Abschied ist mehr als nur ein Wort....

Tagebuch von Ulrike46

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861 - 06.05.2012Ich bin gefunden worden.....
Über Stay Friends hat mich jetzt eine alte Freundin gefunden. Ich war auch schon lange auf der Suche nach ihr, jetzt haben wir uns gefunden.

Ist das nicht schön? Ich hab Krokodilstränen geweint, so hab ich mich gefreut. Wir bleiben in Kontakt und werden uns auch mal treffen.

Sie wohnt sozusagen umme Ecke und wir haben es nicht gewußt. Geli konnte sich an mein Zimmer über unserem Kino erinnern, wo wir so oft Knäckebrot mit Buko gegessen haben :-)). Es war der Vorführraum, wo mein Vater früher die Filme hat abspielen lassen und als das Kino schließen mußte, habe ich daraus ein Abenteuerzimmer gemacht.

Ich bin gerührt, richtig gerührt.......und fühl mich wie umgerührt :-))).


860 - 01.05.20121. Mai......
Nie wieder wird der 1. Mai ein Feiertag wie viele andere sein. Die Traurigkeit in meinem Herzen bleibt, aber sie bestimmt nicht mehr mein Leben.

Nachher treffen wir uns auf dem Friedhof.....was für ein schlechter Platz, um sich zu treffen :-((.

Wo sind die Jahre geblieben? Ich frage mich, wie es heute wäre, wenn das Leben normal weitergelaufen wäre.

Ein paar Tränen suchen sich den Weg nach außen......es sind Tränen der Sehnsucht nach einem Menschen, der mein Leben war.

Das Leben läuft weiter, anders, nicht unbedingt toll.....Ich hoffe, Rolf schaut von irgendwo auf mich herab und ist zufrieden damit, wie ich das Leben meistere......

Ich liebe ihn so sehr und weiß gleichzeitig, daß es für uns ein nie mehr gibt. Die Traurigkeit wird sich immer wieder einen Weg suchen......sie gehört dazu bis zum Rest des Lebens.....

Ich vermisse dich so.........................

Uli



859 - 28.04.201291 Jahre
91 Jahre ist meine Mutter heute geworden. Was für ein stolzes Alter. Wir waren auswärts essen und haben es uns gut gehen lassen.

Im Seniorenwohnheim ging meine Mutter heute morgen zum Frühstück und als sie reinkam haben alle Happy Birthday gesungen. Eine Kerze stand auf dem Tisch und ein paar Süßigkeiten sollten den Tag versüßen. Sie war darüber ganz gerührt....und wir auch.

Dann habe ich heute noch Post bekommen von einer ehemaligen Mitpatientin. Es geht ihr soweit gut und wir wollen uns einmal treffen und unsere Erfahrungen der letzten Jahre durchsprechen. 16 Wochen war ich damals in der Klinik und Rebecca 8 Wochen. Wir sind durch die Höhen und Tiefen gegangen und haben viel an uns arbeiten müssen, um wieder ein normales Leben zu führen.



858 - 25.04.2012Malerarbeiten
Heute morgen um 7 Uhr ist der Maler gekommen. Er streicht mein Bad neu, daß durch einen Wasserschaden gelitten hat. Einige Wochen sind ins Land gegangen, bis die Decke getrocknet war. Nun verschwinden endlich die häßlichen Wasserflecken.

Meiner Mutter gefällt es ganz gut im Seniorenheim und darüber freuen wir uns alle. Eigentlich haben wir mit mehr Schwierigkeiten gerechnet; umso schöner ist es jetzt anzusehen, wie sie an den Aktivitäten teilnimmt und erste freundschaftliche Kontakte gefunden hat.

Ich versuche, den 1. Mai so lange wie möglich aus meinem Kopf fernzuhalten, aber es gelingt mir nicht. Immer wieder erscheinen die Bilder der letzten Tage vor meinem Auge. Eine Schreckensmeldung jagte die andere. Auf einen Tag voller Hoffnung folgte wieder ein schlimmer Tag. Nachdem Rolf auch noch die Hirnhautentzündung überstanden hatte, dachte ich, jetzt hat er es geschafft. Niemals hätte ich gedacht, daß es noch schlimmer kommen kann.

