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Beitrag von AJ18146 (3 Beiträge) am Dienstag, 27.Dezember.2011, 22:06.

  Die Liebe danach ...

    Hallo,

    ich habe mich heute hier angemeldet, obwohl ich selbst nicht verwitwet bin. Ich bin 29 und habe vor einer Weile jemanden kennengelernt.
    Er ist verwitwet.
    Wie kam es? Ich war bei einer kostenpflichtigen Kontaktbörse angemeldet und stolperte eines Tages über sein Profil. Also schrieb ich ihn an und bekam auch Antwort. Obwohl mir sein Foto anfangs gar nicht zusagte, gefiel mir aber seine Art umso mehr. Daher schrieben wir weiter und es dauerte nicht lang, da telefonierten wir. Seine Stimme hat es mir sofort angetan, als ich sie das erste Mal hörte. Da ich einige schlechte Erfahrungen gemacht habe, wollte ich mich nicht sofort treffen. Nach ca. einem Monat Kontakt trafen wir uns. Schon vom Schreiben und Telefonieren wusste ich, dass er verwitwet ist und einen kleinen Sohn hat. Ich selbst habe auch einen kleinen Sohn. Der Tod seiner Frau ist inzwischen aber gerade mal ein halbes Jahr her. Als wir uns trafen (er wohnt ca 200 km weit weg), haben wir einen wunderschönen Nachmittag verbracht. Wir haben uns auf Anhieb super gut verstanden und es war als würden wir uns schon ewig kennen. Zum Abschied küsste er mich. Ich freute mich natürlich, denn in seiner Nähe fühle ich mich unheimlich gut. Zwei Tage später telefonierten wir. Er sagte mir, dass er mich unheimlich gern hat und ich sehr liebevoll bin. Er sagte, dass er unbedingt mehr von mir kennenlernen möchte. Dass er aber irgendwie keine Schmetterlinge im Bauch habe. Ungeachtet dessen fühle er sich aber sehr wohl bei und mit mir. Er wisse nicht, was er will und er möchte mich nicht verletzen. Ich war erstmal vor den Kopf gestoßen. Dann habe ich mir gesagt, dass es wahrscheinlich ganz normal ist. Wenn ich mir vorstelle, dass ich meinen Partner nach 7 Jahren glücklicher Beziehung binnen 6 Wochen verliere, ich wüsste nicht, was ich täte. Und ich bräuchte ganz sicher eine ganze Weile bis ich bereit wäre, jemand Neues in mein Herz zu lassen. Ich sagte ihm, dass ich Verständnis dafür habe. Er selbst sagt, dass er die erste Zeit sehr getrauert hat. Aber irgendwann wurde ihm klar, dass es weiter gehen muss. Gerade wegen dem Kleinen. Also fing er an, den Alltag zu meistern. Er meinte zu mir, dass er Realist genug ist, um zu wissen, dass sie nie wieder zurück kommt. Er weiß aber auch, dass er furchtbar einsam ist und nicht mehr allein sein möchte. Er will aber definitiv keine Affäre, sondern was fürs Herz.
    Wir einigten uns, die Dinge erstmal langsam anzugehen. Wir telefonierten vorerst nur noch, aber sahen uns nicht. Nun muss man wissen, dass ich bald beruflich da sein werde, wo er jetzt lebt. Bald trennen uns nicht mehr so viele Kilometer. Zwischendurch habe ich aus irgendeinem Grund zu ihm gesagt, dass ich denke, dass Abstand (kein Kontakt) erstmal besser ist. Ich empfinde unglaublich viel für ihn. Er fand es sehr schade, hat es aber akzeptiert. Zwei Wochen später hatten wir wieder Kontakt. Diesen habe ich initiiert, weil er mir so sehr fehlte. Ich war in seiner Stadt, um mir ein paar Wohnungen anzusehen. Er schlug vor, dass wir uns treffen und ich willigte ein. Als wir uns sahen, hat er mich ganz fest in den Arm genommen und gesagt, dass ich ihm gefehlt habe. Nachdem wir kurz eine Besorgung gemacht hatten, waren wir bei ihm. Er sagte, dass er in den zwei Wochen sehr viel an mich denken musste und er mich vermisst hat. Er meinte, dass er denkt, dass die Schmetterlinge fehlen, weil der Verlust immernoch spürbar ist. Dass er aber glücklich wäre, wenn wir es trotzdem einfach versuchen würden. Ganz langsam. Step by step. Und ich habe natürlich nichts dagegen gesagt. Das war vor ca. einem Monat. Wir hören fast täglich voneinander. Seitdem war er schon zwei Mal hier. Sprich, er hat schon zwei Mal die Kilometer auf sich genommen. Öfter ist es nicht möglich, weil er ja auch noch einen kleinen Sohn hat. Wir haben miteinander geschlafen und es war wunderschön. Das sieht er genauso. An Weihnachten hat er ein Geschenk für meinen Kleinen geschickt, weil er "nicht so begabt ist, Frauen zu beschenken". ;-) Ich habe ihm und seinem Sohnemann auch etwas geschenkt.
    Stellt sich nun die Frage, warum ich hier bin. Ganz einfach. Ich habe in meinem Leben schon einen Menschen vor meinen Augen sterben sehen. Und von daher kann ich mir zumindest annähernd vorstellen, wie es ihm gehen muss. Aber ich kann mir eben auch vorstellen, dass ich an seiner Stelle noch nicht so weit wäre. Und dass er es noch nicht wirklich ist, zeigt sich ja in Ansätzen. Ich liebe jede Minute mit ihm und wünsche mir so sehr, dass alles gut wird. Mir blutet das Herz, wenn ich mir vorstelle, wieviel Trauer er in sich tragen muss. Daher versuche ich, für ihn da zu sein, ein offenes Ohr zu haben und natürlich offene Arme. Er nimmt dies auch sehr dankbar an. Ich habe aber immer wieder Angst, dass ich ihn vielleicht überfordere oder unbemerkt dränge. Und es ist auch nicht so leicht, unentwegt Rücksicht zu nehmen, wenn man hin und wieder eigentlich selbst mal jemanden braucht, der einen in den Arm nimmt. Wobei er für mich da ist, wenn ich mal ein Tief habe. Also es ist nicht so, dass er nur sich sehen würde. Ich bin eher diejenige, die sich innerlich furchtbar fühlt, weil mir meine Sorgen im Vergleich zu ihm wie Lapalien vorkommen und ich ihn unnötig belaste. Ich möchte ihm die Zeit geben, die er braucht. Und ich würde mich freuen, wenn es hier vielleicht jemanden gibt, der mich dabei mental unterstützen kann. Denn ich denke, dass viele von euch, die ebenfalls jemanden verloren haben, ihn noch viel besser verstehen als ich es je könnte. Und manchmal braucht man einen anderen Blickwinkel. Ich danke schonmal vorab für hoffentlich viele Sichtweisen, die meinen Horizont erweitern. :-)

