Der letzte Kuss
Meine (damals siebenjährige) Tochter war anfangs blass und weinerlich, und ich hatte das Gefühl, dass sie mit irgendetwas nicht fertig wurde. Zunächst hielt ich sie einfach öfter umarmt, ohne viele Fragen zu stellen. Irgendwann fragte ich dann ganz vorsichtig, was mit ihr los sei. Sie erzählte mir dann, dass sie traurig sei, weil sie ihrem Vater kein Küsschen mehr geben konnte. Sie war dabei, als er starb, klammerte sich danach aber an mich und wollte - wahrscheinlich doch im Schock - Schokolade und bei den Nachbarn spielen - einfach raus aus der Situation und weitermachen.
Als ich vorher meinem verstorbenen Mann ein Küsschen auf die Wange gab, konnte sie es einfach nicht, was ich auch nicht verlangte und worüber ich nicht weiter nachdachte. Aber ihr machte später dieser Punkt zu schaffen, weil sie es wohl doch gern getan hätte, obwohl sie während der Krankheit sehr viel und auch lustig mit ihm zusammen war. Es stimmte mich traurig, dass mein Kind so belastet reagierte und ich wollte ihr helfen. Zwei Tage später hatte ich eine Idee - etwas, womit sie handeln konnte!
Ich ließ sie ihren Wunsch bzw. ihr Problem als Brief formulieren. In einer feierlichen Handlung verbrannten wir dann das Ganze, und ich sagte ihr, dass es so wahrscheinlich als Gedanke bei ihm ankommen würde. Die Asche brachten wir ebenso feierlich zum Friedhof und ließen sie tief in der Erde verschwinden. Seit diesem Zeitpunkt war sie wieder gelöst und befreit von diesem vermeintlichen Problem.
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