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Trauer


    Theorie - Kinder

    Trauerprozess

    Wie Kinder trauern - Kinder in ihrer Trauer begleiten

    Wenn Kinder dem Tod begegnen
    Kinder als Trauernde - der Prozess des Trauerns bei Kindern
          Schock
          Kontrollierte Phase
          Regression
          Adaption
    Todesvorstellungen in den einzelnen Altersgruppen
          Säuglinge von der Geburt bis zum 10. Monat
          Babys zwischen 10 Monaten und 2 Jahren
          Vorschulkinder 3 bis 6 Jahre
          Grundschulkinder 6 bis 9 Jahre
          Schulkinder 9 bis 12 Jahre
          Jugendliche
    Tod eines Bruders oder einer Schwester
    Kann es durch einen früh erfahrenen Tod zu einem Trauma kommen?
    Kinder bei der Beerdigung
    Trauer und ihre Überwindung in der Bibel entdecken
    Kinder in Ihrer Trauer begleiten
          Über den Tod sprechen
          Nähe geben
          Zeit geben
          Begleiten
          Gefühlsäußerungen erleichtern
          Raum für Spiele und kindgerechte Rituale geben
          Hoffnung über den Tod hinaus ermöglichen
          Medien und Hilfsmittel einsetzen
    Impressum




    Wenn Kinder dem Tod begegnen

    Oft tritt der Tod spät in unser Lebensumfeld. Manche Menschen werden
    vierzig Jahre, bevor zum ersten Mal ein naher Verwandter oder eine Verwandte stirbt. Um so weniger sind wir darauf vorbereitet, einen frühen Tod gemeinsam mit Kindern zu verarbeiten. Mit dieser Broschüre will die Diakonie dazu beitragen, dass Kinder in altersgemäßer Art und Weise trauern können und von Erwachsenen in ihrer Weise des Trauerns unterstützt werden. Sie kann im Trauerprozess oder auch im Sinne guter Vorsorge durch Erziehung und Bildung genutzt werden. Die Broschüre richtet sich an Mitarbeitende in Hospiz, Diakonie, Krankenhaus, Kindergarten und Pfarramt. Sie kann aber gleichwohl an betroffene Eltern weitergegeben werden.

    Auch Kinder begegnen bereits dem Tod
    Ein geliebtes Haustier stirbt, vom Tod eines entfernten Verwandten oder eines Nachbarn wird gesprochen, ein Großelternteil verstirbt, oder der Tod trifft einen Menschen in unmittelbarer Nähe des Kindes: ein Elternteil, ein Geschwister, eine Klassenkameradin oder ein Spielkamerad.
    Der erste Impuls vieler Erwachsener ist es, die Kinder vor der Begegnung mit dem Tod zu schützen. Doch wissen wir eigentlich: Sterben, Tod und Trauer gehören auch zum Leben von Kindern und müssen keinen schlimmen Schaden anrichten.
    Denn Kinder können trauern. Es liegt nur an uns, Kindern zuzutrauen, den Trauerprozess bewältigen zu können. Denn zu häufig übersehen wir Kinder als aktiv Trauernde. Kinder können trauern, brauchen dabei aber unsere Unterstützung im Umgang mit Trauer.
    Für Kinder, die ein Eltern- oder Geschwisterteil verloren haben, kommt zur Trauerbewältigung zusätzlich hinzu, dass sie sich meistens als einziges, trauerndes Kind erleben. Gehen sie nicht in eine Trauergruppe für Kinder, kennen sie meistens keine anderen Kinder in ähnlicher Situation. Trauererfahrungen in der Kindheit und Jugend sind gerade deshalb prägend, da sie als erste Begegnung mit dem Tod besonderes Gewicht haben. Der Trauerprozess von Kindern und ihre Begleitung darin soll hier besonders in den Blick genommen werden. Dennoch sind die in der Kindertrauer ablaufenden Prozesse auch formend für die Folgeerfahrungen in der Jugend und im Erwachsenenalter. Uns alle begleiten unsere in der Kindheit erworbenen Konzepte, Bilder und Vorstellungen über den Tod und den Umgang mit Trauer auch noch im Erwachsenenalter.

    Kinder leben in der Gegenwart
    So können Momente großer Trauer auf fröhliches Spiel folgen. Sie haben kaum die Möglichkeit sich durch Fragen Informationen zu holen, die sie brauchen, und erleben so den Tod eines ihnen nahe stehenden Menschen als tiefe Verunsicherung. Daher sind sie auf Erwachsene und ihren Beistand angewiesen. Sie drücken ihre Trauer und ihre Gefühle weniger über die Sprache aus als über nonverbale Ausdrucksweisen. Das Nachspielen von Schlüsselszenen, das Malen von Bildern oder erfinden von Ritualen kann eine für sie hilfreiche Möglichkeit sein, ihre unterschiedlichen Gefühle auszudrücken. Der Trauerprozess von Kindern verläuft zwar auch in Phasen, ist in sich aber diffuser und daher weniger klar erkennbar.

    Der Verlust eines nahen Angehörigen in der Kindheit ist eine schwere Erfahrung.
    Denn er erschüttert Kinder in ihren Grundfesten. Zum Verlust der geliebten Person kommt meistens noch eine veränderte familiäre Situation hinzu, auf die sich das Kind einstellen muss. Eine einfühlsame Begleitung ist deshalb viel wert. Dazu gehören
    • eine gute, stufenweise und altersgemäße Information über den bevorstehenden Tod. Auch wenn der Tod eingetreten ist, ist es für Kinder wie für Erwachsene wichtig, die Umstände des Todes zu kennen.
    • die Ermöglichung des persönlichen Abschieds in Begleitung eines vertrauten Erwachsenen. Auch wenn der Tod bereits eingetreten ist, empfiehlt es sich, mit den Kindern am aufgebahrten Leichnam Abschied zu nehmen.
    • die Unterstützung für die Kinder bei der Mitgestaltung des Trauerprozesses.
    Oliver


