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Mein neues Lebensmotto:
Das Leben Das Leben ist einfach das Leben. Der einzige Grund dafür, dass das Leben sich scheinbar gegen dich richtet, ist DEIN Denken über das Leben. Und dieses Denken verändert deine Wirklichkeit.
Ich bin Jahrgang 1965 und seit dem 17.März 2002 verwitwet und habe ein Zwillingspärchen: Anna und Thomas, geboren am 25.04.1998.
Seit dem Tod meines Mannes habe ich ein neues Selbstwertgefühl erlangt. Eine positive Entwicklung in dieser schweren Zeit, die mir ermöglicht, besser mit meinen 'neuen' Problemen zurechtzukommen . Jeder Abschied bewirkt neue Möglichkeiten. Man muss nur offen dafür sein und sie zulassen.
NRZ Essen - Lokalausgabe vom 23.01.2003 zur Gründung der Essener Ortsgruppe
Noch fehlt ein neuer Sinn im Leben
SELBSTHILFE / Jutta Vehling, Mutter von Zwillingen, ist Witwe mit 38. Die Frau mit Sonderstellung sucht Gleichgesinnte.
Jutta Vehling, Familienstand: verwitwet. Für die Versicherung, die ihr im vergangenen Jahr eine Rechtsschutz-Police zuschickte, war dies Indiz genug, sie in den Seniorentarif einzustufen. "Wie bitte? Ich bin Jahrgang 65", rechnete Jutta Vehling dem Unternehmen vor. Ihre Kinder, die fast fünfjährigen Zwillinge Thomas und Anna, waren nicht mitversichert.
Witwe mit 38 Jahren. Jutta Vehling wird ihre "Sonderstellung", wie sie es ausdrückt, auch in dieser Form bewusst gemacht. "Man wird mit großen Augen angeguckt." Frauen und Männer verwitwen doch erst im Alter, wenn die Kinder aus dem Haus sind, lautet die landläufige Vorstellung.
Faustgroßer Tumor in der Lunge
Die 38-Jährige passt nicht in dieses Muster. Durch das Verwitwetsein fühlt sie sich auch keineswegs älter als sie ist. "Es hat mich reifer gemacht." Seit damals. Anfang 2002 kam ihr Mann, Peter Vehling, den zuvor schon starke Kopfschmerzen geplagt hatten, wegen Persönlichkeitsstörungen ins Krankenhaus. Eine Computer-Tomographie brachte am 7. Januar die grausame Gewissheit: In seiner Lunge wucherte ein bereits faustgroßer Tumor, im Gehirn hatten sich Metastasen gebildet. Diese Diagnose ließ nur eine lebensverlängernde und schmerzlindernde Behandlung zu. Das Ende kam ganz schnell, nur rund zwei Monate später. Der studierte Grafik-Designer Peter Vehling starb 46-jährig am 17. März 2002.
Für Jutta Vehling war der 7. Januar, an dem der Krebs festgestellt wurde, "der schwärzeste Tag in meinem Leben". Schon seit 1994, als ihr stark rauchender Mann einen schweren Herzinfakt erlitt, habe sie um dessen Gesundheit gebangt. Jahre später dann die hoffnungslose Diagnose, "das war fürchterlich". Die Vorstellung vom langen, elenden und schließlich erfolglosen Kampf gegen den Lungenkrebs, den andere in ihrer Umgebung bereits geführt hatten, war für sie unerträglich. Deshalb empfand sie den Todestag ihres Mannes als "Erlösung", was vielleicht nur Menschen verstehen, die selbst Krebskranke bis zum Ende betreut und begleitet haben.
Als nach der Diagnose klar war, dass Jutta Vehling "ein wichtiges Stück meines Lebens" verlieren wird, lähmte sie zunächst Apathie. Fragen stürmten auf sie ein: Wie soll es weitergehen, "ohne Peter, der mich stets in meinem eigenen Licht hat leben lassen"? Wie werden die Zwillinge verkraften, dass Papa irgendwann fort ist und nie mehr zurückkommt?
Jutta Vehling hatte Glück. Noch zu Lebzeiten ihres Mannes und vor allem nach dessen Tod wurde sie aufgefangen - auch von Freunden, Nachbarn, dem Kindergarten-Team, dem Pater im Krankenhaus. Man hörte ihr zu. "Wenn man redet, immer wieder redet, beantwortet man sich selbst viele Fragen."
Was seit dem Tod ihres Mannes besonders schmerzt: "Ich habe noch keine Lebensperspektiven." Aber die junge Witwe setzt nach und nach Prioritäten. Ganz oben stehen die Kinder. Und: "Ich lebe bewusst, viel intensiver und ehrlicher als früher." Sie macht sich dabei nichts vor. "Phasen von extremer Mutlosigkeit und voller neuer Lebensenergie wechseln noch stark." Für eine Rückkehr ins Berufsleben fühlt sich die frühere Mitarbeiterin einer Computerfirma, die nach der Geburt der Zwillinge Hausfrau wurde, "noch nicht gefestigt genug". Sie lebt vorerst weiter von "ein bisschen Witwenrente, ein bisschen Arbeitslosenhilfe und ein bisschen Wohngeld".
Und Jutta Vehling sagts offen: "Irgendwann möchte ich wieder in einer vollständigen Familie leben", also mit neuem Partner. Doch sie lässt den Dingen ihren Lauf. Denn von der weisen Eule in einem Sandmännchenfilm weiß sie: "Das mit den Wünschen ist so schwierig, weil es so einfach ist. Wünsche wollen nicht bedrängt werden, sondern von allein in Erfüllung gehen."
Gruppentreffen Jutta Vehling zählt zu den 35 000 verheirateten Menschen zwischen 20 und 55 Jahren, die pro Jahr in Deutschland ihren Partner durch Tod verlieren, so der bundesweit agierende und im Internet präsente Verein „verwitwet.de“. Viele von ihnen hätten kleine Kinder. Auf die Adresse von www.verwitwet.de stieß Jutta Vehling zufällig beim Surfen. Sie schätzt den Austausch im chat-room bzw. per e-mail mit anderen Betroffenen und will jetzt unter dem Dach des Vereins eine reale Plattform für verwitwete Männer und Frauen und ihre minderjährigen Kinder schaffen. Erstes Treffen der ersten Essener Selbsthilfegruppe dieser Art ist am Sonntag, 26. Januar 2003, 14 Uhr, im Jugendheim St. Anna, Oberdorfstraße 55 in Altendorf.
Susanne Storck
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letzte Änderung: 14.03.2011, 16:40
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