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Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 12:21.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo Maria,

    vielen Dank für deine lieben Worte. Sie helfen mir tatsächlich weiter...dass ich nicht aufgebe, daran zu glauben, dass mein Leben irgendwann wieder schön werden kann.
    Wenn man dem Krebs tatsächlich ein bisschen was "positives" abgewinnen kann ist, dass er einem Zeit gibt, die Dinge im Leben zu regeln, über alles zu sprechen und sich voneinander zu verabschieden. damit will ich nicht sagen, dass diese Zeit nicht auch schrecklich ist und unumkehrbar ist,...aber ich würde in meiner aktuellen Situation sicher noch viel mehr leiden, wenn mein (gesunder) Mann einfach von einem auf den anderen Tag nicht mehr da wäre.

    Ich kann das gar nicht so richtig in Worte fassen. Meine/unsere Therapeutin hat einmal zu mir gesagt: viele Paare erleben in ihrer Partnerschaft niemals so ein inniges Verhältnis zueinander wie Sie beide; da Sie wissen, dass Ihre Zeit begrenzt ist.

    Und da ich weiss, dass mein Mann möchte, dass ich weiter lebe, erlaube ich mir jetzt auch einfach mal ab und zu ein kleines Lächeln. Es wird Monate, wahrscheinlich Jahre dauern, bis ich das alles verarbeitet hab. Aber ich glaube, ich kann dann irgendwann auch zulassen, dass jemand neues in mein Leben hinzukommt - ersetzen wird meinen Mann keiner jemals.

    Mein Hausarzt ist ein ganz toller. Zu dem werde ich am Donnerstag wieder gehen. Ich kann noch nicht wieder arbeiten; ich werde dies nach Ostern aber sicher mal versuchen. Ich merke, dass mir ein wenig Ablenkung auch sicher gut tun würde.

    Mit dem Essen: ich zwinge mich dazu - ich habe meinem Mann ja versprochen auf mich aufzupassen....das gehört da auch dazu.

    Ganz liebe Grüße

    Tanja

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Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Montag, 12.März.2018, 16:51.

  Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin ganz neu hier und stelle mich euch einmal kurz vor.
    Ich heiße Tanja, wohne in Bremen und bin vor kurzem 40 Jahre alt geworden.
    Vor noch kürzerem, nämlich vor genau 9 Tagen habe ich meinen geliebten Ehemann an den Krebs verloren. Wir waren 8 Jahre ein Paar, haben keine Kinder.

    Seitdem ist meine Welt stehen geblieben.

    Vor etwas mehr als 3 Jahren bekamen wir die Diagnose "Nierenzellkarzinom". Es folgte eine Zeit von Operationen, verschiedenen Therapien und einem ständigen Wechsel von Hoffen und Bangen.
    Wir haben in der Zeit aber auch viel unternehmen können und es dem Krebs nicht gestattet, unser Lebensmittelpunkt zu sein.

    Im September letzten Jahres wurden wir darüber informiert, dass die Erstlinientherapie nicht mehr wirkt. Die Hoffnung darauf, dass eine Immuntherapie anschlägt habe ich bis 2 Wochen vor seinem Tod nicht aufgegeben...
    Seit Anfang des Jahres habe ich mich rund um die Uhr um meinen Mann gekümmert; ich habe ihm versprochen, dass er nicht im Krankenhaus sterben muss. Die letzten 10 Tage seines Lebens wurden wir von einem ambulanten Palliativdienst betreut. Es war eine schwere Zeit, die ich wohl auch noch lange nicht verarbeitet habe. Die letzten 4 Tage wurde mein Mann in eine Art künstliches Koma versetzt, damit er nicht mehr unter Panik, Angst und Luftnot leiden muss. Diese Phase war die schwerste für mich....denn ich konnte nur noch ab und zu wirklich zu ihm durchdringen. Ihn so hilflos zu sehen, fiel mir schwer, denn als gesunder Mensch war er immer der Typ "Chef"...ein Macher, der immer wusste, was zu tun ist. Am 3.3. ist er für immer eingeschlafen.
    Er hat mir das Geschenk gemacht, dass ich dabei sein durfte. und ich bin glücklich und stolz, mein Versprechen, bis zum Schluss bei hm zu sein, gehalten zu haben.

    Ich habe meinem Mann versprochen, auf mich aufzupassen und weiter zu leben. Das ist wirklich eine schwere Aufgabe für mich gerade. Ich versuch es ja. Ich stehe jeden Tag auf, zieh mich an und mache mir einen Kaffee. Dem Wunsch, einfach den ganzen Tag im Bett zu bleiben, habe ich bisher nicht nachgegeben. Schlafen kann ich eh nicht gut. Ich wache ständig auf, weil ich träume, dass mein Mann etwas braucht. Der Schreck darüber, wie die Realität aussieht, lässt mich danach nicht wieder einschlafen. Mein Haus ist so leer. Die letzten beiden Wochen vor seinem Tod war soviel zu tun. Irgendjemand hat eigentlich immer geklingelt oder wollte was von mir. mit einem Schlag ist es hier ruhig und noch leerer als es vorher jemals war; denn mein Mann ist auch weg. Ich wünsche mir, unter Menschen gehen zu können; aber ich kann es nicht. Ich war Samstag mal kurz im Einkaufscenter, weil ich gedacht hab: das macht man doch...sich ablenken. Aber die Menschen bewegen sich viel zu schnell, sie sind viel zu laut und kamen einfach zu nah an mich ran.

    Eben war ich eine Stunde spazieren...auch weil ich dachte: das macht man doch so um auf andere Gedanken zu kommen. Es war so anstrengend. Dann in ein leeres Zuhause kommen...auch scheisse.


    Ich hoffe sehr, dass sich das schnell etwas ändert, denn so macht das Leben keinen Spass. wüsste auch nicht, wie ich so arbeiten soll. alles fällt so schwer.

