DIE LIEBE IST GRÖSSER ALS DER TOD

 AlexMein Name ist Alexandra. Ich bin am 18.06.1965
in Schlesien geboren.
Ich bin eine ausgebildete Musikerin und versuche den Menschen mit meiner Musik ein wenig Glück zu schenken.



Bis zum 05.03.2010 war ich einer der glücklichsten Menschen auf dieser Welt.
Ich hatte einen wunderbaren Ehemann, die Kinder einen sehr guten, lieben Papa.
Wir waren gesund, glücklich und zufrieden.

Mein Mann war zwar im Krankenhaus, er ist an der Hauptschlagader am Hals operiert worden, da die Vene verstopft war.
Er hat die OP super überstanden, nach 1 Tag auf der Intensivstation ist er aufgestanden, rumgelaufen und war froh, daß die Gefahr beseitigt war.

Wir haben Zukunfspläne geschmiedet, haben uns auf den Montag so sehr gefreut.
Mein Schatz sollte nach Hause kommen...

Dann kam am 06.03.2010 um 07:30 der Anruf aus der Klinik:
MASSIVE HIRNBLUTUNG

Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe,das Krankenhaus unfallfrei zu erreichen.

Dann kam die Hiobsbotschaft: Die Ärzte konnten für meinen Schatz nichts mehr tun.
Der beginnende Hirntod war eingetroffen.
Es war inzwischen 09:00 als ich erfahren habe, dass mein geliebter Mann noch am selben Tag sterben wird.

Er lag da so friedlich, so als wenn er schlafen würde.
Auch diese furchtbaren Geräusche der Herz-Lungen-Maschine waren für mich nicht bedrohlich, weil ich mir so sicher war, dass mein Schatz gleich aufwachen wird und es wird alles wieder gut.
Ich fühlte mich, als wenn ich in einem billigen Film die Hauptrolle übernommen habe.
Es war ein Albtraum.
Dann kam eine Schwester, die mich fragte, ob sie einen Priester verständigen sollte.
Und schon wieder habe ich mich an einen Strohalm geklammert:
Ja, wenn der Priester gleich kommt und wir zusammen beten, dann wird mein Schatz wieder gesund…

Ich habe Lothar angefleht zu kämpfen, habe ihm verboten zu sterben,
wollte ihn so sehr bei mir behalten.

Und er hat gekämpft.

Als sein Herz immer schwächer wurde – ich konnte auf den Monitor mitverfolgen,
dass die Zahlen immer kleiner wurden, da ist mir klar geworden,
dass ich meinen Schatz gehen lassen muss.

Inzwischen war der 07.03.2010

Es war gegen 04:00 als ich meinen geliebten Mann in den Arm genommen habe
und ihm das letzte Mal meine unendlich tiefe Liebe zu ihm gestanden habe.
Nachdem ich Lothar versprochen habe mich um die Kinder, Familie zu kümmern –
Starb er um 04:15 in meinem Arm.

Nur jemand, der ähnliches erlebt, weiß wie es ist einen geliebten Menschen zu verlieren.

Ich hatte das Gefühl verrückt zu werden.

Ich durfte noch bis 11:00 mit meinem Schatz zusammen bleiben.
Er wurde immer kälter und mein Körper schaffte es immer weniger
die Wärme für uns beide zu produzieren.

Ich konnte und wollte nicht, mich von meinem Schatz zu trennen…
Dann kam der Moment, wo er die Intensivstation verlassen musste…

Ich habe meinen Schatz bis in den Keller bringen dürfen, bis zu der letzten Tür…da durfte ich nicht weiter reingehen… musste zurückbleiben…

Ich konnte nicht sofort nach Hause fahren.
Es war auch kein richtiges Zuhause mehr.
Ich hatte plötzlich das Bedürfnis zur Kirche zu fahren.

Endlich konnte ich weinen.
Habe an dem Tag mit Gott gehadert.
Immer wieder gefragt: WARUM WIR???
Es trifft doch immer nur die anderen…

Ich musste plötzlich lernen mit dem Schmerz
und der Ohnmacht zu leben.
Mir war klar, dass ich durch die Phase des Abschiednehmens hindurch muss,
um einigermaßen zu funktionieren.

Zur Zeit erlebe ich ein Wechselbad der Gefühle:

Eine tiefe Verzweiflung, der Schmerz scheint unerträglich zu werden. Es wird nicht weniger, sondern vertieft sich immer mehr…

Ich habe plötzlich Angst vor der Zukunft.
Es ist alles grau.
Bin wütend und gleichzeitig traurig,
wenn ich andere Paare sehe.


Meine Gedanken beschäftigen sich ständig damit, dass ich nie wieder irgendetwas mit meinem geliebten Schatz unternehmen werde.
Nie wieder kann ich mit ihm reden, lachen,
ihn küssen, nie wieder seine Nähe spüren…

Alles was bleibt sind Erinnerungen
an eine wunderschöne, gemeinsame Zeit der Liebe.

So lange ich lebe, wird Lothar in meinem Herzen weiterleben



letzte Änderung: 27.05.2010, 15:54
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