In all den Jahren haben die schrecklichen Bilder in meinen Kopf nachgelassen. Man lernt damit umzugehen. Trotzdem flammen sie immer wieder auf, wenn sich der Tag X nähert. Erst wenn der 1.5. um 12.05 Uhr rum ist, geht es mir wieder besser. Rolf hatte es mit der 1 und der 5. Er wurde am 5.1.51 geboren, er starb am 1.5. um 12.05 Uhr und die Beerdigung war am 5.5.............Zufall? Ich denke, daß sie einiges zu bedeuten haben, aber ich kenne die Zusammenhänge nicht.

Samstag hat meine Mutter Geburtstag, denn wird sie 91. Was für ein Alter......Wir gehen in ein Restaurant und lassen uns verwöhnen. Es soll ein schöner Tag für sie werden. Heute habe ich Mutter-freien-Tag. Naja, erstmal ist jetzt der Maler hier, was ich danach anstelle, weiß ich noch nicht. Eigentlich will ich wieder walken gehen, aber meine Bandscheiben machen mir schwer zu schaffen. Trotzdem sollte ich das nicht als Ausrede nehmen......Im Ausreden vorbringen bin ich in dieser Hinsicht nämlich gut :-). Also nix da....auf gehts.



857 - 14.04.2012Einfach zuhören.....
Das schöne Wetter macht mich wieder schwermütig. Eigentlich sollte es umgekehrt sein.......

Gestern habe ich mir eine Wohnung angeschaut, aber sie gefiel mir nicht. Also weitersuchen.....

Jedes Jahr kostet mich Kraft, wenn ich aufs Datum schaue. Damals war auch so schönes Wetter, aber wir konnten es nicht genießen. Die Besuche auf der Intensivstation waren hart, weil ich nie wußte, wie sein Tag bis dahin war. Manchmal war er ansprechbar, aber redete wirres Zeug.....Er erkannte nicht mehr jeden.....mich jedoch immer und das war ein gutes Gefühl.

Jetzt, nach so vielen Jahren, lebe ich das Leben, wie ich es nie leben wollte. Das Wort alleine ist furchtbar und ist kaum zu beschreiben. Nach außen hin versuche ich stark rüberzukommen, damit sich die Kinder und meine Familie keine Sorgen machen müssen. Sie haben genug mit mir mitgemacht.

Es gibt auch schöne Zeiten. Ja, die genieße ich. Hier habe ich Freunde gefunden, mit denen ich mich austauschen kann. Manchmal telefonieren wir lange, so lange, bis uns die Ohren weh tun :-).

Ich versuche, positiv weiterzudenken und nicht die grauen Gedanken aufkommen zu lassen. Vielleicht ist es meine Berufung alleine weiterzuleben..........oh Gott, tue mir das nicht an. Ich werde schon von alleine alt und grau, aber mit einem Partner an der Seite wäre vieles einfacher.

Sicherlich erschreckt es mich manchmal, wenn ich bei anderen lese, die einen Partner gefunden haben. In ihren Gedanken spielt der verlorene Partner immer noch eine große Rolle. Sie haben nicht wirklich losgelassen......aber sie bemühen sich, das neue Leben so gut wie es geht zu meistern.

Wenn ich einmal dem Prinz auf dem weißen Pferd begegne, lasse ich Raketen steigen, schmeiße Konfetti in die Luft und tanze auf einem Bein um den Tisch.....natürlich rückwärts, das bringt Glück :-)....Ich hatte beschlossen, daß dieses Jahr mein Jahr wird, wo sich vieles ändert. Vielleicht klappt es mit einer anderen Wohnung oder mit einem Prinzen.....obwohl ich dann vor der Türe einen Balken anbringen muß, damit er das Pferd festbinden kann :-)......

Jetzt geht es mir wieder besser. Die Gedanken liegen vor mir und es scheint doch nicht alles so aussichtslos, wie es sich vorhin angehört hat. Ich danke euch fürs zuhören......



856 - 28.03.2012Es wird besser....
So langsam kehrt Normalität ein. Meine Mutter gefällt es soweit ganz gut im Seniorenheim. Natürlich hat sie hier und da noch was zu meckern, aber das gehört wohl zur Eingewöhnphase. Diese Woche haben wir damit angefangen, daß ich mich mit meiner Schwester abwechsel, einen Tag geht sie hin, einen ein und Freitag gehen wir wieder wie immer alle drei zusammen essen.

Ihre Brandwunde ist gut verheilt und man kann sie sich ansehen, ohne direkt in Ohnmacht zu fallen. Meine Mutter ist so tapfer gewesen, dafür ziehe ich meinen Hut vor ihr.