    Manchmal schaue ich Fotos an von meinem Mann und mir. Gestern abend hab ich unseren FamilienChat auf whatsapp seit Anfang des Jahres noch einmal nachgelesen. Da war schon viel harter Tobak bei was seine Krankheit betrifft. und trotzdem musste ich bei vielen seiner Posts schmunzeln. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit...auch mit seiner Krankheit. Dafür bin ich dankbar. Aber ich fühle mich um unsere Zukunft betrogen. der Tod ist so endgültig...

    Ich konnte bereits ein paarmal mit einer Seelsorgerin sprechen und habe auch eine Psychotherapeutin, die meine Situation kennt. Dennoch wünsche ich mir den Kontakt zu euch, zu ebenfalls Betroffenen.
    Habe mich heute sehr mit meiner Mutter gestritten. Ich kann ihre Art, mich zu "trösten" gerade nicht ertragen. Ich brauche derzeit von ihr keine Ratschläge, ich möchte nur, dass mir jemand zuhört, mich weinen lässt und mir nicht sagt, dass ich nicht traurig sein soll. manchmal ist gemeinsames Schweigen besser als zuviele Worte.

    So...ganz schön langer Text geworden.

    Ich würde mich freuen, von euch zu lesen.
    Meint ihr, die grauen Wolken werden irgendwann mal aufreissen?

    Liebe Grüße!

    Tanja

Beitrag von Neuseeland (83 Beiträge) am Montag, 12.März.2018, 18:34.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,
    gut dass du den Weg hier ins Forum gefunden hast. Ich bin auch noch nicht so lange dabei aber über manche dunkle finstere Stunden wurde mir hier schon hinweg geholfen. So viele Schicksale, so viele Menschen, denen es gleich ging/geht wie uns.
    Auch ich hatte am Anfang große Probleme einkaufen zu gehen. Es war alles so unwirklich, so surreal, wie in Watte getaucht. Schnelle Menschen, aber so fern, so oberflächlich.
    Auch die Ratschläge kenne ich von einigen Seiten. Nein, wir müssen diese nicht ertragen. Es ist erlaubt STOPP zu sagen. Das hab ich schon ein paar Mal gemacht und hat sehr gut gewirkt. Wenn mir die Äußerungen zu viel sind oder es unerträglich wird über bestimmte Themen zu reden breche ich auch Gespräche ab. Es geht nicht darum anderen jetzt einen Gefallen zu tun, es geht darum, zu sich selbst zu stehen und darauf achten was einem gut tut. Und das hast du sehr gut beschrieben: dass dir jemand zuhört und dass auch geschwiegen werden darf.
    Das leere Haus ist für mich auch immer noch bedrückend. Das Aufstehen, das Heimkommen, das Alleine-essen, die Wochenenden.
    Auch ich muss das Alleinsein lernen, versuche mich zu beschäftigen, das Grübeln tut mir nicht gut.
    Versuche daran zu denken, dass du nicht alleine bist in dieser unfassbar schweren Zeit, so viele von uns hier im Forum gehen diesen Weg und stützen einander. Ich habe es mir immer so vorgestellt, dass das die helfenden Hände und die kleinen Lichter auf diesem Weg sind und irgendwann kommen Sonnenstrahlen durch, da bin ich mir sicher. Bis dahin helfen wir uns gegenseitig. Du bist nicht alleine.
    Neuseeland

Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Montag, 12.März.2018, 20:05.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Neuseeland,

    vielen Dank für deine lieben Worte.
    Ich ziehe meinen Trost aktuell daraus, dass mein Mann sich gewünscht hat, zu sterben und nicht mehr leiden zu müssen. Das Problem dabei ist, dass ich mich dabei tatsächlich ein wenig warm/getröstet ums Herz fühle, obwohl ich denke, dass ich das derzeit nicht fühlen darf...das ist doch auch grotesk oder? Mein Mann würde sich wünschen, dass ich weiter am Leben teilnehme,...auch mal lache und glücklich bin. Und wenn ich dann tatsächlich in unter meinem grauen schweren Umhang mal so etwas wie Erleichterung fühle, meldet sich sofort das schlechte Gewissen. Wusste bis vor kurzem noch gar nicht, dass Gefühle so ambivalent sein können...Lerne gerade sehr viel über mich...die Seelsorgerin hat mich darin bestärkt, mit meiner inneren Stimme in Kontakt zu bleiben und die Dinge zu tun, die sich für mich gut anfühlen. Ich war letzte Woche sogar schon einmal wieder eine Rudne laufen. Ich bin mir sicher, mein Mann hätte mir dazu in meiner Situation schon lange geraten. Ich habe den Lauf genossen und mit den Vögeln (Raben) die mir gefolgt sind gesprochen als wenn sie meinem Mann etwas von mir ausrichten könnten...

    Leider hat mich der plötzliche Abfall meines Dauerstresses krank gemacht. ich liege nun flach mit einer dicken Erkältung und an Laufen ist vorerst nicht zu denken (glaube aber, dass dies für mich ein Weg sein wird, meine Trauer zu be-/verarbeiten.

    Ich fühle mich gerade so heftig allein..und will aber auch nicht unter Menschen sein. Ich merke, dass ich Hunger habe, esse aber nichts. Ich möchte raus gehen und komme nicht vom Sofa hoch. und das schlimmste ist, dass ich jetzt schon das Gefühl habe, dass mein Umfeld nicht monatelang Geduld mit mir haben wird.

    Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr wieder arbeiten gehen konntet?

    In der akuten Sterbensphase meines Mannes hat mich mein Doc krank geschrieben Mein Chef hat darauf reagiert mit den Worten:" ...aber denk dran, wir haben ein Anrecht auf deine Arbeitskraft, denn wir zahlen dein Gehalt"
    Ich bin weiter krank geschrieben aktuell, an konzentriertes Arbeiten ist gerade nicht zu denken. und nach dieser Aussage habe ich auch Angst vor dem, was noch kommt.