    Kinder als Trauernde - der Prozess des Trauerns bei Kindern

    Wie Erwachsene durchlaufen Kinder in ihrer Trauerreaktion mehrere Phasen. Diese Phasen sind kein festes Schema, sondern nur Anhaltspunkte zum Verständnis. (Als Vergleich kann der Ablauf der vier Jahreszeiten herangezogen werden: Sommer folgt auf Frühling und trotzdem gibt es im Juli auch kühle, regnerische Tage). Ihr Verlauf wird stark von der Persönlichkeitsstruktur beeinflusst. Kinder zeigen und leben ihre Trauer eher tropfenweise, das heißt weniger kontinuierlich als Erwachsene. Das bedeutet, in einem Moment können sie hemmungslos weinen und im nächsten Moment intensiv spielen. Es gibt auch Wiederholungen, Sprünge und Überlappungen.
    Oliver


    Schock

    Wenn die Todesnachricht plötzlich eintrifft, löst sie einen Schock aus. Daher ist es wichtig, dass die Todesnachricht in einer ruhigen Situation überbracht wird. Gut ist es, wenn genügend Zeit vorhanden ist, um Schock, Unverständnis und Fragen abwarten und auffangen zu können. Kinder sind auf möglichst genaue Informationen angewiesen, da sie ihre Sprachlosigkeit nicht durch Fragerituale überwinden können. Je unerwarteter die Todesnachricht für das Kind eintrifft, desto größer ist der
    Schock. Das Kind erstarrt innerlich und leugnet den Tod. Es zieht sich in sich zurück und versucht so zu leben, als sei nichts geschehen. Dieses Verhalten ist nicht mit Trotz gleichzusetzen, sondern dient der momentanen Entlastung. Im günstigen Fall bestimmt das Kind dadurch selbst, wann und im welchem Maße es sich mit der Todesnachricht konfrontiert. Wenn es sich um einen Elternteil handelt, reagiert das Kind oft mit einer existenziellen Angst, die dem Verlust einer primären Bezugsperson angemessen ist.
    Oliver


    Kontrollierte Phase

    Sie folgt, nachdem der Schock abgeklungen ist (meistens maximal ein bis zwei Tage). Es herrscht eine doppelte Form der Kontrolle: die Kontrolle über sich selbst (weniger bei Kindern, da sie sich nicht gut selbst kontrollieren können; ihr Verhalten ist eher natürlich, unbeherrscht und wechselhaft). Hinzu kommen kontrollierende Maßnahmen von Außenstehenden. Sie entstehen durch Erwartungshaltungen und Verhaltensvorschriften, aber auch den Gewohnheiten der Nächsten, die das Kind zu imitieren versucht. Sie wirken auf Kinder häufig irritierend und damit erlahmend. Denn ihnen bleibt oft der Verhaltenskodex verborgen. So werden sie sich selbst und der Realität ein Stück entfremdet.
    Oliver


    Regression

    Als Regression (von lateinisch: regredi – sich zurückziehen) wird ein bestimmtes Verhalten, besonders in belastenden Situationen, bezeichnet, bei dem Menschen auf früher erworbene, besonders kindliche Verhaltensmuster zurückgreifen. Die Phase der Regression im Trauerprozess ist von hoher Emotionalität gekennzeichnet. Dazu gehören Weinen, Klagen, Wutanfälle, aber auch Scham- und Schuldgefühle. Diese verschiedenen starken Gefühle führen zu einer psychischen Desorganisation. Bei Kindern (besonders im Vorschulalter und frühen Schulalter) kommt häufig eine Ursachenpersonalisierung hinzu: Der erlittene Verlust wird auf ein bestimmtes (Fehl-)Verhalten einer anderen oder der eigenen Person zurückgeführt: „Ich habe mir gewünscht, meine Schwester soll tot sein und nun ist sie (deshalb) tatsächlich tot.“ Das Kind entwickelt folglich Scham- und Schuldgefühle, die es nicht von alleine verbalisieren kann. Wenn sich Kinder in dieser Phase zurückziehen und apathisch wirken, so ist dies im Sinne eines Abwehrmechanismus im Dienst des Ichs zu verstehen. Der Rückzug zeigt an, dass die Seele überbelastet und schonungsbedürftig ist.
    Nach Sigmund Freud gibt es drei verschiedene Formen der Regression:
    1. Vorgänge und Verhaltensabläufe werden auf ein niedrigeres Niveau verschoben: zum Beispiel Weinen, Jammern.
    2. Es findet ein Rückzug auf frühere Entwicklungsstufen statt: zum Beispiel Bettnässen oder Verweigerung von Aufnahme fester Nahrung.
    3. Kinder greifen auf archaische Vorstellungs- und Denkmuster zurück, indem sie magische Ansichten vertreten: zum Beispiel „Wenn ich mein Lieblingstier opfere, dann kommt Mama zurück.“
    Oliver


    Adaption

    Es findet wieder eine Annäherung an das Leben statt. Kinder können die Trauer in ihr Ich integrieren. Sie erneuern damit ihre innere Welt. Durch den Trauerprozess erhalten sie unter Umständen Zugang zu eigenen brachliegenden und unentdeckten seelischen Kräften.
    Oliver


    Todesvorstellungen in den einzelnen Altersgruppen

    ... und wie wir auf sie eingehen können
    Oliver


    Säuglinge von der Geburt bis zum 10. Monat

    Im Allgemeinen wird angenommen, dass Säuglinge den Tod der Mutter als Abwesenheit wahrnehmen. Der Tod eines Geschwisters, des Vaters oder eines anderen Familienmitgliedes ist vermutlich nicht im gleichen Maße traumatisch. Sie werden aber Veränderungen und negative Reize in ihrer Umgebung wahrnehmen.