Heute waren wir beide beim Frisör. Das klappte auch gut. Die Platzwunden am Hinterkopf sind noch empfindlich, aber es hat geklappt und die Haare sind ab :-).

Jetzt muß ich versuchen, die freie Zeit zu nutzen. Ich würde wieder gerne walken gehen und habe schon im Internet recherchiert, welche Vereine sowas anbieten. Wenn ich wieder einen Gruppenzwang habe, dann gehe ich auch walken. Bisher hatte ich immer eine Ausrede...zu kalt, zu warm, zu naß, zu trocken :-)....zu windig. Körperlich bin ich ganz ausgelaugt von den letzten Monaten, wo meine Mutter in Krankenhaus war. Leider bin ich ein Frustesser und stopfe dann alles in mich hinein. Besser wäre es, ich wäre so dick wie eine Stricknadel. Dann würden mich alle bemuttern; in der Eisdiele würde man wohlwollend zu mir herüber schauen. Seit Rolf tot ist, habe ich jedes Jahr zugenommen. Abnehmversuche scheiterten daran, daß ich nicht konsequent genug war. Nun starte ich voller Zuversicht in Zukunft. Ich will es ändern und habe beschlossen, daß jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Gestern war ich auf dem Friedhof. Ich finde Rolf da nicht mehr. Das Grab, es scheint verlassen.....Rolf Stimme....ich weiß nicht mehr wie sie war....es macht mich traurig. Aber es gibt die Videos, da höre ich ihn und sofort ist seine Stimme wieder vertraut......



855 - 11.03.2012Es geht aufwärts
Endlich ist meine Mutter wieder im Seniorenheim. Jetzt muß sie sich eingewöhnen und das braucht seine Zeit. Aber es gefällt ihr dort gut, zum Erstaunen von uns allen. Sicherlich wird die eine oder andere Hürde noch zu nehmen sein, aber der erste positive Eindruck zählt.

Die zweite Kopfplatzwunde ist nun auch am heilen; die Brandwunde sieht noch furchtbar aus, aber die eigene Haut ist gut angewachsen. Der Hausarzt war auch schon im Heim und hat die große Brandwunde fotografiert. Das hat er auch nicht alle Tage in seiner Praxis.

In den letzten Wochen hat sie viel abgenommen und wir hoffen, daß sie jetzt wieder zunimmt und zu Kräften kommt. Die Pfleger im Altenheim finden meine Mutter und ihren Humor süüüß :-) und sie wundern sich über ihr Computergedächtnis.

Meine Schwestern und ich sind völlig erschöpft von den vielen Wochen, die hinter uns liegen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es ist, einen normalen Tagesablauf zu leben......aber wir sind voller Hoffnung, daß jetzt Ruhe einkehrt und meine Mutter die neue Umgebung gut annimmt.

Nichts ist mehr wie es war, alles verändert sich wieder. Es ist ein komisches Gefühl, die Wohnung aufzulösen. Schön ist es, daß schon zwei Interessenten für die Wohnung da sind. Die Wohnung liegt in schöner Lage direkt am Wald und zentral zu allen Geschäften. Hier braucht man nicht lange nach Interessenten zu suchen, hier geht alles von einem Ohr zum anderen.

Wenn ich irgendwann einmal wieder auf Rügen in meine kleine Kirche gehe, dann werde ich Kerzen anzünden, so wie ich es immer gemacht habe. Aber jetzt kommt eine Kerze hinzu. Dafür, daß meine Mutter wieder auf die Beine kommt.

Ich höre wieder Musik, die mich zum Weinen bringt. Der Druck ist im Moment so groß, daß ich wieder stark bin wie ein Stier und gleichzeitig so empfindlich wie ein Schnmetterling bin. Ich hadere mit Gott und gleichzeitig glaube ich an das Gute. Meine Bewunderung gilt allen, die niemals Zweifel an ihren Glauben haben.



854 - 06.03.2012Erneuter Sturz.....................
Es ist unfaßbar.....Das Altenheim rief heute morgen an, daß meine Mutter im Bad gestürzt ist und jetzt mit einer Platzwunde und Schmerzen an der Wirbelsäule ins Krankenhaus gefahren wurde.

Bei uns allen liegen die Nerven blank. Eigentlich dachten wir, jetzt beginnt eine ruhigere Zeit, statt dessen geht der Streß weiter. Wir hoffen nun, daß sie sich von diesem Sturz schnell erholt....

