Abschied ist mehr als nur ein Wort....

Was schreibe ich jetzt über mich?

Ich wurde am 14. Oktober 1957 in Duisburg geboren; meinen Rolf lernte ich 1973 kennen und lieben. 1978 haben wir geheiratet und als 1980 unser Sohn Christian und 1984 unsere Tochter Jessica zur Welt kamen, war unser Glück perfekt.

Ich war 42 Jahre alt, als Rolf starb. Am meisten haben mich die Sätze genervt....du bist ja noch jung, sicher wirst du wieder jemanden kennenlernen.......oh manno, solche Sätze am Anfang sind so schlimm, bringen fast das Herz zum Stillstand. Dennoch hab ich immer Verständnis für die Leute gehabt, sie wollten halt irgend etwas sagen, um Trost zu spenden. Das ist besser, als wenn sie nichts sagen und einen meiden.....

Ich habe viele Jahre in einer Rechtsanwalts- und Notariatskanzlei gearbeitet. Alle Anwälte kannten meinen Mann seit vielen Jahren und haben fassungslos dagestanden, als die Nachricht von seinem Tod bekannt wurde. Niemand hat damit gerechnet.... In den ersten Jahren wurde mir viel Verständnis für manche traurige Tage entgegengebracht und dafür bin ich sehr dankbar, denn ich glaube, daß es nicht überall selbstverständlich ist.

Viel Hilfe habe ich über unseren Verein für Deutsche Schäferhunde - Ortsgruppe Duisburg-Wedau - erhalten. Während der schweren Zeit im Krankenhaus wurde ich im Verein "aufgefangen"; als der Tod Rolfs Leben beendete, war es mir ein Anliegen, die sogenannte Raue nach der Beerdigung im Verein abzuhalten und es wurde sofort von einigen Mitgliedern des Vereins alles organisiert. Ich brauchte mich um nichts kümmern....diese Hilfe ist einfach unbeschreiblich gewesen. Unser Vorsitzender kam nach einiger Überlegung auch meinem Wunsch nach, am Grab noch ein paar persönliche Worte über Rolf zu sagen....Es fiel ihm nicht leicht und ich bin ihm so dankbar, daß es es geschafft hat. Niemand kann nachfühlen, wie viel solche Worte bedeuten, wie das Herz sie aufnimmt. Das Wort d a n k e ist manchmal zu klein für alle Hilfe, die die Vereinsmitglieder mir haben zuteil werden lassen. Beim Umzug von Mülheim nach Duisburg und beim vorherigen Renovieren der neuen Wohnung waren so viele fleißige Helfer vor Ort, ohne die ich das alles gar nicht geschafft hätte. Diese Menschen werde ich niemals vergessen und sie immer in meinem Herzen tragen, auch wenn ich heute nicht mehr im Verein bin. Es sind Menschen mit viel Herz.........

Eigentlich bin ich ein lebensfroher und lustiger Mensch. Anfangs fiel es mir schwer zugegeben, daß ich auch mal eine Schulter zum Ausweinen brauche..... Ich mußte lernen, daß man auch mal schwach sein darf...

Erstaunt hat mich an manchem Chatabend, wie groß meine "Schublade" doch war, wo ich all die Gedanken reingepackt hatte, über die ich all die Jahre nicht wirklich hatte nachdenken wollen. Viele Tränen sind dann geflossen und so nach und nach wurde meine Schublade leerer. Meine Freunde von der HP haben dazu beigetragen und bis heute habe ich mit vielen noch einen regen Kontakt.

In der Zeit, seit ich die Seite von verwitwet.de gefunden habe, hat sich dann vieles ereignet, was mir manches Mal den Boden unter den Füßen wegzureißen drohte. Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich für so etwas eine Ader habe. Es begannen gesundheitliche Probleme, die sich schwieriger gestalteten, als sie anfangs aussahen. Die vielen Mails von dieser HP, die Gespräche bei den Treffen, die Telefonate und persönliche Treffen haben mir oft über die Zeit geholfen, wo ich einfach nur noch "unten" war. Es gibt immer einen Weg.......man muß ihn nur suchen.....aber manchmal ist es doch ganz schön schwer, ihn zu finden.