    Liebe Grüße an euch <3

    Tanja

Beitrag von Maria1209 (13 Beiträge) am Montag, 12.März.2018, 21:12.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,
    Dein Bericht hat mich tief berührt und ich möchte Dir, ebenso wie die Seelsorgerin, Mut machen, Deiner inneren Stimme zu folgen. Ich spüre trotz allem, was Du berichtest, eine kleine Freude in mir. Da gibt es etwas in Dir, dass Dich am Leben hält. Du spürst die Wärme und den Trost Deines Mannes und konntest Deinen Lauf geniessen. Das ist schön! Wenn Dein schlechtes Gewissen kommt, dann begrüße es und gleichzeitig sage ihm deutlich, dass Du Dir diese kleinen Lichtblicke nicht nehmen lässt.
    Das Dein Chef Dich so unter Druck setzt, ist sehr unmenschlich. Vielleicht kann Dich da Dein Arzt stützen? Du hast viel geleistet und es ist so wichtig, das Du Dich ausruhst und Dinge tust, die Dir helfen, ins Leben zurück zu kommen. Das, was mir Sorge macht ist, dass Du nicht isst. Ich kenne das von mir auch und habe zwei liebe Freundinnen, die um mein Problem wissen. Sie haben mir in den Jahren der Erkrankung meines Mannes und auch nach seinem Tod oft Essen vor meine Haustür gestellt. Könntest Du Deine Mutter da um Unterstüzung bitten oder vielleicht eine Freundin?
    Alle Liebe für Dich
    Maria1209

Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 12:21.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo Maria,

    vielen Dank für deine lieben Worte. Sie helfen mir tatsächlich weiter...dass ich nicht aufgebe, daran zu glauben, dass mein Leben irgendwann wieder schön werden kann.
    Wenn man dem Krebs tatsächlich ein bisschen was "positives" abgewinnen kann ist, dass er einem Zeit gibt, die Dinge im Leben zu regeln, über alles zu sprechen und sich voneinander zu verabschieden. damit will ich nicht sagen, dass diese Zeit nicht auch schrecklich ist und unumkehrbar ist,...aber ich würde in meiner aktuellen Situation sicher noch viel mehr leiden, wenn mein (gesunder) Mann einfach von einem auf den anderen Tag nicht mehr da wäre.

    Ich kann das gar nicht so richtig in Worte fassen. Meine/unsere Therapeutin hat einmal zu mir gesagt: viele Paare erleben in ihrer Partnerschaft niemals so ein inniges Verhältnis zueinander wie Sie beide; da Sie wissen, dass Ihre Zeit begrenzt ist.

    Und da ich weiss, dass mein Mann möchte, dass ich weiter lebe, erlaube ich mir jetzt auch einfach mal ab und zu ein kleines Lächeln. Es wird Monate, wahrscheinlich Jahre dauern, bis ich das alles verarbeitet hab. Aber ich glaube, ich kann dann irgendwann auch zulassen, dass jemand neues in mein Leben hinzukommt - ersetzen wird meinen Mann keiner jemals.

    Mein Hausarzt ist ein ganz toller. Zu dem werde ich am Donnerstag wieder gehen. Ich kann noch nicht wieder arbeiten; ich werde dies nach Ostern aber sicher mal versuchen. Ich merke, dass mir ein wenig Ablenkung auch sicher gut tun würde.

    Mit dem Essen: ich zwinge mich dazu - ich habe meinem Mann ja versprochen auf mich aufzupassen....das gehört da auch dazu.

    Ganz liebe Grüße

    Tanja

Beitrag von vollihh (4 Beiträge) am Montag, 12.März.2018, 21:51.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Guten Abend Tanja,

    das, was Du schreibst, geht mir sehr nah. Weil es vieles antickt, was ich genauso gefühlt habe. Meine Frau ist nach einer knapp einjährigen Leidenszeit im September 2017 gestorben. Ursache war ein Virus im zentralen Nervensystem als Folge einer Nebenwirkung ihres MS-Medikaments. Ihre letzten Wochen hat sie in einem Hospiz verbracht. Und auch sie hatte den Wunsch, sich palliativ sedieren zu lassen.

    Dieses Abschiednehmen, dieses Zum-letzten-Mal-in-die-Augen-gucken, ihre Aufforderung an mich, unbedingt, weiterzuleben, wieder glücklich zu sein – all das hat es auch bei uns gegeben.

    Das ist jetzt fast ein halbes Jahr her. Sind die grauen Wolken inzwischen aufgerissen? Hat sich mein Leben inzwischen wieder halbwegs stabilisiert? Die Antwort lautet Ja. Und Nein. Ich schreib einfach mal ein paar Zeilen, wie es mir ergangen ist. Einfach nur als Schilderung, was alles auf einen zukommen kann und wie sich die Dinge ein halbes Jahr später anfühlen. Vielleicht ist es Dir als Ausblick auf die nächsten Wochen nützlich.

    Diese Ambivalenz der Gefühle, die Du beschreibst, die ist immer noch da. Ich denke jeden Tag an diese harten letzten Wochen im Krankenhaus und im Hospiz. Mal mit Schuldgefühlen, Traurigkeit, auch mit Selbstmitleid. Ein anderes Mal mit Vernunft und dem Eingeständnis, dass ein Leben in diesem Leid für meine Frau keine Option gewesen wäre, Ihr Tod für sie eine Erleichterung war.

    Diese Gefühle wechseln weiterhin munter hin und her. Es gibt nach wie vor jede Menge doofe Tage – es gibt aber inzwischen auch ein ganz paar etwas weniger doofe Tage.

    Was mir geholfen hat: Das Lesen hier im Forum, die vielen unterschiedlichen Leidensgeschichten und Strategien, mit dem Verlust umzugehen. Weil ich dadurch gesehen habe: Ich bin nicht allein. Und weil ich gelesen habe, was trotz allem alles möglich ist. Zu hören, wie jemand vielleicht vier, fünf Jahre nach dem Tod seines Lebensmenschen davon schreibt, dass sein Leben durchaus wieder bunt ist und lebenswert, macht mir Mut, dass sich der Kampf auch für mich lohnen könnte.