    Was Sie tun können:
    • Andere Bezugspersonen, Tagesrhythmus und häusliche Umgebung so stabil wie möglich halten
    • Sich um das körperliche Wohl des Kindes kümmern
    • Anwesenheit schenken
    Oliver


    Babys zwischen 10 Monaten und 2 Jahren

    Die Nachricht vom Tod kann in diesem Alter kaum sprachlich vermittelt werden. Babys in dieser Altersgruppe sind noch nicht in der Lage, den Begriff Tod zu verstehen. Ihre Angst, verlassen zu werden, ist groß. Sie sind stark auf Bezugspersonen fixiert und haben noch keine Zeitvorstellung. Auch vorübergehende Trennungen können großen Schmerz hervorrufen. Bei längeren Trennungen folgt auf eine Protestphase eine Zeit der stillen Verzweiflung und Traurigkeit, die schließlich in Gleichgültigkeit übergehen kann, wenn das Kind die Hoffnung auf eine Rückkehr aufgegeben hat. Der Schock des Kindes richtet sich nach der erwarteten Häufigkeit des Kontaktes. Die kontrollierte Phase ist bei Kindern in diesem Alter wenig ausgeprägt. Stärker hingegen die regressive Phase, die sich häufig in trauriger Gesamtstimmung ausdrückt und in regressivem Verhalten (zum Beispiel Trinken aus der Flasche oder verstärkt anhängliches Verhalten). Die Phase der Adaption ist bei Kleinkindern davon beeinflusst, ob sie weiterhin Zuwendung und Geborgenheit erfahren. Dann kann der Weg zurück ins Leben auch gegangen werden.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Einfache Sätze wie „Papa ist fort”, „Mama ist nicht mehr da” zu wiederholen, können ihnen helfen, zu verstehen, dass ein Verlust geschehen ist.
    • Zuwendung
    Oliver


    Vorschulkinder 3 bis 6 Jahre

    Vorschulkinder kennen bereits das Wort tot, es hat für sie jedoch noch keine endgültige Bedeutung, sondern bedeutet so viel wie fort sein oder fort gehen oder eine Form von Schlaf, das heißt, sie erwarten eine Rückkehr des Verstorbenen. Daher kann man die Todeswünsche von Kindern besser verstehen. „Du sollst tot sein” bedeutet „Du sollst verschwinden”. Für manche Kinder kann sich ein Toter nicht mehr bewegen, aber er spürt noch etwas. Das heißt, Kinder stellen sich Tot-Sein wie ein Leben auf Sparflamme, wie reduziertes Leben vor. Kinder in diesem Alter beziehen alles auf sich und können Schuldgefühle entwickeln. Vorschulkinder meinen, nur andere Menschen würden sterben. Manchmal entwickeln sie eine besondere Verbindung zum Verstorbenen. Das Bestreiten des Todes kann sich auch in einem ganz konkreten Suchen des Verstorbenen äußern. Auch hier gilt, je mehr das Kind auf den Verlust vorbereitet ist (lange Krankheit, vorausgegangener Abschied), desto geringer ist die Schock-Reaktion. Ein selbst kontrolliertes Verhalten von Seiten des Kindes ist in diesem Alter nicht zu erwarten. Es richtet sein Verhalten an Verhaltenserwartungen und Gewohnheiten seiner Umwelt aus.
    Ungefähr zu diesem Zeitpunkt (auch schon direkt nach Kenntnis des Todes möglich) stellen Kinder häufig viele Fragen. „Warum ist Opa tot?“ Hinter dieser Frage kann sowohl die Frage nach der biologischen Antwort stehen – „Weil Opa krank war“ – wie auch die Frage, nach dem Warum des Sterbens als Ausdruck persönlicher Betroffenheit. Bei letzterer Variante ist es gut auch auf die Gefühlsebene des Kindes einzugehen – „Dir fehlt der Opa?“. Andere Fragen können sein „Ist Mama jetzt ein Engel?“, „Wird Papa jetzt nass?“. Diese Fragen können sich durchaus wiederholen. Dabei ist es wichtig, nicht ungeduldig zu werden. Denn dieWiederholung der Fragen dient Kindern zur Vergewisserung des Todesfalles. In der regressiven Phase verhalten sich Kinder im Kindergartenalter oft anhänglich und ängstlich oder störrisch und aggressiv. Auch apathisches Verhalten ist möglich. Sie brauchen äußere Sicherheiten und Kontinuität von Betreuungspersonen und Tagesrhythmen. Stofftiere können wieder zu konstanten Begleitern werden. Die eigenen Gefühle können gut auf das Stofftier projiziert werden, so dass das Kind in Distanz dazu treten kann. Die Regression kann sich ferner im Aufnehmen von Verhaltensweisen einer früheren Alters- und Entwicklungsstufe zeigen (Bettnässen, keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, nicht allein schlafen können, Nuckeltuch oder Daumen lutschen). Impulse von sich aus über den Verstorbenen zu reden, können in dieser Phase zurückgehen. Dies geschieht vor allen Dingen dann, wenn das Kind das Gefühl hat, seine Trauer nicht äußern zu können oder zu dürfen. In solchen Situationen können behutsame Versuche mit dem Kind zum Beispiel durch Bilderbücher zum Thema in Kontakt zu kommen hilfreich sein. Das Kind kann anhand der Personen im Buch über seine eigenen Gefühle sprechen, ohne sich dabei zu sehr öffnen zu müssen (zum Beispiel „Leb wohl, lieber Dachs“ oder „Abschied von Rune“). Wir Erwachsenen sollten uns auch in dieser Phase nicht vom (wilden) Spiel eines Kindes täuschen lassen, mit der Annahme, dass die Trauerarbeit erledigt sei. Auch im Spielen verarbeitet das Kind seine Trauer, da es so sein seelisches Gleichgewicht auf natürliche Art und Weise wieder herstellen kann. Schließlich findet eine Hinwendung zum Leben statt. Die Kinder wirken wieder interessierter an ihrer Umgebung. Sie gewinnen wieder mehr Eigenständigkeit zurück und entwickeln wieder mehr Selbstbewusstsein und -vertrauen. Dennoch gibt es auch in dieser Phase immer wieder Anfälle von akuter Trauer und Rückfälle. Die Zeit der akuten Trauer ist dann vorbei, wenn das Leben insgesamt wieder auf die Gegenwart und Zukunft ausgerichtet ist. Aber auch dann können Kinder immer wieder Zeit für ihre Trauer brauchen.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Erklären Sie, dass der Körper ganz aufgehört hat zu funktionieren.
    • Bereiten Sie die Kinder im Falle einer langen, unheilbaren Krankheit auf den Tod vor.
    • Bleiben Sie geduldig, während das Kind sich langsam dem Gefühl der Trauer annähert.
    • Schicken Sie die Kinder nicht fort, sie fühlen sich sonst verlassen und verwirrt, weil man sie ausgeschlossen hat.
    • Lassen Sie sie an möglichst vielen Vorgängen in der Familie teilhaben.
    • Machen Sie ihnen klar, dass sie nicht schuld an dem Tod sind.
    • Helfen Sie dem Kind bei der Auswahl eines Andenkens.
    Oliver


