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SCK (21 Beiträge) am Samstag, 6.August.2005, 10:17.
Leben ohne Leander
Zum LiteraturvorschlagDas Buch, auf das ich übrigens durch die schöne Literaturliste hier aufmerksam geworden bin, hat mich tief bewegt. Mit poetischer Präszision beschreibt Michaela Seul die Schrecken und Schmerzen der Trauer. Dabei ist das Buch erfrischend tabulos (bleibt aber immer diskret und einfühlsam). Die Geschichte spielt in im künstlerisch-intellektuellen Milieu um München in den ausgehenden 90er-Jahren. Bestimmte bürgerliche Konventionen (z.B. Trauerjahr) fallen da schon mal unter den Tisch. Das macht natürlich das Weh um den Geliebten nicht geringer! Die Protagonistin ist jung, begabt und erfolgreich, der große Verlust ist ein Schock. Sie besitzt aber nicht nur eine intellektuelle, sondern auch eine große emotionale und soziale Kompetenz. Auch in der schlimmsten Zeit bleibt sie beziehungs- und kontaktfähig und am Leben um sie herum interessiert. Das macht das Buch besonders lesenswert. Denn es zeigt in der Trauer immer auch Lebensbejahung und Lebenswillen. Es demonstriert, wie große Fähigkeiten im Kontakt mit anderen Menschen dazu beitragen können, dass das Leben nach dem schrecklichen Tod nicht nur negativ weitergeht.
Kann man emotionale Kompetenz lernen? Michaela Seul deutet an, dass große Trauer um einen geliebten Menschen zur emotionalen Reifung befähigen kann, zu einer Verbesserung der Beziehungen zu anderen und zu sich selbst.
Interessant find ich auch die Erfahrungen mit dem Verstorbenen. Immer wieder erlebt Leila, wie Leander zu ihr Kontakt aufnimmt. Durch gemeinsam vertraute Haushaltsgegenstände scheint er mit ihr zu sprechen. Menschen, die ihr helfen, scheint er ihr gesandt zu haben. Solche Erfahrungen kann ich teilen. Insbesondere aber die, durch den Partner eine glückliche, stärkende Liebe erfahren zu haben, die nicht mit dem Partner stirbt, sondern weiterlebt.
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