    Ich habe mich auch relativ schnell einer Trauergruppe angeschlossen. Weil ich gemerkt habe, wie mir das Reden, aber auch das Zuhören über dieses schreckliche Thema Tod und Verlust hilft.

    Und als letztes habe ich mir auch professionelle Hilfe gesucht. Einfach, damit ein Fachmann aufpasst, dass sich da kein mögliches depressives Krankheitsbild einstellt.

    Das sind so die Säulen, die mein derzeitiges, sehr fragiles Leben tragen. Das Problem trotz all der Ratgeber: Das Gefühl der Einsamkeit, der Leere, das bleibt. Schlimmer noch: Es gibt heute Tage, da spüre ich das weitaus intensiver als vielleicht ein paar Tage nach dem Tod. Mitunter befürchte ich, dass ich erst jetzt, ein halbes Jahr später, erst wirklich fühle und begreife, was für einen Verlust ich erlitten habe. Das ist schlimm und zieht mich runter.

    Aber ich versuche gleichzeitig, mein Versprechen zu halten. Versuche das Leben zu führen, was meine Frau sich von mir gewünscht hat. Ich nehme teil an Veranstaltungen, halte den Kontakt zum Freundeskreis. Das alles fällt nicht leicht. Die Begeisterungsfähigkeit fehlt. Der Antrieb. Die Freude. Und überhaupt: Was soll das für ein Leben sein, an dem sie nicht teilnimmt… Aber am Ende fühle ich mich an mein Versprechen gebunden. Ich denke, dass meine Frau von irgendwo zuschaut. Und ich will sie nicht enttäuschen.

    Insgesamt, und auch das ist eine Erkenntnis aus den langen letzten Monaten: Ich bin egoistischer geworden. Mache weniger Kompromisse. Tue tatsächlich nur noch das, was sich für mich gut anfühlt. Insofern hat Dir Deine Seelsorgerin meiner Meinung nach einen guten Rat gegeben. "Mach immer, was Dein Herz dir sagt" – und wenn es sagt, dass ich traurig auf dem Sofa liegen soll, dann ist das so – und auch richtig so.

    Diesen Egoismus habe ich auch ausgelebt gegenüber dem Arbeitgeber und meinem Umfeld. Ich habe mir erlaubt, zu sagen: Die einzige Person, die jetzt wirklich wichtig ist, bin ich selber." Dein Chef scheint mir ein ziemlicher Idiot zu sein. Ich selber war ein halbes Jahr krank geschrieben. Mein Arbeitgeber war aber auch extrem entgegenkommend, die Kollegen haben sogar Überstunden gespendet. Und by the way: Nach sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber nicht mehr, dann springt die Krankenkasse ein mit Krankengeld. Nur so viel zu dem blöden Zitat…

    Und das Umfeld, tja, da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Menschen, die ich für gute Freunde gehalten habe, lassen nichts von sich hören. Andere, die eher so am Rande als Satelliten um unser Leben gekreist sind, entpuppen sich als echte Stützen. Insgesamt finde ich es aber schon sehr schlimm, dass der Tod meiner Frau für viele kaum mehr als eine Randnotiz ist. Ich spür schon auch, dass manche gerne wieder zu einer Normalität zurückkehren möchten, die es für mich längst noch nicht gibt.

    Zum Alltag: Fotos angucken, WhatsAppChat lesen – all das kenn ich. Es war und ist mir ein riesengroßer Trost. Es gab Tage, da habe ich mich in den Fotos vergraben, habe die Erinnerungen jedes Motivs wieder aufleben lassen. Was auch ganz schön (aber auch schräg ist): Wenn ich draußen im Garten einen Vogel, ein Eichhörnchen oder sonst ein Tier sehe, rede ich mit ihm, als ob sich meine Frau darin verbergen würde: "Na Schatz, guckst Du wieder nach dem Rechten…?" Ist total gaga, ich weiß, aber es tröstet mich.

    Was ich auch kenne: Den Streit mit der Familie. Ich habe mich unglaublich mit meiner Mutter gezankt, weil sie (schon sehr alt) ihrer Trauer nur mit diesen Kalendersprüchen Ausdruck verleihen konnte. "Es wird auch für dich die Sonne wieder scheinen…" Da platzt mir dann immer der Kragen. Und ein paar Minuten später schäme ich mich dafür und entschuldige mich. Sie kann ja nichts dafür…

    Tja, ich fürchte, so richtig Mut machend ist meine Schilderung nicht. Was aber auch daran liegt, dass das eben auch eine richtig große Scheiße ist, durch die wir alle da durch müssen.

    Die Wahrheit ist, fürchte ich: Es wird leider auch nicht unbedingt einfacher, die nächsten Wochen. Schlimm ist vor allem, finde ich, dass man nicht so recht weiß, wofür man eigentlich kämpfen soll. Das Neue zeichnet sich nirgendwo ab, das Alte, das Traurige um so mehr.

    Was soll ich sagen: weiteratmen. Einen Schritt nach dem nächsten tun. Innehalten und gucken, wo man steht. Durchaus auch mal stolz auf sich sein, dass man wieder einen Tag geschafft hat. Das ist so das, was ich in den letzten Monaten erlebt habe.

    Vielleicht kannst Du damit ja was anfangen.

