist der Lauf der Zeit.
    Ich möchte aber nicht mehr so viel Zeit verlieren, wie bei meinem verstorbenen Partner.
    Wir hätten viel früher wieder zusammenkommen können.

    Ich wünsche Dir viel Glück bei all Deinen Dingen.

    Neubeginn1



Beitrag von sun65 (177 Beiträge) am Sonntag, 25.März.2012, 14:57.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe vino,
    schön das du dich noch mal gemeldet hast!
    Es ist ganz schwer dir zu raten,denn "los-
    lassen" ist bei Lebenden kaum einfacher als
    bei Toten.
    Manchmal kann Liebe brutal sein,man tut sie
    sich an,auch wenn sie weh tut und man wenig "Nutzen" daraus zieht.Nicht alles ist rational
    regelbar,Schicksalskomponenten spielen mit hinein.
    Dennoch:versuche jetzt erst mal an DICH zu
    denken,mache alles was DIR gut tut,auch ausgehen usw.Du musst raus aus dem Gedankenkarussell !
    Für sein Wohlbefinden bist du nicht zuständig!
    Erzwingen lässt sich eh nichts,schon gar
    nicht in Puncto Beziehung.
    Bei mir kam auch beide Male ca.2 Jahre eine
    absolute Blockade auf,in Puncto neue Beziehung.
    Aber ich habe auch niemandem Mut gemacht und "hingehalten".Es gibt sicherlich Leute wo es noch länger dauert-keiner kann für seine Trauer und seine Gefühle.Ganz abschliessen kann ich
    zB.sicherlich nie,habe immer noch ab und zu
    dunkle Tage;aber mein Partner toleriert das.

    Ich wünsche dir viel Luft und Licht in diesem
    Frühling-nur für dich allein- und das du
    locker wirst für alles was noch kommt,ohne
    alles auf diesen Mann zu focussieren,
    ganz liebe Grüsse
    Sandra

Beitrag von ekieh (196 Beiträge) am Mittwoch, 28.März.2012, 22:05.

  Re: ist er überhaupt bereit für eine neue beziehung

    Liebe Vino,
    es ist in der Tat eine schwierige Situation für beide.Ich schreibe Dir etwas ins Postfach
    Liebe Grüße
    Ekieh


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