Im Januar 2005 lernte ich dann wieder jemanden kennen, nach 4 Jahren und 8 Monaten. Auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub im Mai 2005 haben wir uns richtig gefreut. Ein paar Tage verbrachten wir im Allgäu und dann ging es weiter zu unserem Ferienziel in der Nähe von Meran in Südtirol. Was für eine grandiose Landschaft.... Nachmittags haben wir uns den Ort angesehen und einen herrlichen Blick auf Meran genossen. Danach fehlt mir für drei Stunden jegliche Erinnerung......... Ich hörte wohl Hubschraubergeräusche, konnte sie aber nicht zuordnen; daß sie mir galten habe ich erst später erfahren. Ich erlitt zum ersten Mal einen epileptischen Anfall......tja, so endete unser Urlaub etwas anders als geplant..... Seither habe ich anscheinend ein "Ticket" bei der Vergabe von verschiedenen Krankheiten und kämpfe mich so durch das Leben. Manchmal wünsche ich mir, es wäre nicht meine Geschichte, die ich erzähle, sondern die von jemand anderen..... Aber jeder trägt wohl einen Koffer Probleme im Leben mit sich, der eine in einer kleinen Reisetasche, der andere in einem großen Koffer.....Die Partnerschaft hat den Problemen nicht standgehalten, aber es ist eine schöne Freundschaft geblieben.

Viele Wege in der Trauerarbeit haben in eine Sackgasse geführt und es kostete jedesmal Kraft umzukehren und sich auf die Suche nach einem anderen Weg zu machen. Wohin er genau führen wird, weiß niemand vorher...

Am 2. September 2007 habe ich versucht, mein Leben zu beenden........Viele Krankheiten und andere "Kleinigkeiten" von Problemen haben sich zu einem riesigen Berg aufgetürmt, der mich verzweifeln ließ. Ein Tablettenmix führte dazu, daß anfangs nicht klar war, ob ich jemals wieder wach werden würde und wie ich gesundheitlich dastehe. Ich kämpfe mich jetzt wieder zurück ins Leben und es gibt nicht nur schöne, sondern auch sehr viele schwere Zeiten, die ich nun durchstehen muß. Ich glaube aber, daß es sich lohnt.....Ich muß es mir nur oft genug selbst sagen......Denn wozu der lange Kampf, wenn es nicht einen Sinn geben sollte???? Heute habe ich mein Leben wieder im Griff, ich kann wieder lachen, ich kann schöne Augenblicke genießen. Das ist ein tolles Gefühl.

Viele Gedanken schreibe ich nieder, sie sind dann aus dem Kopf raus und machen nicht mehr so viel Angst. "Viel Glück auf deiner Reise" habe ich am Abend nach der Beerdigung geschrieben, wo einfach diese Fassungslosigkeit sich breit machte und das Herz mit aller Gewalt umklammerte.

Rolf war ein wunderbarer, liebevoller Mensch gewesen und sein Platz wird immer in meinem Herzen sein. Ich hoffe, es geht ihm gut, dort in der "anderen" Welt............


Viel Glück auf deiner Reise...

Grau in grau sieht alles um mich herum aus,
es drückt mächtig auf die Stimmung.
Kann keinen Lichtstrahl sehen,
wo liegt der Sinn im weiteren Leben?

Viele Menschen, viele Blumen,
viele Hände, viele Tränen, viele Umarmungen...
sie sind für dich gekommen,
um Abschied zu nehmen....
und ich begreif es immer noch nicht....

Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel,
hüllt mich mit ihrer Wärme ein,
doch ich friere trotzdem....
und ich stell mir die Frage,
wieso scheint die Sonne so schön,
an diesem so furchtbaren Tag?

Ich steh vor dir, kannst du mich noch sehen?
Hörst du, was ich dir noch zu sagen habe?
Ich wünsch dir viel Glück auf deiner Reise,
ich weiß, du wartest am Ziel auf mich,
breite deine Arme aus und halt mich ganz fest,
laß mich dann ja nicht wieder los.....

Ich hab dich so lieb......
ich seh keinen Lichtstrahl....
ich seh keinen Sinn.....
das Herz zerrissen, die Seele schreit.....
und jetzt geht das Leben einfach weiter???

Uli




letzte Änderung: 22.10.2011, 18:35
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