    Viele guten Wünsche von all denen, die Deine Geschichte hier gelesen haben, begleiten Dich.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    Volker



Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 12:57.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo Volker,

    vielen Dank für deine Worte, Sie sprechen mir aus der Seele und treffen mich dort. Das, was du über die letzte Leidenszeit und den letzten Abschnitt des gemeinsamen Wegs schreibst geht mir sehr nah.
    Es ist jetzt Tag 10 "danach".
    Ich kann dir nicht sagen was ich in den 10 Tagen gemacht habe.
    Was ich in den letzten Wochen vor dem Tod meines Mannes gemacht habe, weiss ich allerdings genau und Ich bekomme viele Details davon nicht mehr aus dem Kopf. Dieses stückchenweise Verabschieden von den alltäglichen Dingen: das letzte Mal gemeinsam rad fahren, zum letzten Mal zusammen in den Urlaub fahren, das letzte Mal gemeinsam essen gehen, das letzte Mal ohne Gehhilfen zuhause gehen, das letzte Mal, dass mein Mann Auto fuhr, das letzte Mal zur Immuntherapie ins KH, zum letzten Mal gemeinsam im Bett schlafen, das letzte Mal eine Treppe gehen, duschen, aufstehen, zur Toilette gehen, trinken....mir kommen gerade schon wieder die Tränen.

    Weisst du, mein Mann und ich hatten ein paar Jahre unserer Beziehung komplett an unseren "eigenen Leben" festgehalten. Jeder hat seinen eigenen Haushalt geführt, wir haben uns dann immer bei mir getroffen. Zu merken, dass er diese Form der Beziehung aufgegeben hat, weil er alleine nicht mehr leben konnte/wollte geht mir auch jetzt noch sehr nah. Ich hätte niemals gedacht, dass wir einander mal so nahe kommen, uns so sehr vertrauen würden. Als mich mein Mann bat, nicht im Krankenhaus sterben zu müssen, musste ich das erstmal durchdenken. Ich bin dann eine Runde laufen gegangen und wusste schon auf der Hälfte der Strecke: klar, er bleibt hier bei mir. Mit allen Konsequenzen. Als ich ihm das sagte, hat er mit Tränen in den Augen gesagt: das ist das schönste Geschenk, was ich je bekommen hab.
    Bei dem Gedanken daran bekomme ich gerade Gänsehaut und ich fühl mich ein wenig leicht ums Herz, weil: genau so haben wir das gemacht und ich konnte das durchhalten.

    Wir haben tatsächlich alles geregelt und ich merke gerade, dass das Wissen darum, wie alles organisiert werden soll mir gut tut. Es nimmt viel Last von mir.
    Und trotzdem bin ich unendlich traurig. Mein absoluter Lieblingsmensch ist nicht mehr bei mir und derzeit ist auch mein Lebensmittelpunkt nicht mehr da....ich muss mich neu orientieren. dadurch, dass in letzter Zeit soviel rund um meinen Mann zu tun war, habe ich den Blick für den Rest des Lebens verloren.
    Denke, das Gefühl kennen hier auch alle.

    Aber was hilft es denn? genau wie damals, als wir die Schockdiagnose "Krebs" bekommen haben: es gibt keine Alternative; wir müssen weiter machen. Unser Leben ist noch nicht zuende...auch wenn es sich gerade tatsächlich danach anfühlt.

    liebe & regnerische Grüße aus Bremen

    Tanja

Beitrag von Neuseeland (83 Beiträge) am Mittwoch, 14.März.2018, 21:16.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja, lieber Volker,
    sehe sehr viel von mir in euren Worten. Drei Wochen nach dem Tod meines Mannes bin ich wieder Vollzeit arbeiten gegangen, hab versucht wieder 100% zu geben und mich abzulenken.
    Das Ergebnis ist, dass ich viel zu früh arbeiten gegangen bin, dass niemand Rücksicht genommen hat, dass ich vom Chef nach zwei Monaten angesprochen wurde mit den Worten "Sie sehen ja noch immer ziemlich durchgebeutelt aus und dass mir empfohlen wurde mich doch jetzt an Lebenden und an Geburten zu orientieren anstatt an Tod und Sterben.
    Ich habe trotzdem weiterfunktioniert - bis Mitte Jänner, dann ging es nicht mehr. Seitdem bin ich krank geschrieben. Jetzt versuche ich nicht mehr an meine Kollegen zu denken ob es Ihnen nicht zu viel wird in der Firma und ob sie es schaffen. Hier bin ich eben komplett bei Volker - jetzt muss ich an mich selber denken. Wie lange ich noch zuhause bin weiß ich nicht, im mache mir keinen Kopf drüber. Setze mich nicht mehr unter Druck nur um anderen Menschen einen Gefallen zu tun. Geh nicht zu bald arbeiten, hör auf dich, ich habe es fast zu spät getan.
    Kurier deine Erkältung gut aus und wenn du noch Zeit daheim brauchst dann nimm sie dir.
    Neuseeland

Beitrag von Hollys (23 Beiträge) am Sonntag, 20.Mai.2018, 09:42.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja, lieber volker,

    Ich bin gerade über eure Zeilen gestolpert, und möchte euch erst einnal danken. Viele eurer Worte könnten meine sein. Kurz nach dem Tod meines Mannes musste ich mir Arbeit suchen, da das Amt mir klipp und klar das Messer auf die Brust setzte .... viel zu früh wie ich heute weiss. Mir tickt die Welt immer noch ein bisschen zu schnell, wenngleich man ja unweigerlich mitläuft. Nehmt euch die Zeit die ihr braucht um alles zu verarbeiten. Durch die lange Krankheit meines Mannes sind von den sog. Freunden keine mehr geblieben...... Ich kann sie ja verstehen.....das lange Leid ist eben oft unerträglich und ihr Leben geht natürlich weiter. Meines auch, anders und nicht immer einfach, aber unweigerlich geht es voran. Der Schmerz, dieses tiefe Nichts, diese Dunkelheit, all das wird besser. Die Wolken werden aufreissen. Es wird dauern......die Seele braucht Zeit und viel Liebe. Habt bitte Geduld mit euch. Auch heute noch, nach 7 Jahren ist die Erinnerung ganz frisch, ich kann jederzeit alles abrufen......aber es schmerzt nicht mehr so sehr, und ich kann dankbar sein; hat mich die Zeit doch zu dem gemacht was uch heute bin.