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Beitrag von AJ18146 (3 Beiträge) am Dienstag, 27.Dezember.2011, 22:06.

  Die Liebe danach ...

    Hallo,

    ich habe mich heute hier angemeldet, obwohl ich selbst nicht verwitwet bin. Ich bin 29 und habe vor einer Weile jemanden kennengelernt.
    Er ist verwitwet.
    Wie kam es? Ich war bei einer kostenpflichtigen Kontaktbörse angemeldet und stolperte eines Tages über sein Profil. Also schrieb ich ihn an und bekam auch Antwort. Obwohl mir sein Foto anfangs gar nicht zusagte, gefiel mir aber seine Art umso mehr. Daher schrieben wir weiter und es dauerte nicht lang, da telefonierten wir. Seine Stimme hat es mir sofort angetan, als ich sie das erste Mal hörte. Da ich einige schlechte Erfahrungen gemacht habe, wollte ich mich nicht sofort treffen. Nach ca. einem Monat Kontakt trafen wir uns. Schon vom Schreiben und Telefonieren wusste ich, dass er verwitwet ist und einen kleinen Sohn hat. Ich selbst habe auch einen kleinen Sohn. Der Tod seiner Frau ist inzwischen aber gerade mal ein halbes Jahr her. Als wir uns trafen (er wohnt ca 200 km weit weg), haben wir einen wunderschönen Nachmittag verbracht. Wir haben uns auf Anhieb super gut verstanden und es war als würden wir uns schon ewig kennen. Zum Abschied küsste er mich. Ich freute mich natürlich, denn in seiner Nähe fühle ich mich unheimlich gut. Zwei Tage später telefonierten wir. Er sagte mir, dass er mich unheimlich gern hat und ich sehr liebevoll bin. Er sagte, dass er unbedingt mehr von mir kennenlernen möchte. Dass er aber irgendwie keine Schmetterlinge im Bauch habe. Ungeachtet dessen fühle er sich aber sehr wohl bei und mit mir. Er wisse nicht, was er will und er möchte mich nicht verletzen. Ich war erstmal vor den Kopf gestoßen. Dann habe ich mir gesagt, dass es wahrscheinlich ganz normal ist. Wenn ich mir vorstelle, dass ich meinen Partner nach 7 Jahren glücklicher Beziehung binnen 6 Wochen verliere, ich wüsste nicht, was ich täte. Und ich bräuchte ganz sicher eine ganze Weile bis ich bereit wäre, jemand Neues in mein Herz zu lassen. Ich sagte ihm, dass ich Verständnis dafür habe. Er selbst sagt, dass er die erste Zeit sehr getrauert hat. Aber irgendwann wurde ihm klar, dass es weiter gehen muss. Gerade wegen dem Kleinen. Also fing er an, den Alltag zu meistern. Er meinte zu mir, dass er Realist genug ist, um zu wissen, dass sie nie wieder zurück kommt. Er weiß aber auch, dass er furchtbar einsam ist und nicht mehr allein sein möchte. Er will aber definitiv keine Affäre, sondern was fürs Herz.