    Grundschulkinder 6 bis 9 Jahre

    In ihrem Weltbild unterscheiden sie zwischen belebter und unbelebter
    Umwelt.
    Diese Kinder beginnen die Bedeutung des Todes zu verstehen und haben ein sachliches nüchternes Interesse an den Äußerlichkeiten des Todes. Trotzdem verstehen sie nicht alles und entwickeln deshalb Verlust- und Trennungsängste. Zum Beispiel kann ein Kind Atemnot bekommen, wenn der Sarg geschlossen wird. Die Angst vor dem eigenen Tod zeigt sich vor allem in Ängsten vor Gewalteinwirkungen, wie vor dem Erschossenwerden. Daher sind Cowboyspiele in dieser Altersstufe beliebt. In der Angst vor dem Tod der Eltern spiegelt sich die Angst vor dem Verlassenwerden. Auch wenn sie den Tod als Tatsache erfassen, können sie ihn nicht immer akzeptieren oder rational darauf reagieren. Die Kinder erkennen, dass der Tod alle Menschen treffen kann, auch ihnen sehr nahe stehende und auch sie selbst. Mögliche Gefahren werden ihnen bewusster, und sie entwickeln ein größeres Sicherheitsbedürfnis. Sie entwickeln Trennungsschmerz und Trauergefühle. Realität und Phantasie wechseln sich ab. Der Tod führt zu Veränderungen. Die Kinder fürchten, dass ihre Freundinnen und Freunde sie für anders halten.

    Was sie tun und sagen können:
    • Sagen Sie ihm, warum dieser Mensch gestorben ist.
    • Achten Sie sehr genau darauf, wie das Kind reagiert, welche Gefühle es zeigt.
    • Nehmen Sie sich Zeit, um über Ängste und Sorgen zu sprechen und den Kindern zuzuhören.
    • Geben Sie ihnen so gut wie irgend möglich das Gefühl von dauerhafter, verlässlicher Sicherheit.
    • Beziehen Sie das Kind bei der Planung und Durchführung der Trauerfeier mit ein.
    Oliver


    Schulkinder 9 bis 12 Jahre

    Die sachliche Einstellung der Kinder bezieht sich jetzt auch auf die biologischen Aspekte des Sterbens. Sie möchten wissen, wie sich der Körper eines Sterbenden verändert. Wichtig ist, den Kindern solche Tabu brechenden Fragen nicht auszureden, sondern ihre Fragen zu beantworten. Die Erkenntnis, dass der Tod etwas ganz anderes als das Leben ist, führt zu unheimlichen Vorstellungen und manchmal zu einer Vorliebe für Gruselgeschichten. Das eigene Sterben wird akzeptiert.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Umarmen und liebkosen Sie das Kind.
    • Ermutigen Sie das Kind zu weinen.
    • Gehen Sie mit dem Kind auf den Friedhof.
    • Ermutigen Sie das Kind, über die verstorbene Person zu sprechen.
    Oliver


    Jugendliche

    Jugendliche haben verstandesmäßig dieselben Vorstellungen vom Tod wie Erwachsene. Sie fürchten vor allem die Belastungen des Sterbens, Schmerzen und die Frage, was mit ihnen nach dem Tod geschieht. Besonders häufig ist das Gefühl der Angst, aber auch Unsicherheit und die Schwierigkeit, Gefühle die den Tod betreffen auszudrücken. Sie sind in dieser Phase verletzlich, möchten aber keinesfalls mit diesen Gefühlen konfrontiert werden. Wenn Jugendliche ein Elternteil verlieren, kann die Loslösung vom Elternhaus unterbrochen werden, weil sie die Verantwortung des Verstorbenen im Haushalt übernehmen müssen. Das Thema Selbstmord spielt eine Rolle. Der Tod verstärkt den Druck, dem Teenager sich sowieso schon ausgesetzt fühlen, wenn sie an die Zukunft denken.

    Was Sie tun und sagen können:
    • Ermöglichen Sie es den Jugendlichen, an allen mit dem Todesfall zusammenhängenden Feierlichkeiten, Ritualen und Treffen teilzunehmen.
    • Versuchen Sie aufkommende Aggressionen zuzulassen und auf den Grund zu gehen.
    • Unterstützen Sie sie darin, sobald wie möglich in ihren Alltag
      zurückzukehren und den Kontakt mit Freundinnen und Freunden wieder aufzunehmen.
    • Zögern Sie nicht, professionellen Rat zu suchen, wenn Sie meinen, dass es nötig oder hilfreich sein könnte.
    Oliver


    Tod eines Bruders oder einer Schwester

    Verliert ein Kind ein Geschwister, kommt es zu Mehrfachverlusten. Die Eltern sind meist nicht mehr in der Lage, dem lebenden Kind genügend Aufmerksamkeit zu geben, da sie mit der eigenen Trauer beschäftigt sind. Das lebende Kind verliert also nicht nur ein Geschwister, sondern auch einen Teil der elterlichen Zuwendung. Häufig fühlen sie sich daher zu Ersatz-Kindern degradiert.
    Zusätzlich belastend ist für diese Kinder, dass die Beziehung der Eltern sehr häufig durch den Tod des Kindes vor hohe Anforderungen gestellt ist und nicht selten zerbricht. Bleiben mehrere Kinder in einer Familie am Leben, so ist nicht einfach davon auszugehen, dass diese sich gegenseitig ausreichend stärken und unterstützen können. Jedes Kind trauert individuell und für sich allein. Zur Isolation und Einsamkeit in der Trauer trägt auch bei, dass in den verschiedenen Altersstufen der Ausdruck der Trauer und die Bedürfnisse im Trauerprozess sehr verschieden und oft nicht kompatibel sind.
    Erschwerend kommt für solche Kinder hinzu, dass sie auch heute noch in der Regel von der Umwelt kaum als Trauernde wahrgenommen werden. Aus Unsicherheit, wie mit ihnen umzugehen ist, werden sie häufig nach dem Ergehen der Eltern gefragt, aber nicht nach dem eigenen Befinden.