Beitrag von ellimu (26 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 08:51.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,

    ich bin auch noch nicht so lange hier, aber das Lesen hier hilft mir sehr.

    Mein Mann ist auch an Krebs gestorben und wir haben in der Zeit seiner Erkrankung auch viele schöne Momente gehabt. Die Hoffnung auf Heilung hatten wir bis kurz vor Schluss.
    In den letzten Wochen/Monaten waren wir auch sehr intensiv mit der Krankheit und den körperlichen Folgen "beschäftigt". Jetzt wo plötzlich diese Aufgabe wegfällt, ist die Leere um so größer.
    Nach dem Tod war ich noch 5 Wochen krank geschrieben. Mein Arbeitgeber fand das auch nicht toll und hat gedrängelt. Die ersten Tage auf Arbeit waren furchtbar. Auch jetzt noch fällt mir das Arbeiten sehr schwer. Ich bin unkonzentriert und habe keinen Elan. Morgens komme ich kaum aus dem Bett und möchte nicht auf Arbeit und Abends möchte ich am liebsten nicht nach Hause. Es fehlt irgendwie das Lebensziel. Was hat das alles für einen Sinn?
    Leider kann ich dir noch keine guten Ratschläge geben.
    Ich lese hier nur oft, das es irgenwann besser wird. Darauf hoffe ich und ich wünsche es dir und allen Betroffenen von Herzen.

    LG Ellimu

Beitrag von Tanja2202 (6 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 12:32.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hi Ellimu,

    lieben Dank für deine Nachricht.
    Wenn ich deine Worte so lese, habe ich das Gefühl, dass auch ich sie hätte schreiben können. Es spielgelt meine Situation zu 100%

    10 Tage sind mittlerweile vergangen. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wie ich die verbracht/rumgekriegt hab.

    Es tut gut, zu lesen, dass ich mit meiner Situation nicht alleine bin. Zusammen fühlt man sich weniger allein.

    Ganz liebe Grüße aus Bremen

    Tanja

Beitrag von Holzkopf (691 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 15:11.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,
    Du erkennst schon sehr viel nach dieser kurzen Zeit von 9 Tagen!
    Ich kann das nur aus meiner Warte sagen, da ich diese bewusste Organisation des Lebens "danach" und auch dieses damit verbundene Abschiednehmen nicht erlebt habe:
    Das ist ein solcher Schatz, den Du da immer in Deinem Herzen tragen kannst! Auch wenn das natürlich auch mit viel Wehmut verbunden ist, so seid Ihr euch doch sehr, sehr nahe gewesen, wie das nach meiner Ansicht wohl nur im Sterben möglich sein kann.
    Und noch etwas ist so wichtig für Dein zukünftiges Leben: Du weißt Deinen Mann bei Dir, der sich für Dich ein weiteres schönes Leben wünscht.
    Auch das ist etwas, was Dich nun so stützen kann, wie Du ihn gestützt hast.
    Alles gute Dir
    Anke

Beitrag von RehTse (179 Beiträge) am Dienstag, 13.März.2018, 18:48.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,

    Aus deinen Beiträgen wird für mich deutlich, dass du den festen Willen hast, weiterzuleben und die vielen Jahre, die du noch vor dir hast, so gut es geht zu gestalten - mit den Erinnerungen an deinen lieben Mann immer bei dir. Ich finde das nach so kurzer Zeit sehr bemerkenswert. Ich hoffe, du kannst dir diesen Blick bewahren, auch wenn du in einem tiefen Trauertal bist, in dem alles dunkel und sinnlos erscheint.

    Du fragst, ob die dunklen Wolken wieder aufreissen... Ich kann nur für mich antworten, das aber mit einem klaren "ja". Ich bin dir fast auf den Tag genau ein Jahr "voraus". Am 13.3.2017 ist mein Lebensgefährte beigesetzt worden. Und heute, genau ein Jahr später, sitze ich in Frankreich im Snowboard-Urlaub. Ich denke viel an meinen Partner, der mich vor 20 Jahren überhaupt zum Snowboarden gebracht hat. Aber es ist kein schmerzvolles Erinnern, sondern oft mit einem Lächeln verbunden. Und so habe ich hier eine gute Zeit und viel Spaß. Der Urlaub ist anders als früher, aber trotzdem auch gut. Vor einem Jahr hätte ich das nie für möglich gehalten. An so etwas sehe ich: Es wird wirklich besser. Langsam, aber erkennbar.

    Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!


Beitrag von Claudi0201 (108 Beiträge) am Montag, 19.März.2018, 15:36.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,

    mein tiefes Mitgefühl! Auch Deine Geschichte berührt mich sehr, weil ich auch einige Parallelen zu meinem Erleben wiederfinde. Es ist noch alles so frisch bei Dir... man realisiert noch gar nicht, was erst vor einigen Tagen passiert ist. Du musst Dir Zeit geben. Nimm Dir Hilfe wenn Du sie brauchst.Irgend wann werden die Wolken wieder ein wenig aufreißen und Du nimmst die Sonne war. Es geht nur in ganz kleinen Schritten und manchmal auch wieder rückwärts. Nimm die Trauer so an wie sie kommt, das will alles verarbeitet werden und das ist ein langer Weg. Ich hoffe, Du erfährst ein wenig Unterstützung in der Familie und im Freundeskreis. Hier hast Du sie auf jeden Fall!

    Und ja, es ist ein Geschenk, dass du bis zuletzt bei Deinem Mann sein durftest. Es hört sich erst so unwirklich und komisch an. Mein Mann durfte auch zu Hause und im Kreise seiner Liebsten einschlafen.... und auch wir hatten in den letzten Wochen und Tagen zu Hause noch sehr schöne Momente. Heute ist das für mich ein gutes und befriedigendes Gefühl und ich bin so dankbar dafür. Sich verabschieden zu können, sich Zeit zu nehmen ist nicht jedem vergönnt.