    Wir einigten uns, die Dinge erstmal langsam anzugehen. Wir telefonierten vorerst nur noch, aber sahen uns nicht. Nun muss man wissen, dass ich bald beruflich da sein werde, wo er jetzt lebt. Bald trennen uns nicht mehr so viele Kilometer. Zwischendurch habe ich aus irgendeinem Grund zu ihm gesagt, dass ich denke, dass Abstand (kein Kontakt) erstmal besser ist. Ich empfinde unglaublich viel für ihn. Er fand es sehr schade, hat es aber akzeptiert. Zwei Wochen später hatten wir wieder Kontakt. Diesen habe ich initiiert, weil er mir so sehr fehlte. Ich war in seiner Stadt, um mir ein paar Wohnungen anzusehen. Er schlug vor, dass wir uns treffen und ich willigte ein. Als wir uns sahen, hat er mich ganz fest in den Arm genommen und gesagt, dass ich ihm gefehlt habe. Nachdem wir kurz eine Besorgung gemacht hatten, waren wir bei ihm. Er sagte, dass er in den zwei Wochen sehr viel an mich denken musste und er mich vermisst hat. Er meinte, dass er denkt, dass die Schmetterlinge fehlen, weil der Verlust immernoch spürbar ist. Dass er aber glücklich wäre, wenn wir es trotzdem einfach versuchen würden. Ganz langsam. Step by step. Und ich habe natürlich nichts dagegen gesagt. Das war vor ca. einem Monat. Wir hören fast täglich voneinander. Seitdem war er schon zwei Mal hier. Sprich, er hat schon zwei Mal die Kilometer auf sich genommen. Öfter ist es nicht möglich, weil er ja auch noch einen kleinen Sohn hat. Wir haben miteinander geschlafen und es war wunderschön. Das sieht er genauso. An Weihnachten hat er ein Geschenk für meinen Kleinen geschickt, weil er "nicht so begabt ist, Frauen zu beschenken". ;-) Ich habe ihm und seinem Sohnemann auch etwas geschenkt.
    Stellt sich nun die Frage, warum ich hier bin. Ganz einfach. Ich habe in meinem Leben schon einen Menschen vor meinen Augen sterben sehen. Und von daher kann ich mir zumindest annähernd vorstellen, wie es ihm gehen muss. Aber ich kann mir eben auch vorstellen, dass ich an seiner Stelle noch nicht so weit wäre. Und dass er es noch nicht wirklich ist, zeigt sich ja in Ansätzen. Ich liebe jede Minute mit ihm und wünsche mir so sehr, dass alles gut wird. Mir blutet das Herz, wenn ich mir vorstelle, wieviel Trauer er in sich tragen muss. Daher versuche ich, für ihn da zu sein, ein offenes Ohr zu haben und natürlich offene Arme. Er nimmt dies auch sehr dankbar an. Ich habe aber immer wieder Angst, dass ich ihn vielleicht überfordere oder unbemerkt dränge. Und es ist auch nicht so leicht, unentwegt Rücksicht zu nehmen, wenn man hin und wieder eigentlich selbst mal jemanden braucht, der einen in den Arm nimmt. Wobei er für mich da ist, wenn ich mal ein Tief habe. Also es ist nicht so, dass er nur sich sehen würde. Ich bin eher diejenige, die sich innerlich furchtbar fühlt, weil mir meine Sorgen im Vergleich zu ihm wie Lapalien vorkommen und ich ihn unnötig belaste. Ich möchte ihm die Zeit geben, die er braucht. Und ich würde mich freuen, wenn es hier vielleicht jemanden gibt, der mich dabei mental unterstützen kann. Denn ich denke, dass viele von euch, die ebenfalls jemanden verloren haben, ihn noch viel besser verstehen als ich es je könnte. Und manchmal braucht man einen anderen Blickwinkel. Ich danke schonmal vorab für hoffentlich viele Sichtweisen, die meinen Horizont erweitern. :-)