    Kinder, die ein Geschwister verloren haben, fühlen sich oft
    • schuldig (weil sie sich schon gewünscht haben, dass der Bruder oder die Schwester tot sein soll)
    • erleichtert (weil sie jetzt vermeintlich mehr Aufmerksamkeit bekommen)
    • geängstigt (weil sie nun wissen, dass sie selbst auch sterben können)
    • verwirrt (weil sie – in einer ursprünglichen Zweiergeschwisterkonstellation – nicht mehr spürbar Bruder oder Schwester sind)


    Was Sie tun und sagen können:
    • Ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe schenken
    • Nach ihrem Ergehen fragen (nicht nur nach dem der Eltern)
    • Dafür sorgen, dass sie Freizeitangebote bekommen
    • Erzieherinnen und Lehrerinnen informieren
    • Im Fall der Überforderung der Eltern vertraute Ersatzpersonen um Hilfe bitten.
    Oliver


    Kann es durch einen früh erfahrenen Tod zu einem Trauma kommen?

    Wenn Kinder die ihrem Alter gemäße Möglichkeit zu Abschied und Trauer haben, unterstützt die Begleitung durch einen Erwachsenen die positive Verarbeitung des Ereignisses, so dass es nicht zu einem Trauma kommen muss. Frühere Generationen waren, Menschen auf der Südhalbkugel sind von Kindheit an mit dem Tod konfrontiert gewesen und haben damit leben können. Allerdings sind diese Menschen in der Trauer niemals alleine und können auf feste Rituale zurückgreifen. Der Tod wird nicht verleugnet, sondern gemeinsam begangen.
    Ohne diesen regelmäßigen und gemeinsamen Umgang mit dem Tod sind moderne Individuen, Erwachsene und Kinder, vermutlich sehr viel verletzlicher und schutzbedürftiger. Dabei entsteht die größte Gefahr für Kinder durch eine Verleugnung, Dramatisierung oder Banalisierung des Todes. Zu einem Trauma kann der Tod eines nahen Angehörigen für ein Kind werden, wenn es nicht die Möglichkeit hatte, sich zu verabschieden und das Faktum des Todes zu begreifen.

    Eine Atmosphäre des Leugnens verunsichert Kinder
    Kinder spüren atmosphärisch, dass etwas nicht stimmt. Wird der Tod nicht beim Namen genannt, fantasieren Kinder, was geschehen sein könnte. Diese Phantasien sind oft schlimmer als das Ereignis selbst. Denn sie sehen sich als Auslöser des Wegbleibens des geliebten Menschen oder sehen andere Menschen als die Schuldigen an. Geben wir dem Tod soviel unheimliche Macht, dass wir ihn totschweigen müssen, wirkt sich das auch auf die Kinder aus. Sie spüren dann das Mächtige und haben davor Angst. Somit wird ihnen die Möglichkeit verwehrt, Abschied zu nehmen und im Trauerprozess voranzukommen. Kann ein Kind begleitet Abschied nehmen, wird die Möglichkeit von zusätzlicher Traumatisierung zum Beispiel durch Schuld erheblich verringert.
    Oliver


    Kinder bei der Beerdigung

    Viele Eltern stellen sich die Frage, ob ihre Kinder bei der Beerdigung anwesend sein sollen, und wenn ja, ab welchem Alter. Es gibt hierzu keine Pauschalantworten, da es immer auch auf die Umstände und das Kind ankommt. Eine Grundregel ist sicherlich, dass kein Kind gegen seinen Willen an einer Beerdigung teilnehmen sollte. Nimmt ein Kind teil, so sollte darauf geachtet werden, dass es gut auf den Ablauf wie auf die möglichen eigenen Gefühle vorbereitet wird. Der Ablauf und das Ambiente einer Beerdigung sind Kindern eher fremd, da sie sich nur sehr punktuell eingebunden fühlen. Schwarze Kleidung und ungewohntes Verhalten von Erwachsenen (zum Beispiel Weinen) kann sie verunsichern.
    Deshalb ist es für sie so wichtig, dass ein ihnen bekannter Erwachsener (der selbst nicht zu sehr von eigener Trauer betroffen ist) sie die ganze Zeit über begleitet (zum Beispiel an der Hand hält) und auch für ihre Fragen da ist. So können sie die Sicherheit bekommen, die sie für den Abschied brauchen. Tollen Kinder bei der Beerdigung herum oder werden sie albern bis ausfallend, so kann das bedeuten, dass ihnen die Sicherheit fehlt, um Abschied zu nehmen, oder dass sie sich gegen ihre Traurigkeit wehren (müssen), um nicht erdrückt zu werden.

    Es gibt keine Altersgrenze für die Teilnahme
    Ist das Kind gut vorbereitet, hat es eine Vertrauensperson an seiner Seite und möchte es an der Beerdigung teilnehmen, gibt es keinen Hinderungsgrund. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie Kinder bei der Beerdigung beteiligt werden können: Kleine Kinder können die Blumen für den Grabschmuck mit aussuchen, größere können Bilder malen, die mit in den Sarg oder ins Grab gelegt werden. Der Sarg kann bemalt werden. Stirbt ein Kindergartenkind, können die anderen Kinder Luftballons mit selbst bemalten Karten fliegen lassen. Kinder können am Grab den Korb mit Blumen halten, die dann von den anderen Angehörigen ins Grab geworfen werden. Jugendliche können zum Beispiel auch ein selbst geschriebenes Gedicht vortragen. Je mehr trauernde Kinder Geborgenheit erfahren und in den Ablauf der Beerdigung eingebunden sind, desto sinnhafter und sinnvoller kann für sie der Abschied werden.

    Das Ritual der Beerdigung
    Das Einlassen des Sarges in die Erde ist für Kinder gut nachvollziehbar und verständlich. Der Tote hat nun einen sichtbaren Ort in der Erde. Wenn Kinder Tiere beerdigen, übernehmen sie häufig intuitiv diese Form (zum Beispiel Schachtel, in die das Tier gelegt wird, Loch in der Erde, Holzkreuz mit Namen), auch wenn sie selbst noch nie auf einer Beerdigung waren. Bei Kindern im Vorschulalter und frühen Schulalter kann allerdings die Sorge um den Verstorbenen im Vordergrund stehen, da die Vorstellung von einer reduzierten Lebendigkeit vorherrscht (der Verstorbene atmet oder fühlt noch).