    Viel Kraft für die nächste Zeit wünsche ich Dir.
    Claudia

Beitrag von Claudi0201 (108 Beiträge) am Mittwoch, 18.April.2018, 19:12.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Tanja,

    ich lese gerade deine Nachricht. Mein tiefes Mitgefühl. Ich finde mich in deiner Geschichte wieder, weil es bei mir / bei uns ähnlich war. Außer mit dem Unterschied, dass mein Mann nur ein Jahr hatte. Bei dir ist alles noch so frisch, man begreift nicht was da passiert ist. Es ist nicht nur der Verlust, auch die Pflege und alles was damit zusammenhing, muß verarbeitet werden und das ist keine Zeit von Wochen oder Monaten. Ja, auch mein Mann hat mir das Geschenk gemacht, dass er zu Hause starb und ich ihn bis zum letzten Atemzug begleiten durfte. Heute sehe ich das so. Als mein Vater vor knapp 6 Jahren starb, war es ähnlich. ALS, lange zu Hause, Palliativstation und Sterbegleitung. Und ich kann heute sagen, bei all dem Schmerz, war es auch so intensiv und schön zugleich. Sich bewusst verabschieden können ist ein Geschenk. Das ist nicht jedem vergönnt. Leider bringt es den Lebensmenschen nicht mehr zurück, doch es bleibt auf immer eine ganz besondere und tiefe Verbundenheit. Ich kann heute auch wieder kleine Glücksmomente erleben. Es geht ..... irgendwie. Die Trauer kommt immer in Wellen. Du kannst nichts machen aber ich lasse es auch zu. Meistens, wenn ich hier lese und schreibe, muß ich weinen, weil es mich emotional so anfasst. Dennoch finde ich dieses Forum so wichtig und schön zugleich. Es ist wie eine Familie für ich geworden.

    Viel Kraft wünsche ich dir auf deinem Weg und hier kannst du sein wie du bist und findest immer Zuhörer!

    LG
    Claudia

Beitrag von utel55 (99 Beiträge) am Sonntag, 20.Mai.2018, 10:24.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo zusammen,

    das Alles was ihr schreibt, kann ich nur so bestätigen. Jürgen ist morgen vor 2 Wochen gestorben und so langsam kommt die Realität bei mir an. Ich vermisse ihn und weiss nicht, wie man das überleben soll.

    Ich bin schon etwas länger hier angemeldet und mich tröstet es, dass es vielen so geht wir mir.
    Meinen Mann 14 Wochen in den Tod zu begleiten, war das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Ein Hirntumor ist doch sehr speziell und im Grunde war er schon seit Januar nicht mehr der Alte. Er konnte nicht mehr richtig kommunizieren, das war schlimm für mich.

    Ich bin fix und fertig, ausgelaugt, traurig, einsam und alles - ihr wisst schon.

    Traurige Grüße
    Ute

Beitrag von Hollys (23 Beiträge) am Sonntag, 20.Mai.2018, 10:38.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Liebe Ute, meine Gefühle waren ähnlich, der langsame Abschied war unerträglich. Sag gibt es für Dich due Möglichkeit eine Kur zu beantragen....... einfach raus aus allem? Oder ist es unvorstellbar für dich? Ich weiss wie unendlich anstrengend die lange Pflege ist. Fühl dich mal ganz lieb gedrückt. Weisst Du, wir haben unseren Liebsten beigestanden bis zum Schluss. Das ist, denke ich jedenfalls das grösste was ich für ihn tun könnt, ganz liebe Grüsse, Holly

Beitrag von utel55 (99 Beiträge) am Sonntag, 20.Mai.2018, 11:28.

  Re: Ich bin Tanja, ich bin ganz neu hier :_)

    Hallo Holly,

    ich überdenke so viele Dinge. Das mit der Kur habe ich auch schon in Erwägung gezogen. Mein Hausarzt hat mir das auch schon angeboten. Vielleicht mache ich das, wenn, dann aber erst im November, Januar oder Februar.

    Es ist noch so einiges zu regeln. Ich muss jetzt erst einmal versuchen zu arbeiten. Ich habe ganz empathische Chefs, die haben mich die ganze Zeit freigestellt und das gebe ich ihnen zurück. Dann die BFA, Testament, etc, Der ganze Sch.... Im Juli ist Examensfeier meiner mitteleren Tochter, dann ist sie Zahnärtzin, im Augutst heiratet unsere älteste Tocher und
    Ende September kommt unser erstes Enkelkind zur Welt. Ich kann im Moment nicht weg.

    Aber dann. Ich habe mir fest vorgenommen, meine Freiheit zu behalten. Jürgen und ich haben die letzten 5 Jahre so eine tolle Zeit gehabt (die hatten wir aber auch schon vorher, 21 Jahre lang) als die Kinder aus dem Haus warten. Wir konnten machen was wir wollten. Ich denke das ist die richtige Kombi. Entspanntes Familienleben und trotzdem seinen eigenen Weg finden.