Beitrag von ekieh (196 Beiträge) am Dienstag, 27.Dezember.2011, 22:15.

  Re: Die Liebe danach ...

    Liebe AJ1841,
    Du hast Dir alles, was Dich bedrückt, von der Seele geschrieben. Ich schreibe Dir eine Nachricht in dein Postfach.
    Liebe Grüße
    Heike

Beitrag von AJ18146 (3 Beiträge) am Dienstag, 27.Dezember.2011, 22:21.

  Re: Die Liebe danach ...

    Liebe Heike,

    ich bin gespannt und freue mich schon. :-)

    LG
    Anja

Beitrag von WBaer (147 Beiträge) am Montag, 2.Januar.2012, 21:22.

  Re: Die Liebe danach ...

    Liebe AJ18146,

    ich finde es gut, dass du dich hier angemeldet hast und wie ich lese, machst du dir sehr viele Gedanken um deinen Freund und dieser sich auch um dich. Ihr geht sehr vorsichtig und miteinander um.

    Ich denke, das sind die besten Voraussetzungen, es zu "probieren". Nur, ich würde sagen: geht es ganz langsam an. Dein Freund hat sicherlich noch viel Trauerarbeit zu bewältigen. Mit Liebe und Verständnis kannst du ihn dabei unterstützen, ohne dich selber zu verraten. Ganz sicher wird es nicht leicht. Weder für dich noch für ihn. Etliche Stolpersteine werden noch auf eurem Weg herum liegen. Ihr braucht Beide sehr viel Mut. Ich glaube, den habt ihr.

    Drück euch die Daumen, Helmut


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