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© 2001 - Robert Scheithe
Trauer


    Praxis - Erwachsene

    Bereiche der Verarbeitung

    Umgang mit der Beerdigung

    Wie im Trance...




    Wie im Trance...

    Die Beerdigung habe ich damals wie in Trance erlebt. Ich hatte für Notfälle- auch schon während der Krankheitszeit meines Mannes - ein stärkeres Beruhigungsmittel, das ich an diesem Morgen einnahm. Irgendwie zog alles wie ein (Alp-) Traum an mir vorbei, doch ich habe funktioniert. Und ich musste für die Kinder stark sein, die ja auch dabei waren. Vielleicht hätte ich es aus diesem Grund auch ohne Medikament geschafft, aber ich hatte Angst vor einem Zusammenbruch, weil ich mich am Ende meiner Kräfte fühlte.

    Die Trauerhalle war voll mit Menschen, die mir zum größten Teil nur schemenhaft in Erinnerung sind. Was ich sehr bewusst wahrnahm, war das laute Schluchzen um mich herum, das von allen Seiten kam - nur ich konnte nicht weinen, fühlte mich irgendwie ganz starr, mein Gesicht war wie eine harte Maske. Meine größere Tochter legte ein Abschiedsbild auf den Sarg, als wir nach vorne gingen. Weil es eine Urnenbestattung war, entschied ich mich spontan dazu, den Raum selbst zu verlassen, weil der Sarg stehen blieb - und handelte auch so, selbst wenn es unüblich war (was ich nicht wahrnahm, jedoch sehr wohl andere Leute, die mich hinterher darauf ansprachen).

    Weil mein Mann sich diese Art der Bestattung gewünscht hatte, die mir - genauso wie jede andere auch - fremd war , musste ich ca. drei Wochen später noch einen schweren Gang machen - bis zur Urnenbeisetzung (bzw. vorher Einäscherung) blieb der Sarg aufgebahrt, aber ich entschied mich dazu, nicht noch einmal hinzugehen. Die Zeit zwischendurch war für mich schlimm, weil ich wusste, dass noch etwas kam.

    Diesen zweiten Tag erlebte ich ganz bewusst (ohne Hilfsmittel). Es waren nur ganz wenige Menschen da - die engsten Angehörigen. Für mich war es ein Schock festzustellen, das vom Körper eines Menschen so wenig übrigbleiben kann! Es war alles so fremd. Meine Kinder habe ich nicht mitgenommen, weil meine ältere Tochter es nicht wollte. Irgendwie habe ich auch diesen Morgen geschafft.

    Als ich nachmittags mit meiner Tochter zu dem kleinen Urnengrab ging, fand ich es zuerst nicht wieder auf dem großen Friedhof. Ich war schon ganz verzweifelt, weil wir regelrecht durch die Gegend irrten. Als wir es gefunden hatten, äußerte meine "Große" zum erstenmal abwehrende Gedanken: "Es muss dem Papa doch ganz weh getan haben, als er verbrannt wurde" - und das, obwohl ich mit ihr öfter über das Sterben, die leibliche Hülle und all das gesprochen hatte. An diesen Punkt hatte ich einfach nicht gedacht, und wäre auch damals damit überfordert gewesen.

    An den folgenden Tagen sprach sie immer wieder davon und ich merkte, dass auch sie starke Probleme mit dem Urnengrab hatte. Schließlich rief ich bei einer Frau an, die bei der Hospizbewegung arbeitet, und die mir vorher schon in zwei Gesprächen geholfen hatte. Sie gab mir den Rat, selbst erst mal etwas Positives an dieser Art von Grab zu suchen. Ich kam auf die Idee, die ich auch jetzt noch befürworte, dass nichts mehr dem Leib etwas anhaben kann, wenn er zu Asche geworden ist - weder Kälte, Hitze, Regen noch sonst irgendetwas. Die Asche ist in der Urne geschützt (natürlich ist es bei einem Sarg nicht anders, aber mir fiel das eben dazu ein). Und diese Gedanken vermittelte ich meiner Tochter, die seitdem besser damit zurechtkam. Um das kleine Grab vor allem für die Kinder als lebhafte und persönliche Erinnerung zu gestalten, ließ ich einige Zeit später auf dem Grabstein ein ovales Bild meines Mannes anbringen (was ja besonders in südlichen Ländern verbreitet, hier allerdings relativ selten zu sehen ist).

    Verfasser ist mir bekannt, möchte aber anonym bleiben.
    Oliver


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