    Teilnahme von Kindern an Ereignissen nach der Beerdigung
    Kinder können grundsätzlich an allen Ereignissen nach der Beerdigung teilnehmen und sich beteiligen, wenn sie es möchten. So zum Beispiel beim Gang zum Grab, beim Ewigkeitssonntag oder Allerheiligen, beim Besuch der Pfarrerin, des Pfarrers im Nachgang, beim Sechs-Wochen-Seelenamt oder beim Todestag. Auch beim Trauergespräch mit der Pfarrerin, dem Pfarrer können Kinder mit ihren Wünschen und Ideen schon einbezogen werden (ab Kindergartenalter). Gemeinsam mit dem Kind können an solchen Stationen auch Rituale geschaffen werden: Grab begießen, Kerzen anzünden, Bild aufstellen, Geschichten erzählen, ein Oma-Erinnerungsessen veranstalten. Kinder, die am gesamten Sterbeund Trauerprozess beteiligt sind, haben die Möglichkeit, aktiv Abschied zu nehmen und ihre Trauer durch Handlungen und Rituale zu verarbeiten.
    Oliver


    Trauer und ihre Überwindung in der Bibel entdecken

    Kinder können sich mit ihren Gefühlen in der Bibel wiederfinden. Besonders gut eignen sich dafür die Psalmen wie zum Beispiel Ps 56,9 „Du sammelst meine Tränen in deinen Krug“. Ältere Kinder können sich auch gut in Sätzen wie Ps 69 „Das Wasser steht mir bis zum Halse“ wieder finden. Die emotionale und doch allgemein gültige Sprache der Psalmen ermöglicht es Kindern, Sprache zu finden und sich und ihre Gefühle darin einzutragen. In Gesprächen und Bildern können die eigenen Erfahrungen anhand der Psalmen verbalisiert oder ausgedrückt werden. Gerade Klagepsalmen (zum Beispiel auch Ps 13; 22) können Kindern dazu verhelfen, auch ihre möglicherweise unterdrückten Gefühle wie Wut, Aggression und Ärger zuzulassen und auszudrücken. Mit ihnen können sich Kinder gleichzeitig auch an Gott als Adressaten ihrer Trauer wenden. Aus der Beschäftigung mit Klagepsalmen kann so ein Gebet erwachsen. Hilfreich kann ein Klagegebet sein, in dem alle Gefühle geäußert werden dürfen, dass dann in ein Bittgebet (um Gottes Beistand) münden kann.

    Biblische Geschichten für Kinder
    Einige biblische Geschichten eignen sich, um mit Kindern auch schon im Vorschulalter über Leben und Sterben, Trauer und Auferstehung(shoffnung) ins Gespräch zu kommen. Anhand der Lebensgeschichte von Abraham (Gen 12-25) wird das Abschiednehmen (auch im Leben) thematisiert. Die Geschichte von Maria Magdalena am Ostermorgen vermittelt Kindern die Wandlung von Trauer in Gewissheit auf ein Leben nach dem Tod (Joh 20,11-18). Das Gleichnis vom Weizenkorn (Joh 12,24) versinnbildlicht für Kinder anschaulich und gut umsetzbar den Prozess von Sterben und Auferstehen.
    Dass Gott tröstet, ist eine Erfahrung, die wir Kindern vermitteln können. Gerade in leibhaftig erfahrenem Trost können sie Gottes Trost spüren:
    beim Streicheln, Wiegen (Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, Jes 66,13), beim Tränen abwischen (Gott wird abwischen alle Tränen, Offb 21,4) und beim Dasein für das Kind (Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken, Mt 11,28).

    Psalm mit Gesten beten
    Das Grundgefühl des Geborgenseins bei Gott kann durch das Beten eines Vertrauenpsalms gestärkt werden. Zum Beispiel kann Ps 139 mit Gesten in einer kindgerechten Sprache mit Kindern gebetet werden. Als Kehrvers sprechen die Kinder: „Bei dir bin ich geborgen Gott“ (Arme werden wiegend vor den Oberkörper gehalten), „Du hältst mich in Deiner Hand“ (Hände werden wie zu einem Gefäß vor dem Oberkörper gehalten). Dazwischen können von einem Erwachsenen Sätze gesprochen werden wie „Manchmal bin ich traurig, weil ...“. Durch die Bewegungen können die Kinder die umfassende Liebe Gottes zu uns auch spüren. In Geschichten, wie die von Zachäus oder Bartimäus, können gerade kleinere Kinder erfahren, dass sie bei Gott angenommen sind, so wie sie sind.
    Oliver


    Kinder in Ihrer Trauer begleiten

    Kinder verfügen über andere kognitive und sprachliche Fähigkeiten als Erwachsene. Deshalb trauern sie anders als Erwachsene. Trauer ist bei Erwachsenen und Kindern ein ganz individueller Prozess. So möchte zum Beispiel ein Kind beim Sterben eines Angehörigen dabei sein und ein anderes möchte das auf keinen Fall. Beide Verhaltensweisen sind in Ordnung. Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten im kindlichen Trauerprozess feststellen. Ihre vielfältigen Gefühle können Kinder am besten nonverbal und spielerisch zum Ausdruck bringen. Begegnen wir trauernden Kindern, ist es gut, sich darauf einzustellen und unser Verhalten an den Kindern zu orientieren, uns von ihnen an die Hand nehmen zu lassen. Sie zeigen uns, wann sie bereit sind ihre Trauer zu verarbeiten und wann sie das gerade gar nicht können. Wir brauchen also Kinder nicht zur Auseinandersetzung mit Tod und Trauer zu zwingen, da sie sich schützen, wenn sie etwas nicht verarbeiten können oder wollen. Wir Erwachsenen haben also alles, um Kinder in ihrer Trauer zu begleiten. Wir brauchen uns nur auf die Trauer einzulassen. Dazu können acht Elemente helfen:
    Oliver