Es ist schwer, positiv nach vorne zu sehen, weil immer was neues hinzu kommt.

Die Schutzengel haben ihren Dienst eingestellt und Gott schaute wieder weg......Wie wird es weitergehen????



853 - 05.03.2012Endlich......
Heute, nach 5 Wochen und 2 Tagen, ist meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Brandwunde sieht ganz gut aus und jetzt muß sie nur noch weiter heilen.

Am Morgen bin ich dem Krankentransporter gefolgt, der meine Mutter in das Seniorenheim brachte. Der erste Eindruck von meiner Mutter war sehr positiv. Ihr gefiel das große Zimmer mit den eigenen Möbeln und anschließend sind wir ein kleines Stückchen gelaufen. Wir haben das schöne Wohnzimmer besichtigt und unten in der Cafeteria einen Kaffee geschlürft.

Noch ist sie sehr schwach auf den Beinen, aber das wird wieder kommen, wenn sie jeden Tag ein Stückchen mehr läuft.

Natürlich war sie auch manchmal traurig, daß sie nicht mehr in ihr Zuhause zurückkehren kann, aber es siegte die Vernunft, daß sie nicht mehr alleine daheim bleiben kann.

Erste Kontakte hat sie heute auch geknüpft. Das fällt ihr immer leicht, weil sie auf die Leute zugeht. Es ist nur schade, daß sie nur noch eine Sehkraft von 20 % hat. Sie kann keine Gesichter mehr erkennen, aber dafür hat sie ein gutes Gehör.

Jetzt, wo ich zu Hause bin, fällt ein dicker Felsbrocken von meinen Schultern. Der Einzug hat sehr gut geklappt und für alles andere braucht man Zeit.

Ich fühle mich jetzt tonnenschwer und gleichzeitig erleichtert. Die Angst ist nicht mehr im Nacken, wenn sie alleine zu Hause wäre. Nochmals 14 Stunden in der Küche liegen will meine Mutter nicht mehr.....

Noch liegen die Eingewöhnungstage vor uns und es wird sicherlich nicht einfach sein an jedem Tag. Aber noch fehlen auch die Bilder an der Wand. Sie soll selbst entscheiden, wo sie aufgehängt werden.

Mein Vater und Rolf haben schon ihren Ehrenplatz gefunden. Ich werde diese Woche noch zum Friedhof fahren und sicher viele Tränen weinen....Tränen der Erleichterung. Noch sitzt alles fest wie ein Kloß.....dieser Streßkloß muß weichen, damit der Kopf wieder für andere Dinge frei ist.


852 - 27.02.2012Gute Nachrichten
Es gibt gute Nachrichten. Nach vier Wochen in der Unfallklinik ist die zweite Hauttransplantation bei meiner Mutter geglückt. Heute war kein Verband mehr auf der Wunde und nun kann man das ganze Ausmaß sehen, was die Heizung angerichtet hat. Aber wenn es nun heilt, ist das schlimmste überstanden. Heute durfte sie das erste Mal aufstehen und mit ihrem Rollator die Toilette aufsuchen. Sie meinte, sie hätte noch nie so schön auf dem Thron gesessen wie heute :-))))....Den Humor hat meine Mutter behalten und alles andere wird sich auch finden. Wenn sie sich erstmal in dem Seniorenheim eingelebt hat, wird sie sicher wieder mehr lustige Sachen von sich geben :-).

Morgen packe ich sie in den Rollstuhl und suche mit ihr die Cafeteria auf, damit sie mal was anderes sieht, als ihr Krankenzimmer.

Diese Woche werden wir auch noch ihr Zimmer im Seniorenheim wohnlich gestalten. Bilder aufhängen und solche Sachen, die man macht, werden ein wohnliches Umfeld gestalten.

Es ist ein großer Schritt für meine Mutter, aber sie hat von selber den Wunsch geäußert, nunmehr mit 90 Jahren in ein Seniorenheim umzuziehen. Es geht nicht mehr alleine zu Hause und die unglücklchen Umstände ihres Sturzes mit der großen Verbrennung am Bein haben sie überzeugt den neuen Schritt zu gehen.

Für uns ist es ein eigenartiges Gefühl, die Wohnung aufzulösen. Das geht jedem so, der so etwas einmal machen mußte.

Ich danke euch für die Einträge im Gästebuch, danke, daß ihr mich schon 4 Wochen begleitet und Mut gemacht habt.



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