Ich lebe weiter (wieder)

Es gab ne kleine Disco „Zorba the Buddah“ Ich war immer sehr früh da, dann hatte ich die leere Tanzfläche für mich allein. Außer mir war waren noch 4-5 Leute da. Aber nur eine Frau. Sah komisch aus, Gothic mäßig.

Wir gingen immer zur gleichen Musik auf und auch gleichzeitig wieder runter von der Tanzfläche. Sie tanze mit sehr viel Freude und das war sehr schön anzusehen. Irgendwann hab ich sie angesprochen. Sie war nicht wirklich interessiert und obwohl wir in der gleichen Richtung nach hause mussten, zog sie es vor Bahn zu fahren statt sich fahren zu lassen. War oke.

Drei Wochen später komm ich in der gleichen Disco und sie saß schon da. Wir sahen uns an und strahlten beide. Mir wurde ganz warm ums Herz. Es war als ob wir uns schon ewig kannten. Sie hat sich an den Abend fahren lassen und 4 Wochen später ist sie bei mir eingezogen. Das war Anfang 1997.

Ich erlebte zum ersten mal eine Beziehung wo alles stimmte. Nähe, Distanz, Achtung, Respekt, Geborgenheit, Zärtlichkeit.......alles. Für mich war diese Beziehung wirklich einmalig. Auch beruflich stimmte alles. Sie Floristin, ich Bestatter. (damals)

Nur ihre ewigen Darmentzündungen waren manchmal lästig, aber das war halt so. Es war nicht in der Griff zu bekommen und wir mussten damit leben. Punkt. Sie hatte sie schon seit ihre Kindheit.

Ende 2002 kam der erste Schock. Wucherungen im Dickdarm. Krebs. Nach 6 Wochen Krankenhaus wurde die OP für den 24.01.2003 festgesetzt. Wir wurden unmissverständlich darauf hingewiesen das es sehr ernst ist und auch schief gehen kann. Am Tag vor der OP haben wir im Krankenhaus geheiratet.

Die OP ist gut verlaufen. Dickdarm komplett raus, künstlicher Darmausgang, keine Schmerzen oder Entzündungen mehr, die Welt war wieder in Ordnung. Im Sommer 2003 fing sie wieder an zu arbeiten.

Im Sommer 2005 erneut Panik. Innerhalb von 3 Monaten wuchs ein Tumor auf Kindskopfgröße. Am 23.06.05 festgestellt, am 24.06.05 morgens um 8:00 Uhr die OP. Der Anfang vom Ende. Als sie wieder zuhause war, wussten wir beide das es nie mehr so werden wurde wie vorher.

Ende Julie folgten noch 2 und Anfang August die letzte Not-OP. Am 7. August 2005 um 7.10 Uhr bekam ich die tel Nachricht das sie es nicht überleben wird. Blutvergiftung und Lungenentzündung. Sie wurde ins Hospiz verlegt. Man hatte sie aufgegeben. Wir ließen ein Bestatter kommen. Sie hat ihre Beerdigung selbst geregelt.

Ich hatte den Ärzten mit Konsequenzen gedroht falls sie stirbt. Die strenten sich an, und siehe da. Ging doch. Diesen Schritt habe ich in den darauffolgenden 16 Monaten öfters sehr in frage gestellt. Und mehr als einmal verflucht. Über ein Jahr Schmerzen und leiden.........

Als ich sie am 2. November 2006 ins Krankenhaus brachte, wusste ich das ich sie zu letzten mal gefahren hab.

Ab Mitte November habe ich täglich Gott gebeten, er möge es beenden. Dieses Elend war nicht mehr menschenwürdig. Petra weiß das nicht. Sie wollte leben und hat bis zum Schluss gekämpft. Am Sonntag den 26. November sagte ich ihr das wir nicht mehr viel Zeit mit einander haben. DAS STIMMT NICHT erwiderte sie.

Nur 3 Tage später, am Mittwoch, den 29. November 2006, abends um 19.30 Uhr hat sie ihrem Körper verlassen. Sie ist wieder dorthin, wo sie war, bevor sie geboren wurde.

Liebe Petra, ich danke dir für deine Liebe und die schönen Jahre.

Dein Mann
Werner




letzte Änderung: 10.01.2011, 15:45
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