    Über den Tod sprechen

    Es ist gut, Kinder über den bevorstehenden wie über den eingetretenen Tod so bald wie möglich behutsam zu informieren. Dabei ist es hilfreich, den Tod und den Toten beim Namen zu nennen, also Worte zu finden, die die Realität treffen und für Kinder verständlich sind. Werden Kinder nicht informiert, nehmen sie atmosphärisch dennoch wahr, dass etwas nicht stimmt. Das kann sie sehr verunsichern. Wird der Tod als Tatsache benannt, können Kinder eher mit der Realität leben. Für Kinder, die das Wort Tod noch nicht verstehen, sind Beschreibungen (aber nicht Umschreibungen) der Wirklichkeit des Todes hilfreich. Umschreibungen, wie die folgenden, weichen der Realität des Todes eher aus:
    • „Großvater ist eingeschlafen.“
    • „Er war müde ...”
    • „Gott nahm ihn zu sich, weil er so gut war.”
    • „Großmutter ist auf eine lange Reise gegangen.”
    • „Er war krank.”
    Solche Umschreibungen nehmen Kinder oft wörtlich und sie bekommen Angst davor, einzuschlafen, gut zu sein, fragen sich, warum Großmutter sich nicht verabschiedete oder fürchten sich, durch eine leichte Krankheit zu sterben. Die Endgültigkeit des Todes kann Kindern so nahe gebracht werden, dass wir ihnen erzählen, was der Verstorbene nicht mehr tun kann: zum Beispiel „Großvater kann nicht mehr mit dir in den Zoo gehen.“ Die Ursache des Todes muss für Kinder einleuchtend erklärt werden: „Sie war so krank, dass sie sterben musste.“ Es muss den Kindern versichert werden, dass sie keine Schuld am Tod haben. „Deine zornigen Gefühle hatten nichts mit seinem Tod zu tun. Er verstand das schon richtig und wusste, dass du ihn gern hattest.”
    Das Verständnis vom Tod bei Kindern ist in viererlei Hinsicht anders als bei Erwachsenen. Deshalb ist es wichtig, vor allen Dingen im jüngeren Alter, Kindern gegenüber den Tod klar zu stellen: Besonders Kinder im Vorschulalter begreifen den Tod als ein zeitlich begrenztes und daher umkehrbares Ereignis (im Gegensatz zum unumkehrbaren Verständnis des Todes bei Erwachsenen). Sie verstehen sich oder ihre Gedanken als Ursache des Todes (während Erwachsene wissen, dass es andere Ursachen des Todes gibt). Sie stellen sich den Toten mit verminderter Lebensfunktion vor (während Erwachsene wissen, dass Tote keine Lebensfunktionen mehr haben) und halten sich selbst für nichtsterblich(während Erwachsene wissen, dass alle Menschen sterblich sind). Begleitende Aufgabe ist es, diese vier Aspekte des Todes zu erläutern, um mögliche Ängste gerade im Umfeld der Beerdigung abzubauen („Bekommt Opa keine Luft mehr?“). So wird der Trauerprozess ermöglicht.
    Oliver


    Nähe geben

    Trauernde Kinder brauchen die Nähe von vertrauten Erwachsenen. Beim Gang zum Grab kann für ein Kind eine haltende Hand sehr hilfreich sein. Auch bei Gesprächen, beim Weinen, beim gemeinsamem Anschauen von (Bilder)Büchern gibt die körperliche Nähe von Erwachsenen – zum Beispiel auf dem Schoß sitzen – Kindern das Gefühl von Geborgenheit.
    Oliver


    Zeit geben

    Angesichts der allgemeinen Tendenz, die Trauerphase abzukürzen und zur Tagesordnung überzugehen, müssen Kinder wissen und erleben, dass Trauer Zeit braucht und immer einmal wiederkommen kann.
    Oliver


    Begleiten

    Kinder brauchen Begleitung beim Trauern. Für das Kind ist es wichtig zu wissen, von welcher Person es kontinuierlich während der Trauerzeit begleitet wird. Auch bei wichtigen Ritualen wie beim persönlichen Abschiednehmen vom Verstorbenen oder bei der Beerdigung ist eine Begleitung wichtig. Wenn die nächsten Angehörigen selbst von dem Tod direkt getroffen sind, kann eine dem Kind vertraute Person, die selbst nicht so stark betroffen ist, die Begleitung des Kindes übernehmen, zum Beispiel die Patin oder der Pate des Kindes.
    Oliver


    Gefühlsäußerungen erleichtern

    Trauer und die zugehörigen Gefühle gelten in unserer Gesellschaft wenig und werden deshalb schamhaft verborgen. Diese Scham hat keinen guten Grund, aber schädliche Folgen. Deshalb, ist es wichtig, Kindern (und Erwachsenen) den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen zu erleichtern. So tut es Kindern gut, wenn sie vermittelt bekommen, dass ihre Gefühle in Ordnung sind und dass sie sie auch äußern und zeigen dürfen. Dies kann ihnen auch dadurch vermittelt werden, dass Erwachsene ihre eigene Trauer zeigen. Erwachsene und Kinder können auch gemeinsam weinen. Kinder lernen dadurch, dass sie weinen dürfen und das Weinen gut tun kann. Ein Gespräch mit einem trauernden Kind kann durch eine Handpuppe oder ein Stofftier als Gesprächsmedium in dieser Richtung erleichtert werden.
    Oliver


    Raum für Spiele und kindgerechte Rituale geben

    Kinder leben in der Gegenwart. So können sie in einem Moment hemmungslos weinen und im nächsten Augenblick ganz intensiv spielen. Für beides brauchen sie Raum, denn auch im Spielen verarbeiten sie ihre Trauer. Häufig drücken Kinder im symbolischen Spiel ihre Erfahrungen aus, da sie sich dadurch vom Geschehenen distanzieren können. Eine spielerische Möglichkeit für das Ausdrücken der Trauer bieten Rituale. Sie ermöglichen die Antizipation des Trauerprozesses (bei derBeerdigung zum Beispiel antizipiert das anschließende Essen den Weg aus der Trauer) und die Veröffentlichung des neuen Status (zum Beispiel als Halbwaise oder Einzelkind). Außerdem helfen sie die Leidtragenden zu entlasten und die Situation zu entkrampfen. Auch das Entwickeln von eigenen situations- und kindgerechten Ritualen bietet Kindern eine Möglichkeit, ihre Trauer individuell und nonverbal auszudrücken und doch verstanden zu werden. Das kann zum Beispiel sein, auf eine bestimmte Weise das Grab zu pflegen (Blumen hinbringen oder gießen), ein Oma-Erinnerungs-Essen (mit Bildern von ihr und Geschichten über sie), das Ausführen einer Tätigkeit oder Verhaltensweise des Verstorbenen (den Stock wie Opa benutzen) oder das Weiterführen von gemeinsamen Aktivitäten (den Weg gehen, den das Kind mit dem Verstorbenen immer gegangen ist).
    Oliver