    LG Ute



  Reha- abeglehnt!   Louli 4.8.20, 18:10
  Re: Reha- abeglehnt!   Holzkopf 4.8.20, 20:32
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  Re: Reha- abeglehnt!   Jasmin2 5.8.20, 14:10 gestern
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  Schon wieder verwitwet   Till69 25.6.20, 09:41
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  Re: Schon wieder verwitwet   Ela1995 28.6.20, 18:59
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  Re: Zeit heilt alle Wunden....   conny2 6.6.20, 09:48
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  Re: Aufräumen   Mehlia 4.6.20, 10:05
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  Re: Ruhe?   lilawitwe 9.5.20, 10:20
  Re: Ruhe?   M-1981 13.5.20, 06:12
  Re: Ruhe?   Carlchen65 9.5.20, 10:49
  Aus dem Leben, aus dem Alltag   Idealist 6.5.20, 23:24
  Einfach zum Schmunzeln   Carlchen65 6.5.20, 14:09
  Re: Einfach zum Schmunzeln   Heike18 18.5.20, 09:02
  Re: Einfach zum Schmunzeln   conny2 18.5.20, 09:49
  Re: Einfach zum Schmunzeln   Sammy2009 18.5.20, 10:38
  Re: Einfach zum Schmunzeln   blackeyes 18.5.20, 13:11
  Re: Einfach zum Schmunzeln   stinecv 18.5.20, 19:15
  Re: Einfach zum Schmunzeln   PauliMe 6.6.20, 14:51
  Witwen - Hochzeitstag    stinecv 6.5.20, 02:44
  Re: Witwen - Hochzeitstag    Sammy2009 6.5.20, 08:49
  Re: Witwen - Hochzeitstag    Carlchen65 6.5.20, 14:17
  Re: Witwen - Hochzeitstag    RehTse 6.5.20, 15:09
  Re: Witwen - Hochzeitstag    stinecv 18.5.20, 19:29
  Re: Witwen - Hochzeitstag    Carlchen65 22.5.20, 10:09
  Re: Witwen - Hochzeitstag    lomax 27.6.20, 23:42
  Re: Witwen - Hochzeitstag    Heike18 28.6.20, 14:35
  Tragfähiges...   Sammy2009 29.4.20, 14:35
  Trauerpodcast   steph09 8.4.20, 14:56
  Re: Trauerpodcast   leben71 12.4.20, 19:45
  Re: Trauerpodcast   tewe 12.4.20, 23:27
  Re: Trauerpodcast   Pauline123 18.4.20, 07:39
  Re: Trauerpodcast   Pauline123 18.4.20, 07:35
  Re: Trauerpodcast   stinecv 13.4.20, 20:04
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  Re: Trauerpodcast   Heike18 15.4.20, 15:49
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  Re: Trauerpodcast   hare2020 18.5.20, 18:07
  Re: Trauerpodcast   steph09 26.5.20, 21:04
  Re: Trauerpodcast   PauliMe 6.6.20, 14:47
  Trauer und Liebe(slied) II   conny2 31.3.20, 19:17
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 2.4.20, 12:16
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 5.4.20, 19:29
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 10.4.20, 18:36
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 10.4.20, 23:10
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 11.4.20, 11:21
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 14.4.20, 10:11
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 24.4.20, 15:04
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 24.4.20, 15:49
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 24.4.20, 16:04
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Mause 25.4.20, 01:38
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Oliver 26.4.20, 10:58
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 27.4.20, 11:51
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 26.4.20, 18:20
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 26.4.20, 20:17
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 27.4.20, 01:04
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 10.5.20, 10:00
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 10.5.20, 10:48
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   stinecv 12.5.20, 00:41
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 14.5.20, 16:19
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 14.5.20, 21:21
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 14.5.20, 22:06
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 14.5.20, 22:38
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 15.5.20, 13:52
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 14.5.20, 22:03
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 14.5.20, 22:31
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 28.7.20, 10:52
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 28.7.20, 06:27
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 26.7.20, 18:58
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Holzkopf 26.7.20, 17:55
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 26.7.20, 16:16
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 26.7.20, 10:53
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 26.7.20, 06:39
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 24.7.20, 12:03
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 20.7.20, 09:30
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 19.7.20, 16:55
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 19.7.20, 03:02
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 18.7.20, 03:32
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 15.7.20, 04:00
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 12.7.20, 03:32
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Louisa75 29.6.20, 14:48
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 29.6.20, 10:17
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 19.6.20, 19:59
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 19.6.20, 00:04
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 17.6.20, 12:16
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 15.6.20, 16:26
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 13.6.20, 22:36
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 13.6.20, 19:20
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Nafets 12.6.20, 01:06
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  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Sammy2009 31.5.20, 22:51
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   legi 29.5.20, 13:32
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 28.5.20, 17:40
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   legi 28.5.20, 16:21
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 28.5.20, 12:51
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   Nafets 27.5.20, 23:44
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   blackeyes 27.5.20, 21:13
  Re: Trauer und Liebe(slied) II   conny2 27.5.20, 17:59
  MV Wochenende 2020   Carlchen65 29.3.20, 19:23
  Re: Kostenloser Mini-Kurs    RenisMann 27.3.20, 14:41
  Was können wir für euch tun?   Oliver 21.3.20, 14:07
  Re: Was können wir für euch tun?   cs65 21.3.20, 15:22
  Re: Was der Tod bewirken kann   Beate68 16.3.20, 20:39
  Was der Tod bewirken kann   Holzkopf 13.3.20, 19:19
  Re: Was der Tod bewirken kann   Holzkopf 13.3.20, 20:04
  Re: Was der Tod bewirken kann   maks2708 14.3.20, 07:04
  Re: Was der Tod bewirken kann   Harmonie64 14.3.20, 10:11
  Re: Was der Tod bewirken kann   maks2708 14.3.20, 13:37
  Re: Was der Tod bewirken kann   Nafets 14.3.20, 15:09
  Re: Was der Tod bewirken kann   Heike18 14.3.20, 20:57
  Re: Was der Tod bewirken kann   utel55 15.3.20, 08:31
  Re: Was der Tod bewirken kann   MoniL 15.3.20, 14:39
  Re: Was der Tod bewirken kann   Harmonie64 14.3.20, 20:21
  Re: Was der Tod bewirken kann   conny2 15.3.20, 12:46
  Re: Was der Tod bewirken kann   Nafets 15.3.20, 15:33
  Re: Was der Tod bewirken kann   conny2 15.3.20, 19:50
  Re: Was der Tod bewirken kann   Nafets 16.3.20, 11:12
  Re: Was der Tod bewirken kann   Sammy2009 15.3.20, 17:39
  Re: Was der Tod bewirken kann   Holzkopf 16.3.20, 21:31



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