    Hoffnung über den Tod hinaus ermöglichen

    Schon mit relativ kleinen Kindern (ab circa drei Jahren) ist es möglich, über die christliche Vorstellung des Lebens nach dem Tod zu reden. Natürlich geschieht dies am besten in kindgerechter Sprache: in einfachen kurzen Sätzen. Wichtig dabei ist die Echtheit des Erwachsenen. Kinder spüren, ob wir selber auch daran glauben, was wir sagen. Da sich dasWeltbild des Kindes im Laufe des Erwachsenwerdens ändert, sollten bildhafte Vorstellungen gewählt werden, die mit den Kindern mitwachsen können. Die Redewendung: „Er oder sie ist im Himmel“ ist zum Beispiel brauchbar. Eine Verwechslung mit dem blauen Himmel ist zwar möglich, jedoch nicht von existenzieller Bedeutung. Dagegen erhalten Kinder durch diese Redewendung einen Ort für den Toten, an dem er weiterleben kann. Für Kinder im Vorschulalter kann es ohne weiteres möglich sein, den Verstorbenen gleichzeitig in der Erde und im Himmel zu wissen. So erklärt die vierjährige Clara ihrer zweijährigen Schwester nach einem Friedhofsbesuch: „Die Uroma ist im Sarg unter der Erde.“ Und nach einer kurzen Pause: „Und die Uroma ist im Himmel.“
    Manche Kinder suchen sich eine Erklärung, wie der Verstorbene in den Himmel kommt. So sagt der dreijährige Simon über seinen verstorbenen Bruder, der im Grab liegt: „Wenn die Erde sich dreht, dann fällt er in den Himmel.“ Sätze wie „Ich glaube, dass Oma bei Gott ist, und dass es ihr da gut geht“ qualifizieren den Himmel als Ort der Gottesnähe. Denn auch wir Erwachsenen lokalisieren Gott ja im Himmel (Beispiel: „Vater unser, im Himmel, ...“). Allerdings muss dabei beachtet werden, den Tod nicht derart zu beschönigen, so dass eine Todessehnsucht in den Kindern entsteht und sie selbst den Tod provozieren. Mit Fragen wie „Wie stellst du dir das denn vor?“ kann die Phantasie des Kindes angeregt werden. Der vierjährige Paul antwortet auf die Frage, was er gerne im Himmel machen würde, mit strahlendem Gesicht: „Schaukeln!“. Kinder lernen auf diese Weise, dass es bei Jenseitsvorstellungen kein richtig oder falsch gibt, dass Erwachsene auf diesem Gebiet auch nicht mehr wissen als Kinder. So sagten die Kinder der Familie Huber, wenn sie über Jenseitsvorstellungen sprechen wollten, zu ihren Eltern: „Lasst uns mal wieder darüber sprechen, was ihr auch nicht wisst.“ Gerade Kinder, die es gewohnt sind zu beten, können ermutigt werden ihre verschiedenen Gefühle (Trauer, Wut) auch jetzt Gott zu sagen und den Verlust zu beklagen. Sie lernen so, dass wir Gott unser Leid klagen dürfen.
    Oliver


    Medien und Hilfsmittel einsetzen

    (Bilder)Bücher, Puppen oder Stofftiere können, wie bereits erwähnt, Kinder und Erwachsene in ihrer Trauer unterstützen. Es lassen sich acht verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Büchern unterscheiden:
    (Bilder)Bücher als
    1. Gesprächsanlass: Sensibilisierung für das Thema mit „Leb wohl, lieber Dachs.“, ab Kindergartenalter
    2. Informationsvermittler: mit „Was ist das? fragt der Frosch“, 3- bis 4- Jährige
    3. Distanzierung: Es ist viel leichter, über die Figuren des Buches zu sprechen, ihre Gefühle und Verhaltensweisen zu verstehen und sich dabei den eigenen Gefühlen anzunähern mit „Hat Opa einen Anzug an?“, ab 7 Jahren
    4. Kanalisierung: Eigene Gefühle können in Worten entdeckt und oft erstmals benannt werden mit „Abschied von Rune“, ab 5 Jahren
    5. Solidarität mit „Abschied von Rune“, ab 5 Jahren
    6. Vorbereitung auf schwierige Situationen mit „Mach’s gut, kleiner Frosch“, ab 5 Jahren
    7. Abrundung mit „Leb wohl, lieber Dachs.“, ab Kindergartenalter
    8. Hilfe für Eltern: Verständnis für die Gefühls- und Gedankenwelt von Kindern mit „Abschied von Tante Sofia“, ab 6 Jahren

    Anmerkung: Diese und weitere Fachliteratur findest du im Literaturbereich der Homepage
    Oliver


    Impressum

    Aus einer Broschüre des Diakonischen Werkes der ev. Kirche in Deutschland



    Herausgeber:Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
    Konzeption und Text:Corinna Hirschberg
    Kontakt:Roswitha Kottnik
    Referat Hospiz
    Postfach 10 11 42, 70010 Stuttgart
    Telefon (0711) 21 59-1 35
    Telefax (0711) 21 59-5 50
    E-Mail: hospiz@diakonie.de
    Bestellungen:Zentraler Vertrieb des Diakonischen Werkes der EKD
    Karlsruher Straße 11
    70771 Leinfelden-Echterdingen
    Telefon (0711)9 02 16-50
    Telefax (0711) 9 97 75 02
    E-Mail: vertrieb@diakonie.de
    Es haben mitgewirkt:Thomas Bäumer, Förderverein krebskranke Kinder, Tübingen
    Petra Borch, Leiterin des Seminars für Seelsorgeausbildung, Stuttgart-
    Birkach
    Gertrud Ennulat, Pädagogin / Autorin, Freiburg
    Margarete Helmes, Förderverein Hospiz, Leonberg
    Inger Hermann, Referentin für Religionspädagogik und Hospiz, Stuttgart
    Bernhard Lehr, Journalist / Filmemacher; Concept Film, Karlsruhe
    Gerlinde Mock, Trauerbegleiterin für Kinder, Stuttgart
    Susanne Stolp-Schmidt, Hospizdienst Rems-Murr-Kreis, Waiblingen
    Oliver


    Weitere Beiträge zum Thema: Trauerprozess
     Redemanuskript zu einem Referat

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